„Projecting Space“: Magische Rituale in der Zechenhalle

Uraufführung bei der Ruhrtriennale

Einen Nomadenstamm aus der Zukunft solle man sich vorstellen, der mit uns sein Wissen teilen will, heißt es in der Ankündigung zu „Projecting Space“ von Meg Stuart, am Donnerstag uraufgeführt bei der Ruhrtriennale. Aber was wollen sie uns da in der Zentralwerkstatt Zeche Lohberg in Dinslaken mitteilen, die acht jungen Performer der Gruppe „Damaged Goods“?

DINSLAKEN

von Klaus Stübler

, 01.09.2017, 20:00 Uhr / Lesedauer: 1 min
Meditativ chillen auf einem Gabelstapler. Foto: Van Severen

Meditativ chillen auf einem Gabelstapler. Foto: Van Severen

Der erste Eindruck: Die kommen gar nicht aus der Zukunft, sondern aus den 60er- Jahren. Da verwandeln beim Vorspiel auf dem geschotterten Außengelände zwei einen alten Ford mit Tüchern, Bändern und Kunstblumen in ein Hippie-Gefährt.

Auf einem Gabelstapler und der Schaufel eines kleinen Baggers wird meditativ gechillt und mit Mountainbikes dreht ein Tänzerpärchen, das offensichtlich die Temperaturen falsch eingeschätzt hat, in knappem Badeoutfit seine Runden. Dann geht es hinein in die ehemalige Bergwerksfabrik.

Zuschauer erhalten Gefühl für Zechenhalle


Jozef Wouters hat hohe Gerüste in die Halle gestellt. Diese dienen aber nicht etwa der Renovierung des maroden Gebäudes, sondern den Akteuren als Klettergeräte und den Zuschauern als Sitzgelegenheiten.

Was vor allem gelingt: Man erhält ein Gefühl für die gewaltigen Dimensionen des Raumes, besonders eindrucksvoll, als ein Darsteller versucht, darin rennend mit einem großen bunten Gleitschirm abzuheben.

Als Reflex auf die Bergbauzeiten, zu denen hier unter Zeitdruck und bei ohrenbetäubendem Lärm Kohlenwagen repariert wurden, mutet eine Tanzszene an, bei der die imaginäre Tätigkeiten vollziehenden Performer zunehmend hektischere Bewegungen zeigen.

Magische Rituale dominieren das Stück


Insgesamt aber dominieren magische Rituale mit Händen und Blicken sowie meditative Posen. Eine relaxte Stimme leitet (auf Englisch) zur Meditation an, mit Farbpigmenten wird ein Muster auf den Boden gestreut. Dschungelfeeling kommt auf, als die Akteure zu entsprechende

Geräuschen rhythmisch stampfen und sich in Ekstase tanzen. Dann geht’s gemeinsam ans Lagerfeuer.

Termine: 2. / 3.9.; Karten: Tel. (0221) 280210. www.ruhrtriennale.de
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