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Von Krauthausen bis Rudy, von Bayern nach Schalke: Süd-West-Transfers mit Tücken

mlzSchalke 04

Spielerwechsel vom Rekordmeister zu den Königsblauen waren nur selten Erfolgsgeschichten. Wir haben eine Elf zusammengestellt, die im Laufe der Jahre aus München nach Gelsenkirchen kam.

von Norbert Neubaum und Frank Leszinski

Gelsenkirchen

, 12.02.2019 / Lesedauer: 4 min

Wird er zum Fehl-Einkauf oder kriegt er auf Schalke noch die Kurve? Spätestens seit der frühen Auswechslung im Spiel bei seinem Ex-Klub wird auf Schalke über Sebastian Rudy diskutiert. Kleiner Trost für den Nationalspieler: Er ist nicht der erste Fußballer, der vom FC Bayern München kommt und auf Schalke so seine Probleme hat...

Los ging‘s 1973 mit Franz Krauthausen. Der „schwatte Franz“, geboren in Oberhausen, hat zwei sehr ordentliche Jahre in München hinter sich, als er auf Schalke anheuert. 1975 ist das Gastspiel wieder beendet, nur sechs Bundesliga-Einsätze und null Tore stehen für den Offensiv-Spieler zu Buche. Verantwortlich dafür ist Krauthausens Verletzungspech, aber auch eine Fehleinschätzung: „Die wollten einen zweiten Klaus Fischer. Aber ich war doch nie Mittelstürmer“, erinnert sich Krauthausen später an seine Zeit auf Schalke.

Von Krauthausen bis Rudy, von Bayern nach Schalke: Süd-West-Transfers mit Tücken

Premiere: Franz Krauthausen war der erste Bayer, der in der Bundesliga von München zu Schalke wechselte. © imago

Etwas besser läuft es für Norbert Janzon. In 58 Einsätzen erzielt er zwischen 1981 und 1983 immerhin 15 Tore für Schalke. Ein Aufstieg, ein Abstieg – Janzon erlebt in Gelsenkirchen Höhen und Tiefen.

„Feiner Kerl“ hat schweren Stand

Genau so wie Walter Junghans. Von den Bayern in der Schalker Abstiegssaison 1982/83 gekommen, hat der gebürtige Hamburger von seinem ersten Spiel am 5. November 1982 an einen schweren Stand bei den Königsblauen. „Noch nie in der Bundesliga stand ein Torwart unter solch einem Druck wie zurzeit Junghans. Der wird ja noch nach guten Spielen von den Zuschauern als ‚Bayern-Sau‘ beschimpft“, klagt Manager Rudi Assauer 1983. „Dabei ist der Walter ein ganz feiner Kerl und er war ein richtig guter Torwart“, lobt Ex-Mitspieler Mathias Schipper.

Von Krauthausen bis Rudy, von Bayern nach Schalke: Süd-West-Transfers mit Tücken

Hatte einen schweren Stand: Torwart Walter Junghans konnte nie aus Norbert Nigburs langem Schatten heraustreten. © imago

Aber der Schatten von S04-Legende Norbert Nigbur bleibt lang. Junghans hält insgesamt fünf Jahre auf Schalke, in denen er mehr als 150 Pflichtspiele bestreitet. Eines davon ist das unvergessene 6:6 im Pokal gegen die Bayern. Pech für Junghans: Dieses Spiel, das nicht sein bestes ist, bleibt in Erinnerung...

Sechs Monate, nachdem Junghans Schalke Richtung Hertha BSC (damals Oberliga) verlassen hat, kommt Uwe Tschiskale von den Bayern nach Schalke. Der Stürmer, der in München glücklos blieb, soll Schalke in der Rückrunde 1987/88 aus dem Tabellenkeller schießen. In 16 Einsätzen trifft Tschiskale zwar vier Mal, der Makel des Abstiegs bleibt aber auch an ihm am heften. Desillusioniert kehrt er zurück zur SG Wattenscheid 09.

„Mic“ macht aus D-Mark Dollar

Der Wechsel von Radmilo Mihajlovic ist 1991 in jeder Hinsicht ein Spektakel: Denn für Schalke nimmt „Mic“ sogar den persönlichen Abstieg in die Zweite Liga in Kauf. Doch den lässt er sich gut bezahlen. Ein Transfer mit Tücken. Schalke-Präsident Günter Eichberg klärt später auf: Auf dem Blanko-Vertrag, den er Mihajlovic vorgelegt habe, habe der Profi das D-Mark-Zeichen durch „US-Dollar“ ersetzt, Eichberg habe das aber zu spät bemerkt. Relativ früh fällt auf, dass Mihajlovic der große Durchbruch auch auf Schalke verwehrt bleiben wird. Zwar steigt er mit den Königsblauen in die Bundesliga auf, ein wenig mehr als zwölf Tore in 58 Einsätzen hat man sich aber schon erhofft, zumal Mihajlovic auch im Umgang in dieser Phase nicht der einfachste Vertreter der Branche ist...

Ex-Schalker Thon als „Volltreffer“

Von Bayern nach Schalke: Oft war der Wurm drin. Bei Olaf Thon dagegen werden alle Erwartungen übertroffen, allerdings hat Thon das Schalke-Gen ja bereits in sich, als Rudi Assauer ihn 1994 nach sechs Bayern-Jahren wieder in die Heimat transferiert. Mit Thon prägt Schalke eine neue Ära, u. a. mit dem UEFA-Cup-Sieg 1997.

Von Krauthausen bis Rudy, von Bayern nach Schalke: Süd-West-Transfers mit Tücken

Ausnahme von der Regel: Olaf Thon feierte nach seinem Wechsel zu Schalke eine erfolgreiche Zeit - auch, weil er das „Schalke-Gen“ in sich trug. © dpa

Mit dem Schalke-Gen ist auch Alexander Baumjohann ausgerüstet, als Felix Magath ihn 2010 von den Bayern nach Schalke zurückholt. Hier absolviert Baumjohann bis 2012 zwar 28 Spiele, für einen Profi seines Könnens zu wenig – es folgt der Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern..

Auch Leihspieler keine große Hilfe

Wechselseitig enttäuschend – sowohl für Verein als auch Spieler – verliefen auch die „Leihgeschäfte“ mit Jan Kirchhoff, Pierre-Emile Höjbjerg und zuletzt Holger Badstuber. Dieses Trio war Schalke keine große Hilfe und konnte umgekehrt auch nicht von der Ausleihe profitieren.

Im Sommer 2018 wechselte Sebastian Rudy für eine Ablösesumme von 16,5 Millionen Euro nach Schalke.

Auch auf Trainer-Ebene steht der Bayern-Schalke-Transfer unter keinem guten Stern: Der 1981 verstorbene Guyla Lorant kam im März 1979 von den Bayern nach Schalke – und musste im Dezember 1979 wieder gehen.

Nachgefragt

Olaf Thon war der erfolgreichste Schalker Spieler, der vom FC Bayern zu den Königsblauen zurückkehrte. 1997 gewann er mit den Eurofightern sensationell den Uefa-Cup.

Herr Thon, haben Sie eine Erklärung dafür, warum so viele Bayern-Spieler auf Schalke scheiterten? Ehrlich gesagt, nein. Wenn ich mir die Liste der ehemaligen FCB-Spieler ansehe, die auf Schalke nicht klar kamen, gibt es für mich nicht den einen Grund. Bei einem war es Verletzungspech, bei anderen klappte die Integration nicht. Im Fußball gibt es Entwicklungen, die kann man nicht erklären. Das macht auch den Reiz aus.

Sie haben es jedoch geschafft... Ich war ein Sonderfall.

Inwiefern? Weil ich vor dem Bayern-Wechsel Schalker war und deshalb den Verein und sein Umfeld genau kannte. Ich wusste, was mich erwartete.

Dennoch erwartet man von einem Spieler, der beim FC Bayern aktiv war, dass er auch auf Schalke funktioniert. Ja. Aber Sie dürfen nicht vergessen, dass damit auch fast immer eine große Erwartungshaltung verbunden ist. Damit kommt nicht jeder klar.

Bekommt Sebastian Rudy auf Schalke noch die Kurve? Ganz ehrlich: Ich hatte bei seinem Transfer ein sehr gutes Gefühl. Doch er war zu Beginn noch nicht in der körperlichen Verfassung, um Schalke helfen zu können. Dann gab es den Fehlstart mit fünf Niederlagen in Folge. Auch das war für ihn in einer neuen Mannschaft nicht optimal. Rudy muss sich jetzt durchbeißen. Ich bin optimistisch, dass ihm das in den nächsten Wochen gelingt.