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Das BVB-Jahr 2017

Anschlag auf die Spieler erschüttert ganz Deutschland

DORTMUND Das Attentat auf die BVB-Spieler erschüttert im April ganz Deutschland. Aus Habgier soll der mutmaßliche Täter Sergej W. drei Splitterbomben präpariert und gezündet haben. Es grenzt an ein Wunder, dass niemand ums Leben gekommen ist. Die Fußballer stehen tagelang unter Schock. Die Bilder am Tatort sind gruselig. Jürgen Koers blickt zurück.

Anschlag auf die Spieler erschüttert ganz Deutschland

Tolle Aktion! Diese beiden Fans zeigen ihre Solidarität mit dem beim Anschlag verletzten Marc Bartra. Foto: Groeger

Blaulicht flackert durch die hereinbrechende Nacht und gibt der Schwärze eine gespenstische Kontur. Dutzende Polizeiwagen stehen auf der Wittbräucker Straße in Dortmund, Schaulustige stehen zurückhaltend am Straßenrand. Rufe der Rettungskräfte schneiden durch die Stille.

Verstört, sprachlos, wie paralysiert

Die Fußballer von Borussia Dortmund, die in diesem Moment eigentlich im hell erleuchteten Stadion in der Champions League gegen AS Monaco spielen sollten, finden sich mit aschfahlen Gesichtern in kleinen Gruppen zusammen. Verstört, sprachlos, wie paralysiert. Eben noch war das bevorstehende Fußballspiel das Wichtigste. Nun sind sie froh, überhaupt am Leben zu sein.

Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler

Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
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Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.
Die Bilder des Anschlags auf die BVB-Spieler.

Es ist ein Schock, als am 11. April bei der Abfahrt vom Team-Hotel "L’Arivée" im Stadtteil Höchsten drei Sprengsätze direkt neben dem Mannschaftsbus des BVB explodieren. Als der Bus, in dem der Fahrer, acht Betreuer und 18 Spieler sitzen, gerade auf Höhe der Hecke ist, soll der 28-Jährige Sergej W. Sprengkörper gezündet haben.

Zunächst dünne Faktenlage

Detonation, Schreie, Chaos. Noch ein Knall. Scheiben splittern, Borussias Innenverteidiger Marc Bartra erleidet einen Bruch des Unterarms. Einer der vielen Bolzen, die in den Bomben verbaut sind, schlägt in die Kopfstütze ein. Ein Motorradpolizist, der den Bus begleitet, erleidet ein Knalltrauma. Es grenzt an ein Wunder, dass niemand ums Leben gekommen ist.

Im Presseraum des Stadions sickert die Nachricht durch, dass es eine Explosion am Mannschaftsbus gegeben haben soll. Ein Anschlag? Eine Attacke von Fans? Die Faktenlage ist dünn. Gerüchte zu verbreiten, die unaufhaltsam die Runde machen, das verbietet sich.

Hier geht es um Leben, und um Anstand

Ich bin Journalist. Reporter. Ich muss reagieren. Mit meinen Kollegen bespreche ich eilig die weitere Vorgehensweise. Wir berichten online und auf unseren Social-Media-Kanälen. Aber nur bestätigte Angaben. Keine Panik schüren. Noch weiß niemand, ob es auch in Stadionnähe Gefahr gibt. Dann springe ich ins Auto. Ab zum Tatort.

Gerne mache ich das nicht. Aus persönlicher Angst, die unterwegs eher zunimmt, aber auch aus Rücksicht vor den Opfern und den Ermittlern. Vor Ort ergibt sich dieses surreale Bild. Die Spieler, die ich bestens ausgeleuchtet aus dem Stadion kenne, mit den unterschiedlichsten Gefühlslagen aus der Mixed Zone und aus anderen Zusammenhängen, sie stehen da, kreidebleich und unter Schock. Selten waren Gedanken an ein Fußballspiel abwegiger. Ein Kopfnicken, ein Gruß. Mehr nicht, keine Fragen. Hier geht es um Leben, und um Anstand.

"Da dachte ich, das ist etwas Großes"

Im Stadion müssen die BVB-Bosse, die nicht im Bus saßen, eine Entscheidung treffen. Die UEFA macht Druck. Das Spiel soll am nächsten Tag nachgeholt werden. Bei der Besprechung im Mannschaftskreis schütteln am Morgen danach zwei Spieler den Kopf, sie wollen nicht antreten. Über die Art und Weise des Umgangs mit dem Anschlag und verbreiteter Unwahrheiten kommt es zum endgültigen Bruch zwischen Trainer Thomas Tuchel und der Vereinsführung.

Die Spieler sind psychisch angeschlagen. Im ersten Moment habe er an einen Steinwurf gedacht, berichtet Nuri Sahin. Dann habe er gesehen, wie Marc Bartra blutete. "Und der Geruch, der kam auch, man hat gerochen, dass da etwas explodiert ist. Da dachte ich, das ist etwas Großes."

Ein unwirkliches Bild

Die Insassen werden in der Nacht unter Polizeibegleitung nach Hause gefahren. Sahin erklärt, er sei im Zimmer seines schlafenden Sohnes in Tränen ausgebrochen. "Was passiert ist, das gehört jetzt zu mir und zu meinem Leben", sagt der 28-Jährige. Bis heute haben einige Borussen diesen Abend im Kopf präsent. Der Verein vermittelt psychologische Betreuung. Die posttraumatische Verarbeitung setzt manchmal erst Monate später ein.

Die Pressemitarbeiter der Polizei erlauben Fotos am Mannschaftsbus. Scheiben sind geborsten, und ein Stück der vermeintlich heilen Welt ist gerissen. Ein Scherbenhaufen. Ein unwirkliches Bild.

Kein islamistischer Terror

Während die Spieler mit der ersten Aufarbeitung kämpfen, brauchen die Ermittler zehn Tage, um dem mutmaßlichen Täter auf die Spur zu kommen. Es steckt kein islamistischer Terror hinter dem Anschlag. Die Fahnder kommen zu dem Schluss, dass nicht etwa eine Terrororganisation, sondern ein 28-jähriger Deutschrusse aus Rottenburg am Neckar bei Tübingen der Attentäter ist. Die Tat sei nicht aus religiösem Fanatismus, sondern aus purer Habgier verübt worden.

Diese Veröffentlichung macht ratlos, die Gefühlslage ist konfus. Da ist Erleichterung, weil kein IS-Terror hinter dem Anschlag steckt. Da ist Entsetzen, was für kranke Geschöpfe derart skrupellos handeln können. Da ist Trotz, weil wir uns als Gesellschaft durch diese Attacken nicht von unserem Weg der Freiheit abbringen lassen.

Aktion "bedforawayfans"

Wenn ich gefragt werde, was mir von diesem Abend in Erinnerung bleibt, sind es zwei Situationen: Das flackernde Blaulicht am Tatort, das Schatten auf die Gesichter der Menschen wirft. Und es ist die Aktion "bedforawayfans" der Dortmunder, die den Gästen aus Monaco Schlafplätze anbieten. Wenn es an diesem schlimmen Tag einen Gewinner gab, dann ist es der völkerverbindende Sport.

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