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Aufschwung Ost

BERLIN Dieser Satz würde Dieter Hoeneß an jedem Stammtisch fünf Euro ins Phrasenschwein kosten. „So ist Fußball“, sagt der Manager von Hertha BSC. Platter geht es kaum. Aber eben auch kaum wahrer. Von weit unten in der Tabelle binnen vier Wochen ein ganzes Stück nach oben – der Fußball, sagt Hoeneß, „bietet diese Chance“.

von Von Daniel Stolpe

, 06.03.2008
Aufschwung Ost

Seit einigen Wochen Feunde: Brasilianer Raffael, Berliner Bär.

Berlins Bundesligist und sein Trainer Lucien Favre haben einen solchen Steigflug hinter sich. Nach enttäuschender Hinrunde gab es zum Auftakt der zweiten Halbserie ein bloßstellendes 0:3 zu Hause gegen Frankfurt. Ähnlich negative Ergebnisse der folgenden Spiele beim VfB Stuttgart und gegen Arminia Bielefeld – und die Hauptstadt hätte spätestens dann eine kaum mehr aufzuhaltende Diskussion um Favre erlebt.

Vier Spiele später ist schon wieder das Gegenteil der Fall. Gar den Abstiegskampf hatte der Trainer Anfang Februar ausgerufen, nun sprechen manche Spieler vom UEFA-Cup. Die Wahrheit dürfte in der Mitte liegen. Das Saisonziel lautet „einstelliger Tabellenplatz“ – und genau auf einen solchen kann Berlin heute Abend auch springen.

Neuer Rekord winkt

Selbstvertrauen ist vorhanden: Hinter den Bayern ist Hertha die zweitbeste Rückrunden-Mannschaft. Zehn Punkte aus vier Partien markieren die ertragreichste Teilstrecke von Favres Wirken. 319 Minuten ohne Gegentor können heute zu einem neuen Bundesliga-Vereinsrekord (bislang 397 aus der Saison 1998/99) ausgebaut werden.

Für seine Verhältnisse euphorisch sagt Favre: „Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen. Aber die Mannschaft ist stabiler geworden, ich habe keinen Grund, unzufrieden zu sein.“ Also übernimmt der heute wegen der fünften Gelben Karte gesperrte Kapitän, Nationalspieler Arne Friedrich, die Bremser-Rolle: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht gleich wieder denken, dass jetzt alles von alleine geht.“ Friedrich attestiert dem Team aber gleichermaßen, es habe im Winter in Person der Zugänge Raffael, Rudolf Skacel und Gojko Kacar „Qualität dazubekommen“ und präsentiere sich infolgedessen „spielerisch besser“ und „um einiges stabiler“.

"Zwangläufig mehr Räume"

Insbesondere der für 4,3 Millionen Euro vom FC Zürich verpflichtete Brasilianer Raffael eröffnet neue Möglichkeiten. Drei der sechs Tore, die Hertha in der Rückrunde erzielt hat, gehen auf sein Konto. Die andere Hälfte auf das seines Sturmpartners Marko Pantelic (zehn Saisontore), der sagt: „Durch Raffael ergeben sich für mich zwangsläufig mehr Räume. Die Gegenspieler konzentrieren sich nicht mehr nur auf mich, sondern müssen auch Raffael ständig beobachten. Ich denke, dass wir im Sturm weniger berechenbar sind.“ Das Ineinandergreifen der einzelnen Mannschaftsteile (jetzt in 3-4-2-1-Anordnung), das Favre während der Hinrunde als unzureichend bemängelt hatte, präsentiert sich klar verbessert. An einem guten Tag erweist sich das Team als ballsicher, zielstrebig und in Zweikämpfen präsent – und eben darauf kommt es Favre an: Das Spiel zu lesen und Situationen vor ihrer Entstehung zu antizipieren, lautet seine Vorgabe.

Die Spieler leisten zunehmend Folge. Drei Mal in Serie hat Hertha zu Null gespielt. Hoeneß hat beobachtet, wie „jeder mitmacht: nicht nur taktisch, sondern auch im Kopf“ – etwa, indem ein jeder auf dem Platz den „Schritt mehr macht, damit es eng wird“. Er nennt dies „die Summe der kleinen Dinge, die funktionieren müssen“. Derzeit funktionieren sie – und diese Erkenntnis kostet noch nicht einmal fünf Euro.

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