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BVB-Strippenzieher fremdelt mit seiner Position

Weigl kämpft mit einem neuen Gefühl

In den ersten beiden Jahren beim BVB geht es nur bergauf für Julian Weigl. Dann kommt die erste schwere Verletzung - und der 22-Jährige tut sich schwer auf dem Weg zurück. Weigl kämpft auch mit einem völlig neuen Gefühl.

DORTMUND

von Dirk Krampe

, 16.06.2018
BVB-Strippenzieher fremdelt mit seiner Position

Julian Weigl benötigt absolute Fitness und das Vertrauen des Trainers. © Kirchner/Inderlied

Die Szene, als er sich das Sprunggelenk brach im Auswärtsspiel beim FC Augsburg, die verfolgte Julian Weigl ein komplettes Jahr lang. Er kämpfte sich zurück mit Beginn der nun beendeten Saison, aber Weigl musste erkennen, wie schwierig dieser Weg ist.

Gestiegene Erwartungshaltung

Zu den körperlichen Auswirkungen der Verletzung kam die gestiegene Erwartungshaltung: Seit seinem Wechsel vom TSV 1860 München zum BVB im Sommer 2015 war Weigl Stammspieler. Es war nur nach oben gegangen für ihn, ziemlich steil sogar. „Ich war auf einer Welle“, sagt Weigl, und er gibt auch zu: „Ich habe das ziemlich genossen.“ Entsprechend schnell kam die Kritik, als es nicht gut lief.

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Als er zurückkam nach drei Monaten Zwangspause, da hieß der Trainer nicht mehr Thomas Tuchel, sondern Peter Bosz. Bosz hatte ganz andere Vorstellungen von der Art und Weise, wie Weigl auf dem Feld agieren sollte. Deutlich weiter vorn sollte er sich positionieren, das bedeutete sofort mehr Gegnerdruck. Und Weigl staunte, als er beobachten musste, dass er in einigen Spielen sogar manngedeckt wurde, weil man ihn als den heimlichen Strippenzieher im Dortmunder Spiel ausgemacht hatte.

Weniger Ballkontakte, weniger Sicherheit

„Das Schwierigste“, sagte Weigl im Frühjahr in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, sei gewesen, sich einzugestehen, „dass es nicht immer so positiv weitergehen kann.“ Weigl kämpfte noch mit Folgeerscheinungen der Verletzung („Es dauert, bis Automatismen wiederkommen“) - und er fremdelte gewaltig mit seiner Position. „Man hat plötzlich weniger Ballkontakte und damit weniger Sicherheit. Da kann man leicht in einen Teufelskreis geraten. Und man hadert mit jedem Pass, der nicht ankommt.“

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Weigls Notenschnitt sank dramatisch. Von 3,37 in seinem ersten BVB-Jahr, über 3,59 in Tuchels letzter Saison, bis auf 3,91 in der abgelaufenen Spielzeit. „Ich weiß“, sagt er, „dass die Leute im Verein zwar viel von mir halten, dass ich im Moment aber nicht unverzichtbar bin.“ Sich das einzugestehen, war sicher nicht einfach - aber Weigl ist ein kluger Junge, der mit klarem Blick durch die Welt läuft.


AUSBLICK: Die vergangene Saison zeigt, dass Julian Weigl für sein Spiel vor allem zwei Dinge benötigt: Absolute Fitness und Vertrauen des Trainers. Es ist gut, dass Weigl in diesem Sommer komplett Pause machen und dann ausgeruht in die Vorbereitung starten kann.

In seiner noch jungen Karriere hat er erste Rückschläge erlebt - das Vertrauen in seine Fähigkeiten aber ist immer noch groß. Weigl wird nicht zu den Spielern gehören, mit denen die Borussia nicht mehr plant. Als unumstrittener Stammspieler aber geht er nicht in die neue Saison.

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