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Das Schweigen der Belämmerten

WOLFSBURG Das Stadionmagazin des VfL widmete dem zarten Aufschwung Borussia Dortmunds zwei ganze Seiten. Titel: „Der BVB stürmt aus dem Mittelmaß.“ 90 grausige Spielminuten später, in denen Dortmund selten stürmte, blieb davon nur noch das Mittelmaß übrig.

von Von Dirk Krampe

, 16.12.2007
Das Schweigen der Belämmerten

Martin Amedick (Mitte) wechselt zum 1. FC Kaiserslautern.

In nackten Zahlen zur Winterpause liest sich das so: Platz 10, nur 21 Punkte und schon acht Niederlagen – der BVB steckt im Niemandsland der Tabelle fest. Da, wo sich die „grauen Mäuse“ der Liga tummeln. Die Dortmunder Profi-Fußballer setzten nach dem peinlichen 0:4 in der Autostadt Wolfsburg fort, was sie auf dem grünen Rasen begonnen hatten: Sie versteckten sich und schwiegen mal wieder. Den wartenden Journalisten stellte sich nur Kapitän Christian Wörns, alle anderen schlichen starren Blickes in die Kabine. Und waren fortan nicht mehr gesehen. Aus einem Seiteneingang der VW-Arena entschwanden sie einer nach dem anderen in den wartenden Bus.

Wörns redet

Immerhin redete ja Wörns. Sprach von fehlender Galligkeit, dem unerklärlichen Phänomen der Selbstzufriedenheit. „Man muss sich nicht nur viel vornehmen, man muss es auch vorleben“, meinte Wörns. Und redete von dem „unglücklichen Doppelschlag“ in der 8. und 11. Minute, als Borussias Defensive in den Tiefschlaf versank und dilettantische Fehler machte. „Danach sind wir nicht mehr in den Rhythmus gekommen.“

Wenige Argumente

So einfach kann Fußball sein. Wörns übersah geflissentlich seine Mitschuld an zumindest drei der vier Gegentreffern. Beim 0:1 köpfte er den Ball vor die Füße des von Blaszczykowski sträflich allein gelassenen Schäfer, beim 0:2 ließ er sich von Dzeko aus dem Strafraum locken, der düpierte ihn beim 0:4 mit einer schnellen Körperdrehung – der 35-Jährige lieferte Thomas Doll wenige Argumente, nach der Winterpause wieder auf ihn in der Innenverteidigung zu setzen. Zornesröte Überhaupt glich Dortmunds Defensive einem Torso. Wolfsburgs überragender Mann hieß Marcel Schäfer. Zwei Tore bereitete er über die linke Seite vor, eins machte der Ex-Sechziger selbst. Sein Gegenspieler: Jakub Blaszczykowski. Trainer und Manager trieb es nach Spielschluss die Zornesröte ins Gesicht. Thomas Doll war kurz angebunden und einsilbig wie schon so oft, wenn seine Elf ihn allein gelassen hatte. Dafür redete Michael Zorc Klartext. Ein Journalist wagte die Frage, wie er dieses Spiel denn bewerte. Zorc giftete: „Welches Spiel? Ich habe keins gesehen. Zumindest keines, das Ansprüchen eines Profi-Fußballers genügt hätte.“ Zorc monierte „ewig gleiche Verhaltensmuster“, und war auch wohl deshalb so sauer, weil es nach der Rückkehr aus Indonesien auch um seine Zukunft gehen wird.

Der Baum brennt

Schon etliche Tage vor Weihnachten brennt beim BVB mal wieder der Baum. Einen Zähler weniger als im Vorjahr zur gleichen Zeit hat die Elf auf dem Konto, die Dollsche Aufbruchstimmung ist längst verflogen. Verlass war in der Hinrunde nur auf die Inkonstanz.  

  Was Ruhrnachrichten.de bereits am Donnerstag meldete, wurde nun auch offiziell bestätigt: Borussia Dortmund will zur kommenden Saison den Karlsruher Spielmacher Tamas Hajnal verpflichten. Hajnals Berater Marc Wilmots, Ex-Profi des FC Schalke 04, betonte gestern: „Der BVB hat sein Interesse bekundet.“ Das Thema werde aber nicht vor „Ende Januar intensiviert“. Wilmots weiter: „Für Tamas liegen mehrere Anfragen vor. Er wird nur zu einem Klub wechseln, der wirklich eine Nummer 10 braucht.“

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