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BVB-Gegner Salzburg im Portrait

Ein RB-Leben in der sportlichen Bedeutungslosigkeit

DORTMUND Red Bull Salzburg dominiert den österreichischen Fußball nach Belieben. Der Serienmeister der Alpenrepublik feiert nationale Erfolge am Fließband - nur interessiert das eigentlich niemanden so wirklich. Der BVB-Gegner im Portrait.

Ein RB-Leben in der sportlichen Bedeutungslosigkeit

Feiertag in Salzburg! Am 15. März ist Borussia Dortmund zu Gast in der Red Bull Arena. Foto: dpa

Am 15. März, beim Spiel gegen den BVB, da wird die Hütte noch einmal so richtig voll. Borussia Dortmund kommt. Mit Marco Reus, mit Mario Götze, mit dem Österreicher Peter Stöger auf der Trainerbank. Das klingt gut, das klingt nach großem Fußball. 29.520 Zuschauer wollen dabei sein, wenn der FC Red Bull Salzburg die Dortmunder Borussia im Achtelfinal-Rückspiel der Europa League fordert. Der Klub aus der Mozartstadt hat etwas vermelden, was er eigentlich nie vermeldet: ausverkauft.


Knapp 7000 Zuschauer im Schnitt

Denn der Alltag in Salzburg sieht anders aus. Nur 6763 Zuschauer verirrten sich in dieser Spielzeit im Schnitt zu den bisherigen zwölf Liga-Heimspielen der Roten Bullen. In Summe kamen 81.150 Fans - so viele wie in Dortmund zu einem einzigen Bundesliga-Heimspiel. Vergangene Woche, beim 7:0-Kantersieg gegen Austria Klagenfurt im Pokal, waren es 1600 Zuschauer, die den Weg in die schmucke Red Bull Arena in Wals-Siezenheim fanden.



Die Zuschauerentwicklung beim Serienmeister aus der Alpenrepublik ist dramatisch. 2005, als Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz (73) aus dem lilafarbenen SV Austria Salzburg den rot-weißen FC Red Bull Salzburg machte, sind durchschnittlich mehr als 16.000 Zuschauer zu den Heimspielen gekommen. Im Jahr darauf waren es 15.000, dann 13.000 - und eigentlich wurden es kontinuierlich immer weniger. Die Euphorie, die in Salzburg mal herrschte, sie ist längst weitergezogen. Doch woran liegt das?


Vier Double in Serie


Auf der Suche nach Antworten auf diese Frage kann man mehrere Spuren verfolgen, eine dabei aber ganz bestimmt ausschließen. Am nationalen Erfolg mangelt es nicht. Denn allein in den vergangenen vier Jahren hat RB Salzburg in Österreich viermal das Double aus Meisterschaft und Pokal gewonnen. Auch diese Saison thront der Klub in der Liga unangefochten an der Spitze. Die Wahrscheinlichkeit, dass Salzburg am Ende der Spielzeit nicht ganz oben steht und die fünfte Meisterschaft in Serie feiert, ist ungefähr so groß wie die Chance, dass Bayern München noch Zweiter in der Bundesliga wird oder der Hamburger SV nächste Saison international spielt.


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Ein Ansatz ist sicherlich die Champions League. Zehnmal probierte sich RB Salzburg in der Qualifikation zur Königsklasse, zehnmal ging der Versuch gänzlich in die Hose. Mal scheiterten die Roten Bullen an Malmö FF aus Schweden, mal an F91 Düdelingen aus Luxemburg. Vergangenen Sommer feierte Salzburg dann zehnjähriges Scheitern. Gegen HNK Rijeka aus Kroatien. 1:1 daheim, 0:0 auswärts: wieder nichts. Der Traum von der Champions League ist längst zum Trauma geworden. Und wer den Schaden hat, muss auf den Spott nicht lange warten. "Zehnmal probiert, zehnmal ist nix passiert." Klaus Lage mal anders. Die Internetgemeinde hat ihren Spaß daran.


Das dritte Rad am Fahrrad


Doch neben all dem Hohn hat RB Salzburg noch ein viel größeres Problem. Es heißt RB Leipzig. Denn spätestens seitdem die anderen Roten Bullen mit der anderen Red Bull Arena in der Bundesliga und in der Champions League spielen, ist Mateschitz' Ursprungsprojekt in Salzburg nur noch so etwas wie das dritte Rad am Fahrrad. Irgendwo zwischen lästig und nützlich. Lästig, weil es Pflege bedarf. Nützlich, weil es immerhin auch ein wenig Schwung liefert. In diesem Fall liefert RB Salzburg den Schwung für RB Leipzig.

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Die Roten Bullen aus den Alpen führen ein Leben im Ausbildungsstall. Allein elf Spieler wechselten in den vergangenen zwei Jahren aus Salzburg nach Leipzig, eine ganze Fußballmannschaft. In ihr finden sich Namen wie Naby Keita, Peter Gulacsi, Dayot Upamecano, Stefan Ilsanker oder Marcel Sabitzer. Der Marktwert des Leipziger Kaders wird mittlerweile auf über 300 Millionen Euro taxiert, der von RB Salzburg auf 49,5 Millionen Euro. Die Party geht in Sachsen ab, Salzburg hat den Kater.


Auf Dauer nicht sexy genug


Adi Hütter, von 2014 bis 2015 Trainer in Salzburg, begründete seinen Abschied nach nur einem Jahr trotz Erfolgs damals wie folgt: "Ich bin kein Ausbildungstrainer, es ist nicht einfach, wenn man jedes Jahr seine Topspieler verliert." Die Fans sehen das scheinbar ähnlich. RB Salzburg, so wirkt es, fristet mittlerweile ein Leben in der sportlichen Bedeutungslosigkeit. Es ist ein bisschen zu vergleichen mit einer zweiten Mannschaft, die nur ab und zu mal einen eigenen Glanzpunkt setzt. Zum Beispiel, wenn sie in der Europa League gegen Borussia Dortmund spielt. Auf Dauer aber ist das nicht sexy genug.



Marco Rose sieht das anders - und kämpft gegen diesen Eindruck an. Der Salzburger Coach, früher Profi bei Hannover 96 und Mainz 05, hat sich über die Jugendabteilungen bis auf den Cheftrainer-Sessel hochgearbeitet. In der vergangenen Saison hat Rose mit der U19, den Salzburger Jungbullen, die UEFA Youth League gewonnen. Der gebürtige Leipziger sagt: "Ich sehe uns nicht als Ausbildungsverein, denn wir sind immerhin im Achtelfinale der Europa League. Da muss man auch erst einmal hinkommen. Das machen wir mit jungen und alten Spielern.“ Er trage zudem absolut mit, dass Salzburg nun mal in der österreichischen Bundesliga spiele und dass "wir richtig gute Jungs auch mal verlieren. Das lässt sich nicht vermeiden." Irgendwie klingt das dann halt doch verdächtig nach Ausbildungsverein.


"Dichtere Atmosphäre"

Am 15. März, beim Spiel gegen den BVB, da wird die Hütte noch einmal so richtig voll. Borussia Dortmund kommt. Mit Marco Reus, mit Mario Götze, mit dem Österreicher Peter Stöger auf der Trainerbank. Dann bekommt RB Salzburg für mindestens zweimal 90 Minuten mindestens die gleiche Aufmerksamkeit wie RB Leipzig. Ob diese 180 Minuten plus mögliche Verlängerung ausreichen, um dauerhaft Sonne ins Salzburger Schattendasein zu bringen? Es ist zumindest unwahrscheinlich.


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Der Oberrang der Red Bull Arena in Wals-Siezenheim soll in Zukunft geschlossen werden. Damit will der Klub eine "dichtere Atmosphäre" schaffen. Gedanken, die sich Dietrich Mateschitz in Leipzig wohl nie machen wird. Dort möchte der Red-Bull-Chef das Stadion so schnell wie möglich ausbauen.

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