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"Ich bin voller Tatendrang"

MAGGLINGEN Die Anstrengung färbt den Kopf des Dortmunder Fußballers rot. Schweiß perlt aus allen Poren. Alexander Frei (28) schnauft. Stemmt sich in die Pedalen. Und klebt mit seinen Augen auf der Anzeige, die ihm das Ende der Quälerei ankündigt. „Noch sechs Minuten“, sagt Physiotherapeut Stephan Mayer. Sechs Minuten auf dem Ergometer. Mit hohem Widerstand. Wie auf einer Alpenetappe der Tour de France.

von Von Marvin Binz

, 28.12.2007
"Ich bin voller Tatendrang"

Harte Arbeit: Borussias Athletiktrainer Michael Wenzel und Alexander Frei.

Magglingen liegt gut 900 Meter hoch. Von Biel im Kanton Bern (50 000 Einwohner) kriecht eine Zahnradbahn den Berg hoch. Nebel klatscht an die Kabinenwände. Eine gespenstische Atmosphäre. Wie in einem Edgar-Wallace-Film. Erst kurz vor dem Ziel sticht die Bergbahn durch die grauen Schwaden. Urplötzlich spannt sich ein blauer Himmel über den Ort, an dem das „Bundesamt für Sport“ zu Hause ist. Die Einheimischen sagen BASPO. Magglingen verschmilzt mit dem BASPO. Und mit dem Swiss Olympic Medical Center, der Schweizer Kaderschmiede.

Glasvitrine

Das Gebäude der Physiotherapie befindet sich an der Hauptstraße. Zum Empfangsraum führt ein langer Flur. Eine Glasvitrine schmiegt sich an die Wand. Wie Reliquien werden dort Erinnerungsstücke aufbewahrt. Der linke Schuh von Hürdenläufer Ed Moses. Eine Widmung von Sprintstar Frankie Fredericks. Der Namibier flog einst in 9,86 Sekunden über die 100 Meter (bei Gegenwind) – und in 19,68 Sekunden über die doppelte Distanz. Den größten Platz in der Vitrine nimmt Freis Trikot ein. Er hat es signiert. Aus Dank für die gute Pflege.

Der BVB-Stürmer wohnt im angrenzenden Hotel. „Wahrscheinlich“, flachst Mayer, der in seiner Heimat als Fitness-Guru ähnlich verehrt wird wie Klaus Eder (Donaustauf) in Deutschland, „wahrscheinlich wäre es für ihn günstiger gewesen, wenn er sich hier gleich etwas gekauft hätte.“

Seit siebeneinhalb Monaten pausiert Frei. Hüft-Arthroskopie im Mai. Comebackversuch im August. Muskelfaserriss. Comebackversuch im September. Wieder Muskelfaserriss. Fehlbelastungen der Wadenmuskulatur. Eine zweite Operation Anfang November. Genug, um hadernd aus der Kurve zu fliegen. Und zu verzweifeln.

Balance behalten

Frei hat die Balance nie verloren. „In meinem Inneren fühle ich mich jetzt erholter“, berichtet er, „ich fühle mich erholter, distanzierter zu den Verletzungen und demütiger gegenüber dem Fußball.“ Frei verrät, dass er wieder richtig Lust auf Fußball hat. Dass sein Antrieb so stark ist wie nie. „Ich bin voller Tatendrang“, sagt er. „Ich spüre, dass wieder alles im Lot ist.“

Am 4. Januar wird er seinen Dienst in Dortmund aufnehmen. Runderneuert. Ob seine Vorbereitung drei, vier oder fünf Wochen dauern wird, lässt Frei offen: „Ich habe gelernt, mit Zielen vorsichtiger umzugehen und mich selber nicht unnötig unter Druck zu setzen.“ Am 10. Februar kommt Schalke nach Dortmund. Für den BVB-Angreifer würde sich mit diesem Spiel ein Kreis schließen. Gegen Schalke, bei jenem unvergesslich emotionalen 2:0 vom 12. Mai, verabschiedete sich Frei von der Bundesliga-Bühne. Neun Monate später könnte er zurückkehren. Und wieder Schalke weh tun.

„Dieser Termin würde passen“, meint er, aber im Grunde ist ihm der Zeitpunkt seines Comebacks egal. „Für mich zählt nur, dass ich in der Rückrunde mindestens 10, 15 Spiele machen kann.“ Wo die Borussia am Ende dieser Periode stehen wird? Frei verkneift sich jede Prognose. Sagt nur: „Keiner kann glücklich sein, wenn er heute auf die Tabelle schaut.“

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