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BVB-II-Trainer im Interview

Jan Siewert: Mannschaft und Spieler entwickeln sich

DORTMUND Spieler auszubilden ist die vorrangige Aufgabe für Jan Siewert, den Trainer des BVB II. Doch das ist so schwer wie lange nicht mehr. Im Interview mit Daniel Otto spricht Siewert über die Gründe dafür, den Verlauf der bisherigen Regionalliga-Saison und die vier Nachholspiele, die bei der Borussia im kommenden Jahr anstehen.

Jan Siewert: Mannschaft und Spieler entwickeln sich

Jan Siewert fokussiert beim Coachen seines Teams. Der 35-Jährige will Spieler besser machen und für den Profibereich ausbilden. Foto: Stephan Schuetze

Herr Siewert, wir treffen uns an einem Wochentag, wie froh sind Sie, dass Ihre Mannschaft heute nicht spielen muss?

Siewert: Heute? Ich hätte gerne heute gespielt.

Sind Sie sich da sicher? Von vier Niederlagen im ersten Halbjahr gab es drei unter der Woche.

Siewert (lacht): Ja, das wollten wir natürlich gerne drehen und auch mal unter der Woche punkten.

Spielausfälle gehören beim BVB II Jahr für Jahr dazu. Hans-Joachim Watzke hat gesagt: „Das müssen wir lösen.“ Wie sähe denn ihre Ideallösung aus?

Siewert: „Ich würde gerne in der Roten Erde spielen. Das ist einfach ein Traditionsgelände und es ist eine tolle Sache für die Spieler, sich in der Profi-Kabine umzuziehen und dann rauszugehen zur Roten Erde, weil dann mit Sicherheit der Anspruch wächst, irgendwann auch mal in die andere Richtung abzubiegen: In den Signal-Iduna-Park.

Warum spielen Sie die Nachholspiele nicht in Brackel auf dem Trainingsgelände?

Siewert: Wir dürfen das bisher gar nicht, es gibt ja gewisse Regularien vom Verband.

Wie sehr bringt die Mannschaft diese ständigen Spielausfälle aus dem Konzept?

Siewert: „Es ist einfach immer wieder ein Spannungsabfall. Gerade wir als junge Mannschaft leben von einem gewissen Rhythmus. Man kann im Training kein Spiel simulieren. Da fehlen immer ein paar Prozente, als wenn es um Punkte geht.



Wie läuft so eine wiederholte Vorbereitung ab?

Siewert: Wir bereiten uns mit Videobildern auf den Gegner vor, wo sind Lücken, wo müssen wir achtsam sein? Dann schauen wir uns nochmal die Standards an, gehen auf den Trainingsplatz, bereiten uns vor und dann kommt die Spielabsage. Da sieht man in den Gesichtern der Jungs keine pure Freude, ganz im Gegenteil.

Und dann geht ein paar Wochen später alles nochmal von vorne los?

Siewert: So ist es.

Sie sind jetzt seit Juli Trainer beim BVB II - wie sieht ihr Fazit bislang aus?

Siewert: Wir sind erstmal mit der Punktausbeute zufrieden, vor allem weil wir wissen, wo wir herkommen. Vor der Saison hätte niemand erwartet, dass wir jetzt dort stehen. Es ist eine sehr starke Regionalliga in diesem Jahr und nach so vielen Abgängen im Sommer war das nicht zu erwarten. Wir sind zwar mit fünf Siegen und einem Unentschieden gestartet, aber da ist dann auch was gewachsen bei den Jungs. Wir haben tolle Spiele geliefert, Viktoria Köln geschlagen und dann kommt medial eine gewisse Aufmerksamkeit auf die Jungs. Und plötzlich merkst du: Ok, so schnell konnten sie es doch nicht verarbeiten. Das war auch für mich als Trainer neu, zu sehen, wie sie auf so etwas reagieren, wenn es läuft, aber eben auch wenn es nicht läuft, bei Rückschlägen.

Sie sind durch ein kleines Ergebnistal gegangen…

Siewert: Ja, Gott sei Dank war es nie ein spielerisches. Gegen Erndtebrück müssen wir es gewinnen. Gegen Wegberg-Beeck bekommen wir eine komische Bogenlampe. Da haben wir schon punktemäßig was liegenlassen. Spielerisch haben wir uns aber immer weiterentwickelt. Darauf sind wir stolz. Defensiv stellen wir plötzlich die zweitbeste Abwehr. Daran sehen wir: Die Mannschaft und auch einzelne Spieler entwickeln sich in die richtige Richtung.

Womit wir bei Ihrer vorrangigen Aufgabe beim BVB wären: Spieler zu entwickeln. Wie sieht so etwas aus?

Siewert: Das beginnt schon mit der Vorbereitung auf die Saison. Wir haben jeden Spieler gefragt: Wo willst du in ein paar Monaten sein? Dann haben wir individuelle Ziele bis zum Winter vereinbart. Aber ich habe natürlich auch mit der Mannschaft ein internes Ziel vereinbart.

Wonach richten sich diese Ziele?

Siewert: Wir gucken auf Leistungssteigerungen im physischen, taktischen und technischen Bereich sowie auf den Umgang mit den anderen. Ich lege sehr viel Wert darauf, dass wir einen guten Anstand innerhalb des Teams haben, dass wir eine gute Teamführung haben und dass ein Spieler innerhalb einer Hierarchie wachsen kann.

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Wer fällt Ihnen als Erstes ein?

Patrick Mainka zum Beispiel, der war letztes Jahr Vize-Kapitän: Es war ein ganz klares Ziel mit ihm voranzugehen. Was für uns dann schön war, war dass er das auch mit Toren gemacht hat. Dadurch ist er ein stärkerer Kapitän und das hat ihn in seiner persönlichen Entwicklung weitergebracht.

Manchmal kommt dabei – wie bei Michael Eberwein – auch ein Positionswechsel heraus...

Siewert: Bei Michael habe ich gesehen, dass er eine Top-Balleroberung hat, ein gutes Spiel in die Tiefe, ein fantastisches Kopfballspiel und dass er - wie ich immer sage - ein Klebstoffspieler ist. Michael hält bei uns vieles zusammen. Das habe ich in Spielen gemerkt, wo er nicht da war. Deshalb hab ich für ihn die Achterposition gefunden, wo ich das Gefühl habe: Da steht er gut, zusammen mit Massimo Ornatelli vor der Kette. Ich habe zu Michael gesagt: Pass auf, da sehe ich dich. Und wenn du dich auch da siehst, kann ich dich dahin bringen und besser machen.

Was ist mit A-Jugend-Meistern wie Janni Serra?

Siewert: Ich habe ihre Entwicklung so erwartet. Insbesondere auf Janni lag ein sehr hoher Druck, das hat man gemerkt. Jeder hat gesagt, das ist der Top-Stürmer Deutschlands, da werden Tore fallen und im Winter ist er bei den Profis. Ich habe als Trainer eine andere Vorgehensweise, lasse die Jungs am Anfang erstmal in Ruhe. Sie sollen spüren, dass sie erstmal im Seniorenfußball ankommen müssen. Ein Spieler, der aus dem Juniorenfußball kommt und dann auch noch eine Verletzung hatte, der braucht mindestens mal ein halbes Jahr um im Seniorenfußball anzukommen. Und diesen Punkt hat Janni gerade überwunden. Er kommt rein gegen Wegberg und man hat sofort seine Qualität gesehen. Wir sind auf dem richtigen Weg.

Wie weit ist denn der Weg mittlerweile nach ganz oben?

Siewert: Prinzipiell hängt das immer erstmal mit der Kaderstärke zusammen. Im Moment sind das 33 Spieler mit den Torhütern, deswegen ist es per se schonmal schwierig. Aber es ist auch schwierig, weil wir für die Champions-League und das obere Drittel Bundesliga ausbilden. Wir haben aber immer, wenn die Jungs oben mittrainiert haben, die Rückmeldung bekommen, dass sie das spielen konnten, was gefordert wurde. So sehe ich auch meine Arbeit. Ich bin Zulieferer für die Erste Mannschaft und zeitgleich dient unsere Mannschaft auch Spielern aus der ersten Mannschaft, diese z.B. nach Verletzungen wieder ran zu führen. Wenn der Kader kleiner wäre, glaube ich, wäre die Chance größer, mal reinzurutschen. So ist es halt schwieriger, aber das macht auch den Reiz aus.

Seit Erik Durm hat es keiner mehr aus dem eigenen Haus geschafft. Ist das frustrierend?

Siewert: Nein, das sehe ich als Ansporn. Wenn ich sehe, wie viele Erst- und Zweitligisten hier wegen meinen Spielern anfragen, dann sehe ich, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Das macht mich dann schon stolz, dass dann auch in anderen Mannschaften gesehen wird, die BVB U23 ist eine Mannschaft, die einen richtig guten Fußball anbietet, aber die auch Spieler darauf vorbereitet, im Seniorenfußball Fuß zu fassen.

Kann es jetzt schon einer schaffen?
Siewert: Ich glaube schon, dass wir es schaffen können, dass wieder jemand bei den Profis landet. Das ist aber immer auch Glückssache. Man sieht das jetzt bei Bayern, da ist die Personalnot so groß, da spielt ein Wriedt. Das sind Chancen. Wichtig ist aber, dass du dann auch vorbereitet bist und die Chance auch ergreifen kannst. Das frustriert mich also nicht. Ganz im Gegenteil. Das spornt mich an. Und ich glaube schon, dass wir zwei, drei Spieler haben, die sofort eingesetzt werden können.

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Gab es schon Kontakt zu Peter Stöger?

Siewert: Ich denke, das erste Treffen wird bald kommen. Er hat am ersten Trainingstag nach drei Spielern gefragt. Herbert Bockhorn. Michael Eberwein und Denzeil Boadu. Die Rückmeldung: Das war absolut in Ordnung.

Was macht ihnen denn mehr Freude? Wenn es ein Spieler oben schafft oder wenn sie in der Liga gewinnen?

Siewert: Schwierig. Als Trainer willst du natürlich immer gewinnen, das lebe ich auch vor. Im Fußball ist es ja nunmal so: Es gibt Vereine, die gewinnen, da ist die Spielweise vielleicht nicht so gut, aber die Spieler sind im Fokus. Andere Teams gewinnen vielleicht nicht, haben aber eine Top-Ausbildung, dafür sind die Spieler nicht im Fokus. Deshalb macht mir beides Freude. Ich bin unheimlich stolz, wenn es einer schafft.

Wann wussten Sie eigentlich, dass Sie Trainer werden wollen?

Siewert: Ich habe erst angefangen, zu studieren. Und habe dann zeitgleich meine Trainerscheine gemacht. Vor Beendigung des Studiums kam dann die Möglichkeit beim FV Rheinland als Sportlicher Leiter und DFB-Stützpunktkoordinator tätig zu werden. Zu dieser Entscheidung gehörte dann Mut dazu, das zu machen. Das erwarte ich auch von meinen Spielern. Wenn ich sowas selbst nicht vorleben würde, wär es falsch. Und da hab ich gesagt: Ich mach das. Ich durfte dann relativ schnell den Fußball-Lehrer machen und bin froh, dass mein Knie solange gehalten hat.

Gab es jemanden, der Sie gefördert hat?

Siewert: Es gab mehrere Wegbegleiter, von denen ich gelernt habe. Ich denke am meisten geprägt hat mich Colin Bell. Der war damals Trainer der U23 von TuS Koblenz und ist dann innerhalb der Saison zum Co-Trainer der Profis befördert worden. So konnte ich schon einige Dinge im Trainingsbetrieb eigenständig leiten und mich als Trainer ausprobieren.

Jetzt sind sie 35. Haben Sie einen Karriereplan?

Siewert: So diesen klassischen Karriereplan habe ich nicht. Es ist oft so, dass bei mir Dinge einfach entstanden sind. Auch damals die Entscheidung als Cheftrainer bei RWE zuzusagen, obwohl mir viele davon abgeraten haben. Ich wollte die Erfahrung. Und die Rückmeldung der Spieler hat mir gezeigt, dass ich vieles richtig gemacht habe, auch wenn es sich nicht immer in Ergebnissen niedergeschlagen hat. Ich hatte auch eine fantastische Zeit in Bochum. Da hat auch jeder gesagt: Warum bist du nicht dageblieben? Dann wärst du jetzt Chef-Trainer! Aber darum geht es mir nicht! Ich fand das großartig, als Ingo Preuß mir das hier vorgestellt hat. Ich hab Lust darauf, junge Spieler auf den Profibereich vorzubereiten. Und da kann ich einiges an Spielern nachweisen. Vielleicht auch, weil ich es selbst nicht machen konnte. Vielleicht ist da mein Hunger gekommen, Talente zu entwickeln.

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Ist die Kaderplanung für den Winter abgeschlossen?

Siewert: Wir sind immer im Austausch, Ingo Preuß und ich sind selbst gefahren und haben geschaut, was ist möglich, welche Spieler könnten für uns interessant werden, aber im Winter wird bei uns jetzt nichts mehr passieren. Das heißt: Wir werden jetzt im Winter erstmal mit den A-Jugendlichen sprechen. Das sind die nächsten Aufgaben. Ich hab jetzt schon wieder Hunger auf die Vorbereitung.

Welches Ziel rufen Sie für die Rückrunde aus?

Siewert: Da schätze ich Ingo Preuß sehr für, dass wir das zusammen realistisch einschätzen können, wie das bei den Jungs ist. Wir müssen jetzt nicht oben mit dabei sein. Es ist superschön, dass es gerade so ist, das macht auch richtig viel Spaß. Aber entscheidend ist, dass wir es schaffen wollen, dass es mal jemand nach oben schafft. Wenn wir dann am Ende mit den Ergebnissen so oben dabei sind, dann haben wir vieles richtig gemacht in dieser Saison.

Erfolg bleibt also zweitrangig?

Siewert: Ich habe es mit den Jungs so besprochen: Wir wollen besser abschneiden, als in der Hinrunde. Wir haben jetzt schonmal vier Punkte mehr. Wir haben gegen Essen gewonnen und gegen Wegberg gewonnen, das war im Hinspiel jeweils ein Unentschieden. Jetzt käme Wattenscheid, da haben wir das Hinspiel gewonnen, das wird nicht einfach. Aber wir gucken von Spiel zu Spiel und schauen dann, was bei rauskommt. Oberste Priorität hat das Weiterentwickeln der Mannschaft und der Spieler.

09 Fragen an Jan Siewert

TuS Hausen oder TuS Mayen?

Oh, das ist schwierig. Da muss ich sagen: Beides. Hausen ist Heimat. Mayen ist der Klub, bei dem ich sportlich groß geworden bin.

Pfälzer Küche oder Currywurst?

Currywurst!

Verbeek oder Verband?

(Lacht) Sensationell. Hatte beides etwas.

Juniorenfußball oder Seniorenfußball.

Ich bin genau im Übergangsbereich und das macht mir richtig Spaß.

Talent oder harte Arbeit?

Harte Arbeit! Du kannst das größte Talent haben, wenn du nicht daran arbeitest, wird nichts draus.

Rasenheizung oder Rote Erde?

Rote Erde!

Dreierkette oder Viererkette?

Viererkette würde ich aktuell sagen!

5:4 oder 1:0?

1:0. Das hätten meine Spieler auch beantworten können.

Regionalliga oder Bundesliga?

Beides gut.

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