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Jürgen Klopp baut Hopps Luftschloss

BVB gegen Hoffenheim

DORTMUND Nie im Leben würde er es zugeben, schon gar nicht, weil einige BVB-Fans ihn fast chronisch mit Fäkalausdrücken besudeln, aber irgendwie muss dieses Dortmund doch ganz nah dran an sein an jenem Luftschloss Hoffenheim, das Dietmar Hopp (69) in seinen Träumen errichtet hat.

von Von Sascha Fligge

, 16.04.2010
Jürgen Klopp baut Hopps Luftschloss

Der Einsatz von Patrick Owomoyela (r.) am Sonntag gegen Hoffenheim ist fraglich.

Einen Nährboden für deutsche Fußball-Talente wollte der Milliardär und Mäzen schaffen. Modernen Hochgeschwindigkeitsfußball anbieten. Und der in ihrem eigenen Saft schmorenden Konkurrenz zeigen, dass es eine schnelle Abkürzung an die Spitze gibt, die auf einer perfekt bereiteten Spielwiese aus Qualität, Geld, Wissenschaft und Trainingsbedingungen basiert. Hopps Träume sind zurzeit allerdings in etwa so weit von der Realität entfernt wie Baden-Württemberg vom Hochdeutsch. Das „Projekt Hoffenheim“ ist nur Tabellendreizehnter, 94 Prozent aller Tore werden von Ausländern erzielt. Und dass das Dorf Fans hat, die richtig sauer werden können, erfuhr die Nation gerade, weil einige von ihnen nach dem 0:2 gegen Köln den leeren Teambus blockierten.

Am Sonntag wird der Bus vor dem Dortmunder Stadion stehen. „Hoffenheims Rückrunde“, meint BVB-Trainer Jürgen Klopp (42), „ist problematisch. Es ist wohl die erste Schwächeperiode in der Entwicklung dieses Vereins.“ Vielleicht stellt sich Dietmar Hopp in diesen Tagen ja die Frage, ob Klopp nicht ein ziemlich guter Architekt für sein Luftschloss gewesen wäre. Schließlich stehen beim Tabellenvierten BVB mitunter sechs Profis in der Startelf, die 22 Jahre oder jünger sind und vielen ihrer Bundesliga-Kollegen in punkto läuferischer Aufwand deutlich überlegen. Gerade deshalb erinnert sich Klopp gerne an das 2:1 im Hinspiel: „Da“, sagt er, „hat Kevin Großkreutz eine neue Bestmarke in Sachen Laufleistung aufgestellt.“ Großkreutz (21) darf auch am Sonntag (15.30) wirbeln. Und wenn er ganz weit nach hinten schaut, wird der junge Mann womöglich den noch jüngeren Julian Koch (19) erspähen. Das Talent würde auf der rechten Abwehrseite zum Einsatz kommen, falls Patrick Owomoyela (30, Adduktorenzerrung) einen finalen Belastungstest nicht besteht. „Patrick fühlt sich zwar gut, aber das ist kein Wunder, wenn man nichts tut“, sagte Klopp gestern und wechselte verbal auf die andere Abwehrbahn.

Dort ersetzt Publikumsliebling Dede an seinem 32. Geburtstag Marcel Schmelzer (22, gesperrt). Sein Trainer macht ihm sogar Hoffnung auf mehr. „Es gibt immer die Möglichkeit, sich durch Leistung für die nächste Woche zu qualifizieren“, sagt Klopp. „Das gilt auch für Dede.“ So recht glauben mag man Klopp in diesem Punkt nicht. Dede, „mit dem wir noch nie ein Problem hatten“ (so BVB-Sportdirektor Michael Zorc) spürt den Herbst seiner Borussen-Laufbahn. Während Klopp in Dortmund daran werkelt, Hopps Luftschloss Realität werden zu lassen, begibt sich Dede ("Mein Tank ist voll und ich werde marschieren") auf eine Abschiedstournee von bislang noch unbekannter Dauer. Das ist jedenfalls viel wahrscheinlicher als ein zweiter BVB-Frühling des treuen Brasilianers. Mehr als 77.000 Zuschauer werden ihm am Sonntag huldigen. Niemand hätte es mehr verdient.