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Kapitän wird Matrose

DORTMUND Wenn Thomas Doll (41) davon spricht, dass er mit einem Profi „ein gutes Gespräch geführt“ habe, bedeutet das für den Gesprächspartner in der Regel, dass er in den zweifelhaften Genuss kommt, sich das nächste Spiel von der Bank aus ansehen zu dürfen. Am Sonntag Mittag führte Dortmunds Trainer nach eigener Aussage „ein gutes Gespräch“ mit Christian Wörns (35). Der Ex-Nationalspieler schaute daraufhin beim 0:0 gegen die Bayern tatenlos zu.

Kapitän wird Matrose

Christian Wörns (r.) musste gegen die Bayern auf die Bank.

Ausgerechnet er, der Kapitän. Noch im Sommer als Methusalem-Phänomen mit den „zweitbesten Kraftausdauerwerten im Team“ (so Wörns) gelobt und von Doll als „Vorbild“ geadelt, „weil er unglaublich professionell mit seinem Körper umgeht und ständig Extraschichten im Kraftraum schiebt“. Zum ersten Mal seit fünf Jahren war Wörns bei voller Fitness zweite Wahl. Ein Fingerzeig? Doll verneint offiziell: „Meine Entscheidung bedeutet nicht, dass irgendjemand auf lange Sicht abgeschrieben sein wird. Jeder muss bereit sein, wenn ein Notfall eintritt.“

Doll hatte sich vor dem Anstoß nicht von ungefähr gegen eine Fortsetzung des Experiments mit Kovac und Wörns in der Innenverteidigung entschieden. Schon statistisch musste es als gescheitert gelten, denn die von der BILD als „Opa-Abwehr“ verspottete Zentrale beklagte bei zehn Versuchen im Schnitt alle 27 Minuten ein Gegentor. Was – zugegeben – nicht immer an der Innenverteidigung gelegen hat. Brzenska und Kovac hingegen, so merkte Doll an, „haben in Leverkusen harmoniert. Das hat den Ausschlag gegeben. Und natürlich Brzenskas Kopfballstärke, die wir gegen Luca Toni (acht Saisontore, d. Red.) brauchten“. Dass Dortmunds neues Modell mit dem (im Vergleich zu Wörns) schnelleren Kovac und dem jüngeren Brzenska der Weisheit letzter Schluss ist, darf allerdings bezweifelt werden. Doll bescheinigte Brzenska zwar eine solide Leistung, klagte aber, „dass Markus auch in der zweiten Hälfte ein paar Mal über den Ball gehauen hat“.

Vertrags-Klausel

Kein Geheimnis: Sportdirektor Michael Zorc befindet sich längst auf der Suche nach einem neuen Innenverteidiger. Wobei häufig gehandelte Kandidaten wie der Frankfurter Sotirios Kyrgiakos und Rumäniens Nationalspieler Nicolae Goian (Steaua Bukarest) eher die zweite Geige spielen, weil ihnen Mängel im Aufbau nachgesagt werden. Angesichts begrenzter Mittel zieht der BVB ein Ausleihgeschäft mit Kaufoption vor. Für Wörns, der schon Wochen vor dem am Mittwoch auslaufenden Medien-Boykott eisern schwieg, wäre ein solcher Deal vor allem eines: der nächste eindeutige Fingerzeig.

Sein Vertrag verlängert sich gemäß einer Klausel übrigens nur dann um eine weitere Saison, wenn er mehr als 25 Saison-Spiele bestreitet. Aktueller Kontostand: neun Partien. Thomas Doll kennt den Passus.

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