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Klopp holt Diplom-Psychologen für BVB-Profis

Mentale Unterstützung

DORTMUND Nicht alles, was modern ist im modernen Fußball, muss auch funktionieren. Die Dortmunder Borussia etwa trennte sich im Frühjahr 2008, also zu Zeiten eines wahren Psychologen- und Mentaltrainer-Booms im Oberhaus der Kickkunst, von ihrem ausgesprochen selbstbewussten Seelenbetreuer Jürgen Lohr.

von Von Sascha Fligge

, 01.04.2010
Klopp holt Diplom-Psychologen für BVB-Profis

Arbeitet hinter den BVB-Kulissen: Dr. Heiner Langenkamp

Der Sozialpädagoge, ein Intimus des damaligen BVB-Trainers Thomas Doll, hatte bei KGaA-Boss Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc einen schweren Stand. Möglicherweise auch, weil man Lohr nachsagte, weitaus mehr Einfluss auf Doll gehabt zu haben als dies gemeinhin wünschenswert erschien. Zwei Jahre sind seitdem vergangen. Der BVB steckt heute mitten im Kampf um einen Europa League-Platz und darf angesichts von nur vier Punkten Rückstand auf den Tabellendritten Leverkusen sogar ein wenig von der Königsklassen-Qualifikation träumen. Unbemerkt von der Öffentlichkeit schon seit mehreren Wochen mit dabei: ein Diplom-Psychologe.

Wie unsere Redaktion erfuhr nicht irgendeiner, sondern eine Institution auf seinem Gebiet: Dr. Heiner Langenkamp (63) von der sportwissenschaftlichen Fakultät der Ruhr Universität Bochum. Während der Leichtathletik-WM 2009 leistete er im deutschen Team sportpsychologische Hilfestellung. Als seine Spezialgebiete gibt Langenkamp selbst an: „Trainings-Wettkampf-Diskrepanz; Ereignisverarbeitung; Problematische Leistungsbedingungen; Trainings- und Wettkampfbelastung; unmittelbare Wettkampfvorbereitung; Trainer-Athlet-Beziehung;“ „Unter 800.000 Kandidaten mit denen ich gesprochen habe, war er der, den ich überragend fand“, sagt Jürgen Klopp. Der BVB-Trainer geht davon aus, dass der erfahrene neue Mann nicht zu jener Spezies Sportpsychologe gehört, die hinter den Kulissen das große Rad drehen will. „Wenn die Jungs möchten, können sie mit ihm sprechen – wenn nicht, auch gut. Das Ganze ist sehr locker und unkompliziert“, sagt Klopp.

Langenkamps Entlohnung erfolgt auf Honorarbasis. „Wir sind gerade in den Anfängen der Zusammenarbeit“, meint Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc. Was für die Wahl der BVB-Bosse spricht: Diplom-Psychologe Langenkamp garantiert im Gegensatz zu so manchem „Kollegen“ ausdrücklich nicht, mehr Leistung aus den Profis herauszukitzeln. „Jeder kann den Psychologen nutzen, braucht es aber nicht. Im besten Fall benötigt der Athlet mich gar nicht“, lautet ein Credo des Experten. Ein anderes: „Ohne künstliche Inszenierung muss es uns gelingen, eine gelöste Atmosphäre für jeden Einzelnen im Team zu schaffen.“ Am 8. Mai könnte die Atmosphäre beim BVB besonders gelöst sein. Wenn denn der Sprung nach Europa gelungen ist…