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Klopp schützt Spieler nach 0:1-Niederlage

Rückkehr ohne Happyend

MAINZ/DORTMUND Feuer, Wille, Disziplin, Klasse – all das bescheinigte Jürgen Klopp Borussia Dortmunds Spielern am Samstag nach der 0:1 (0:1)-Niederlage bei seinem Ex-Klub FSV Mainz 05. „Nur die Ruhe“, sagte der Trainer, „die hat uns am Bruchweg gefehlt.“

von Von Sascha Fligge

, 11.04.2010
Klopp schützt Spieler nach 0:1-Niederlage

Lucas Barrios (l.) scheiterte zweimal an erstklassigen Reflexen des Mainzer Torhüters Heinz Müller.

Klopp (42) erinnerte eine halbe Stunde nach dem Schlusspfiff an den gleichaltrigen Matthias Sammer. Der hatte als BVB-Trainer einst eine Öffentlichkeitsarbeit kultiviert, die geprägt war von antizyklischem Handeln: je schwerer die Zeiten, desto inniger Sammers Liebe zum Personal – und je opulenter die Kickkunst, desto mehr Haare verfaserten die trübe Suppe. Klopp hielt es an seiner ehemaligen Wirkungsstätte ähnlich. Er warf den Medien die BVB-Akteure vier Spieltage vor dem Ende einer bemerkenswerten Saison nicht zum Fraß vor. Klopp lobte lieber, wo nicht viel zu loben war. „Ich hatte ja mit einer Menge Ballbesitz gerechnet, aber dass es 70 Prozent werden würden, hatte ich nicht erwartet“, sagte der Coach. „Mein Team hat ein richtig gutes Spiel gemacht. Es hat so agiert, wie man das machen muss, wenn der Gegner vergleichsweise tief steht.“

Was Klopp trotz der warmen Worte nicht entgangen sein dürfte: Eine Mannschaft, die die Chance besitzt, auf einen Champions League-Rang vorzustoßen, muss mehr Aktivität anbieten als die Borussia in Mainz. Sportdirektor Michael Zorc (47) stellte zwar mit Recht fest, „dass wir längst hätten führen müssen, bevor Adam Szalai zum 1:0 für Mainz traf“, doch die Sturm- und Drangphase des BVB beschränkte sich lediglich auf die Minuten 23 bis 25. Lucas Barrios (23./25.) und Patrick Owomoyela (24.) scheiterten in jener Phase. Viel mehr Chancen, zielstrebig vorgetragene Angriffe oder zumindest zündende Ideen gab es nicht. „Wir haben 30, 40 Meter vor dem Tor ein bisschen Handball gespielt“, sagte Manndecker Mats Hummels, der sich vor dem Mainzer Siegtor genauso wie Sven Bender hatte ausspielen lassen. Sein Nebenmann Neven Subotic klagte: „Wir haben ständig lange Bälle nach vorne geschlagen, aber Nikolce Noveski hat alles rausgeköpft. Der Mann ist ein Monster!“

Statt sich an der dünnen Höhenluft des dritten Tabellenplatzes berauschen zu können, muss der BVB nun registrieren, dass es im Kampf um europäisches Terrain so eng wird wie in einem Smart, der als Mannschaftsbus fungieren muss. Den Dritten Leverkusen (53 Punkte) trennen nur sieben Zähler vom Siebten Stuttgart (47). Dortmund (52), das sich in den vergangenen Wochen gegen Leverkusen, Bremen, Bochum und in Berlin wankelmütig gezeigt hatte und nur eine der jüngsten sechs Auswärtspartien gewinnen konnte, spürt wieder verstärkt Werder Bremens (51) Atem. Klopp muss am Samstag an seiner alten Wirkungsstätte vor allem die Zuneigung der Massen gespürt haben. Mitunter wirkte es fast so, als sei ihm das alles peinlich. „Es gab keinen Grund, mich hier abzufeiern“, sagte der Dortmunder Trainer: „Jürgen Klopp und die Mainzer Fans – das ist ein total ausgeglichenes Konto, beide Seiten haben voneinander profitiert. Ich bin ja kein Kind, das seine alte Schule besucht. Ich bin ein Profi.“ Alles sei gut, meinte Klopp: „Nur nicht das Ergebnis.“