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Knallharte Werbetour

JAKARTA Montag, 19.30 Uhr Ortszeit in Jakarta, Indonesien. Das Thermometer zeigt auch in der Dunkelheit noch über 30 Grad an, die Luft der 18-Millionen-Metropole ist schwül, stinkig, erfüllt von Autoabgasen und Ruß. Es ist der Moment, in dem Borussia Dortmunds Bundesliga-Knechte nach vierzehneinhalb Stunden Flug empfangen werden wie Könige.

von Von Sascha Fligge

, 17.12.2007
Knallharte Werbetour

Hat beim BVB verlängert: Sebastian Kehl.

Kameras fangen jeden Profi ein, Sebastian Kehl muss als der englischen Sprache Mächtiger Interviews in der Dauerschleife geben. Per Polizei-Eskorte wird das 29-köpfige Ensemble zum noblen Hotel Intercontinental geleitet. Der Eingang: streng bewacht. Autoböden werden mit Spiegeln untersucht, aus Angst vor dem islamistischen Terror. Lächelnde Diener tragen Koffer auf die Suiten.

Neuzugänge

Der BVB ist auf Werbetour. Für die Deutsche Fußball-Liga (DFL). Dreieinhalb Tage in Indonesien. Dreieinhalb Tage schwerste Überzeugungsarbeit, denn schon unser Taxifahrer Ragan stellt klar, „dass wir Indonesier zwar viel Fußball schauen. Aber eigentlich nur die Top-Vier der Premier League: Arsenal, Chelsea, Manchester und Liverpool“. Hier also, wo Wolkenkratzer wachsen wie anderswo Gestrüpp, will die DFL bald Millionen durch die Vermarktung ihres einzigen Produkts verdienen. Und ausgerechnet der BVB (in der Liga nur Zehnter) soll – gegen eine sechsstellige Gage – Köder spielen. Vornehmlich am Mittwoch. Im Spiel gegen das Nationalteam des muslimisch geprägten 240-Mio.-Einwohner-Riesenstaates.

Trainer Thomas Doll denkt noch nicht daran. Er hat genug mit dem Gestern zu tun. Mit der 0:4-Pleite in Wolfsburg. Und den Schlüssen, die aus ihr gezogen werden müssen. „Ein bis zwei Neuzugänge“ kündigt er für die Winterpause an. Unter ihnen soll der Rechtsverteidiger Etto (Dinamo Zagreb/wir berichteten) sein. „Im Januar“, sagt der Trainer „will ich dann endlich meine Viererkette finden. Es soll dort in Zukunft keine Experimente mehr geben.“ Schwere Zeiten für Kapitän Christian Wörns (35).

Positive Signale

Seine eigene Zukunft darf Doll offenbar fest im Ruhrgebiet planen. Er und Sportdirektor Michael Zorc stehen vor der Vertragsverlängerung. „Wir sind uns alle einig, dass wir den Weg zusammen weitergehen wollen. Inhaltlich gibt es keine Differenzen“, betont der Trainer. Zorc bestätigt: „Es gibt positive Signale der Geschäftsführung, wenn auch keinen neuen Stand. Zwischen Weihnachten und Neujahr werde ich mich mit Hans-Joachim Watzke zusammensetzen.“ Der KGaA-Boss genießt das Privileg des letzten Wortes.

Doll hat schon Gespräche mit Watzke geführt. „Auch über die Außendarstellung des Klubs“, sagt er. Und geht prompt zum „Wir“ über: „Wir sind uns alle einig, dass wir künftig eine gemeinsame Linie vertreten müssen.“ So viel Einigkeit. So viel Einsicht und Glaube, Vielleicht wird in der Hitze von Jakarta ja ein Anfang gemacht. Vielleicht...

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