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Kommentar: Pseudojuristerei

DORTMUND „Wir wollten Gerechtigkeit und bekamen den Rechtsstaat“, hat die Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley gesagt. Nun ist das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes kein ordentliches Gericht. Und vielleicht deshalb vom Rechtsstaat so weit entfernt wie von Gerechtigkeit. Diesen Schluss legt das Urteil in der so genannten „Rassismus-Affäre“ um den Dortmunder Torhüter Roman Weidenfeller jedenfalls nahe.

von Von Sascha Fligge

, 23.08.2007

Weidenfeller soll Schalkes Gerald Asamoah als „Schwarzes Schwein“ beschimpft haben. Sagt Asamoah. Unentschuldbar. Wenn es so gewesen wäre. Aber Weidenfeller dementiert. Es steht Aussage gegen Aussage. Zeugen? Keine. Also im Zweifel für den Angeklagten? Straffreiheit? Nein! Und das riecht nach Willkür.

Aufgrund einer „herabwürdigenden und verunglimpfenden“ Beleidigung (so der DFB) wird Weidenfeller zu drei Spielen Sperre und 10.000 Euro Strafe verurteilt. Der Rassismus-Vorwurf war zuvor ausdrücklich (!) fallen gelassen worden. Und um nichts anderes als diesen Vorwurf ging es.

Es wirkt nun so, als hätten sich ein paar Hobby-Richter in ihrem Frankfurter Kämmerlein eingeschlossen und einen des Einbruchs Bezichtigten in Ermangelung an Beweisen einfach mal wegen Falschparkens verknackt. Aus Populismus. Weil ja irgendetwas irgendwie ganz unbedingt geschehen musste. Pseudojuristerei.

Nicht zum ersten Mal auf Kosten des BVB: 1995 war Andreas Möller als bis heute einziger Profi nach großem Medien-Getöse wegen einer „Schwalbe“ gesperrt worden, 2006 wurde Christian Wörns aufgrund einer Tätlichkeit verurteilt, die ihm nie nachgewiesen werden konnte. Nun also das Weidenfeller-Urteil in der Rassismus-Affäre, für die es keine Zeugen gab. Irgendwann wird es wohl heißen: Man wollte Gerechtigkeit und bekam den DFB.

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