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Lehmann bleibt in London

DORTMUND Im Frühjahr hätte Felix Magath (54) das Ruder beim sportlich angeschlagenen Bundesligisten Borussia Dortmund übernehmen können – er wollte nicht. Am Samstag (15.30 Uhr) trifft Magath nun mit seinem neuen Klub VfL Wolfsburg auf den BVB. Wir sprachen mit dem Mann, in dem gleich drei Männer stecken.

13.12.2007
Lehmann bleibt in London

Ab der kommenden Saison der starke Mann auf Schalke: Felix Magath.

Herr Magath, wie viele Stunden hat Ihr Arbeitstag? Magath: Über Arbeitszeit mache ich mir keine Gedanken. Für mein Gehalt stehe ich Wolfsburg Tag und Nacht zur Verfügung. Meine Familie ist in München. Das ist aus privater Sicht schade, hat aber zur Konsequenz, dass ich mich von morgens bis abends mit dem Job beschäftigen kann.

Wir präzisieren: mit Ihren drei Jobs. Sie sind Trainer, Sportmanager, Geschäftsführungs-Mitglied. Ihr Arbeitstag müsste 24 Stunden haben. Magath: Für mich sind das keine drei Jobs. Es dreht sich ja alles immer um die Mannschaft. Allerdings plant ein Trainer etwas kurzfristiger als ein Sportmanager. Da gibt es in der Tat unterschiedliche Blickrichtungen.

Sie schielen also? Magath: Nein. Ich entscheide als Trainer kurzfristig, hebe dann den Kopf und treffe schließlich eine langfristige Manager-Entscheidung.Muss schön sein, wenn man in kleiner Runde sich selbst überstimmen darf. Schauen Sie angesichts dieses Macht erfüllten Status‘ manchmal mit einem lachenden Auge auf das Viel-Personen-Theater bei Ihrem Ex-Klub Bayern München?Magath: Meine Gedanken schweifen selten zum FC Bayern ab. Ich war dort zweieinhalb Jahre erfolgreich. Aber die Sache ist abgeschlossen. Und unruhig wird es dort – unabhängig von der Tabellen-Position und dem internationalen Erfolg – ohnehin immer bleiben.

Warum eigentlich? Magath: Das ist der erfolgreichste und größte deutsche Verein mit dem entsprechenden Medien-Umfeld. Alles, was in München passiert, hat nicht nur regionale, sondern internationale Bedeutung.

Und plötzlich arbeiten Sie beim VfL Wolfsburg, von dem man das nicht unbedingt behaupten kann. Magath: Aber hier passiert etwas, hier wird etwas aufgebaut. Und ich darf gestalten.

Unter dem Strich steht bislang allerdings die schwächste Hinrunde der Bundesliga-Klubgeschichte. Magath: Wir befinden uns im Umbruch. Gerade zu Saisonbeginn, gegen Karlsruhe und Bielefeld (1:2 bzw. 1:3 d., Red.), hatten wir große Probleme. Da waren viele neue Spieler, ein insgesamt zu großer Kader. Im eigenen Stadion haben wir uns sehr, sehr schwer getan, das Spiel zu machen. Aber inzwischen läuft das besser. Wir schießen viele Tore.

Und sie kassieren viele, bislang exakt 30. Nur Bielefeld (38) holt noch mehr Bälle aus dem eigenen Netz. Magath: Es sind wirklich viel zu viele Gegentore. Unser Defensivverhalten gefällt mir nicht.Als eine Konsequenz haben Sie Torhüter Simon Jentzsch aus dem Kader geworfen. Bleibt es auch am Samstag gegen Dortmund dabei?Magath: Ja. Simon Jentzsch ist nicht im Kader. André Lenz steht im Tor.

Und im Winter kommt dann Jens Lehmann? VW-Boss Martin Winterkorn hat ihm jedenfalls nahe gelegt, nach Wolfsburg zu wechseln ... Magath: Sollte Herr Winterkorn das wirklich gemacht haben, dann sicher lediglich für den Fall, dass Lehmann beim FC Arsenal weiter nur auf der Bank sitzt. Am Mittwoch hat er in der Champions League gegen Steaua Bukarest aber gespielt. Meine Informationen besagen, dass Lehmann in London bleibt.

Eine weitere Option wäre Ihr Ex-Schützling Timo Hildebrand (FC Valencia). Und an Rechtsverteidiger Andreas Hinkel (FC Sevilla) sollen Sie ja auch interessiert sein ... Magath: Erst einmal müssen wir Spieler abgeben. Mit 29 Akteuren ist mein Kader deutlich zu groß. Wir sollten abspecken. Mit möglichen Transfers beschäftige ich mich nach dem wichtigen Spiel gegen den BVB. Nicht vorher.Denken Sie manchmal daran, dass Sie es hätten sein können, der heute die Borussia trainiert?Magath: Nein. Das BVB-Angebot im Frühjahr kam nach meiner Bayern-Zeit einfach zu früh. Aber der BVB ist ein Top-Klub. Einer von der Art, die für jeden Trainer erstrebenswert sein sollte. Ich hoffe, dass Dortmund in Zukunft an Stabilität gewinnt. Aber erst nach unserem Spiel am Samstag.

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