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BVB-Trainerdiskussion neu entfacht

Nicht-Leistung drängt zu konsequentem Handeln

MÜNCHEN Nach dem 0:6 in München ringen Borussia Dortmunds Profis um die passenden Worte. Die nächste Nicht-Leistung des BVB desillusioniert auch den Trainer. Peter Stöger sieht seine wiederholten Warnungen bestätigt. Die kritische Analyse wird aber auch vor seiner Person nicht Halt machen.

Nicht-Leistung drängt zu konsequentem Handeln

Der BVB muss nach dem 0:6 in München mehr denn je um die Qualifikation für die Champions League bangen. Foto: imago

Vergleiche aus dem Tierreich waren ganz hilfreich, um das zu beschreiben, was in der Allianz Arena kaum begreifbar, kaum zu glauben war. Wahlweise hatte die Borussia wie das Kaninchen vor der Schlange agiert, Marcel Schmelzer sprach davon, dass die Bayern „Katz und Maus“ gespielt hätten mit der Mannschaft, die er als Kapitän aufs Feld geführt hatte. Die er aber in den 90 Minuten nicht führen konnte, weil auch er genug mit sich selbst zu tun hatte.

„Wehrlos ergeben“

Schon während der Partie, als die Bayern den BVB nach allen Regeln der Kunst auseinander genommen hatten, sah man Schmelzer mehrfach den Kopf schütteln. Bayern gegen Dortmund, das war am Samstag nur nominell Platz eins gegen drei in der Bundesliga - der Eindruck auf dem Rasen war eher der, dass da ein Erst- gegen einen Drittligisten spielte. Und der Drittligist hatte mächtig die Hosen voll.

„Wehrlos ergeben“ habe sich die Borussia, erklärte Sportdirektor Michael Zorc später schmallippig. Auch ihn hatte fassungslos gemacht, was sich da in den ersten 45 Minuten auf dem Platz abgespielt hatte. „Wir haben die Zweikämpfe nicht geführt, wir haben sie erst gar nicht gesucht.“ Das war längst nicht das einzige Manko. Der BVB war immer einen Schritt langsamer, kam immer einen Schritt zu spät, legte eine beschämende Körpersprache an den Tag und war in jedem Teilbereich dieses Sports klar unterlegen. Mit dem ersten Gegentor ergab sich die Mannschaft in ihr Schicksal. So ein Auftritt, meinte Zorc daher, habe auch mit einer grundsätzlichen Einstellung zu tun. „Das müssen wir konstatieren, da geht es nicht um Laufwege, da reden wir über Grundtugenden des Fußballs.“

Konsequentes Handeln notwendig

Bei den sechs Bayern-Treffern waren die Dortmunder nur ehrfürchtige Zuschauer. Gegenwehr gab es keine. Erstaunlich gefasst kommentierte Peter Stöger diesen Verlauf. Er hatte seit Wochen davon gesprochen, dass es trotz der Resultate schwierig bleibe bis zum Saisonende, er hatte auf die fehlende Konstanz und die fehlende Sicherheit im eigenen Spiel hingewiesen. Und er hatte wohl das Gefühl, dass diese Worte an allen Fronten ungehört verhallt waren. Daher, folgerte der Österreicher, „ist es vielleicht ganz gut, dass wir mal eine richtige Klatsche bekommen haben, damit auch wirklich jeder Stein umgedreht wird.“


Um zu dieser Erkenntnis zu gelangen, hätte es dieses peinlichen Auftritts freilich nicht mehr bedurft. Die Notwendigkeit, im Sommer gravierende Einschnitte vorzunehmen, gravierende Veränderungen herbeizuführen, die sollte nach ähnlich verlaufenen Partien ohnehin erkannt worden sein. Das Spiel in München setzte allerdings noch einen oben drauf und drängt zu konsequentem Handeln.

Mitleid für den unterlegenen Gegner

Die Demütigung der ersten Hälfte setzte sich in zwei weiteren Akten fort. Dass eine Bayern-Mannschaft in einem Spiel gegen Dortmund wie am Samstag nach der Pause deutlich sichtbar gleich mehrere Gänge herunterschalten konnte, um Körner für die Champions League zu schonen, sagte sehr viel aus über die derzeitigen Kräfteverhältnisse im Vergleich der beiden „Leuchttürme“ im deutschen Fußball. "Es ging in der zweiten Hälfte darum, dass wir uns nicht komplett verausgaben müssen“, meinte Mats Hummels.

0:6 wird Stögers Position ankratzen

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Und im dritten Akt, nach Spielschluss, gab es sogar Mitleid für die so klar unterlegenen Schwarzgelben. „Wenn man hier ein, zwei schnelle Gegentore bekommt“, meinte Thomas Müller, „dann kann auch ein Verein wie Dortmund so unter die Räder kommen.“ Hummels erinnerte an das 1:5 „in der Saison, da war ich noch in Dortmund und wir haben unter Thomas Tuchel 78 Punkte geholt.“

„Ihr seid schlechter als der HSV!“

Dortmunds Anhänger gingen weniger gnädig mit den Verlierern um. „Ihr seid schlechter als der HSV!“, skandierten sie schon zur Pause. Die sechs Gegentore tun der Borussia auch im Kampf um die Champions League weh. Das gute Torverhältnis ist dahin, das Restprogramm happig. Und Angst und Schrecken verbreitet dieser BVB schon lange nicht mehr.

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Die Art und Weise, wie sich Dortmund demütigen ließ, rückt auch den Trainer in die Diskussion. Stöger wusste das. „Das Spiel hat meine Position sicher nicht gestärkt“, gab er im „ZDF“ zu. Er klebe nicht an seinem Stuhl, äußerte Stöger zuvor bei „Sky“. Er sei ein relativ glücklicher Mensch, „mein Wohl hängt nicht davon ab, ob ich Trainer beim BVB bin.“ Auch das ließ tief blicken.

Bewusst gewählte Vertragsgestaltung

Man habe die Vertragsgestaltung mit Stöger ja bewusst gewählt, um den „Trainer für die nächsten Jahre in Ruhe aussuchen zu können“, erinnerte Sportdirektor Zorc. Dass der Stöger heißt, ist nach München nicht wahrscheinlicher geworden.

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