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Radikale Kehrtwende

Nicht die Ästhetik, nur das Ergebnis zählt

DORTMUND 30 Minuten nach dem ersten Champions-League-Sieg des BVB seit dem 18. März 2003 sah sich Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp (44) mit einer Diskussion über fehlende Ästhetik im Dortmunder Spiel konfrontiert. Ein Journalist wollte von Klopp wissen, ob die Art und Weise, wie sich der BVB das 1:0 gegen Olympiakos Piräus erspielt hatte, auch ein Indiz für die künftige Spielweise des Deutschen Meisters sein könne. Siege zu erarbeiten, ohne glänzen zu wollen, das Ergebnis über das Erlebnis zu stellen.

Nicht die Ästhetik, nur das Ergebnis zählt

Moritz Leitner (r.) im Zweikampf mit Ariel Ibagaza.

Klopp war irritiert. In den Statistiken, meinte er süffisant, werde niemand wegen seiner schönen Spielweise erwähnt. „Und heute“, so Klopp, „zählte für uns nur das nackte Resultat.“ Das war in der Tat so. Klopp hatte sich nach drei Champions-League-Spielen, in denen der BVB – mit Ausnahme des Hinspiels in Griechenland – viel Lob, aber zu wenige Punkte geerntet hatte, zu einer radikalen Kehrtwende entschieden. Das galt für die Art und Weise, wie der Dortmund die Partie gegen den griechischen Meister fußballerisch anging, das galt auch für die gewählte Taktik.

Schon nach zehn Minuten rückte Borussia Dortmund, mit einer 1:0-Führung nach dem fulminanten 20-Meter-Kracher von Kevin Großkreutz (7.) im Rücken, Schritt für Schritt von seiner Maxime des Gegenpressings und schnellen Umschaltens ab. Der BVB zog sich zurück, drosch die Kugel, wenn es sein musste, knochentrocken auch mal auf die Tribüne und verlegte sich auf lange Bälle, wo sonst Kurzpass-Spiel zelebriert wurde. In Deutschlands Fußball-Oper krempelten die Gastgeber die Ärmel hoch. Es sei, meinte daher später Neven Subotic, „ein Sieg mit einem sauren Beigeschmack. Wir können und wir müssen sicher besser Fußball spielen, um ins Achtelfinale zu kommen.“

Dass Klopp seine Elf offensiv mit einem 4-3-3-System ins Rennen geschickt hatte, dokumentierte den Willen zur Wiedergutmachung. Nach dem frühen Führungstor war Absicherung angesagt. Piräus erspielte sich 52 Prozent Ballbesitz, schoss elf Mal aufs Dortmunder Tor – die Abwehr aber hielt. Während der Großteil der Spieler schnell zum Alltag überging, strahlte einer um die Wette. Der junge Moritz Leitner (18) feierte für den verletzten Sven Bender sein Startelf-Debüt beim BVB ausgerechnet in der Champions League, und Leitner avancierte gleich zum besten Dortmunder – bis nach 86 Minuten und 11,9 gelaufenen Kilometern sein Körper mit Krämpfen in beiden Waden streikte.

„Es war ein geiler Abend!“, meinte er euphorisch. Torschütze Kevin Großkreutz sah derweil das Große und Ganze: „Wir haben“, meinte er, „Deutschland gezeigt, dass wir auch in der Champions League siegen können.“ Das Überwintern in der Königsklasse wird nach dem 0:0 zwischen Arsenal und Marseille für den BVB dennoch zum Kraftakt. „Wir müssen“, so Subotic, „wohl beide Spiele gewinnen.“ Selbst dann könnte es dennoch nicht reichen.

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