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Leipzig-Trainer Hasenhüttl im Interview

Peter Stöger macht beim BVB einen sehr guten Job

DORTMUND/LEIPZIG Drei Niederlagen hintereinander, das sorgt auch in Leipzig für Unruhe. In erster Linie bei den RB-Fans. "Die Erwartungshaltung ist gestiegen", sagt Trainer Ralph Hasenhüttl im Interview vor dem Duell gegen den BVB.

Peter Stöger macht beim BVB einen sehr guten Job

Leipzig-Coach Ralph Hasenhüttl Foto: dpa

Am Wochenende hat RB gegen den 1. FC Köln nach 1:0-Führung noch 1:2 verloren. Danach sagten Sie, jemand habe bei Ihrer Mannschaft den Stecker gezogen. Ist der Akku nach der spielfreien Woche wieder voll?

Das hoffe ich doch sehr. Gegen Köln hätten wir nach dem Erfolg gegen den SSC Neapel, wo wir eine Runde weitergekommen sind in der Europa League, aus der guten eine sehr gute Woche machen können. Das hätte uns gut getan. Aber es kam anders, weil wir in der ersten Hälfte unsere Chancen nicht genutzt haben. Da mussten wir dann im zweiten Durchgang den Anstrengungen Tribut zollen und haben das Spiel noch verloren.


Ein Tribut an die Doppelbelastung?

Wir suchen da nicht nach Alibis. Wir sind dankbar für die internationalen Spiele. Fakt ist, es war eine sehr intensive Woche. Und unter dem Strich haben wir in Frankfurt und gegen Köln in der Liga verloren. Das war nicht das, was wir wollten.


Wie schwer wiegt die gestiegene Erwartungshaltung in und um Leipzig?

Das macht sich bemerkbar. Wenn man uns an dem ersten Bundesliga-Jahr messen möchte, das herausragend und so nicht zu erwarten war, dann werden wir dem nicht gerecht werden können. Wenn man uns an anderen Mannschaften misst, die in dieser Saison international gespielt haben, dann entsteht ein anderer Eindruck. Wir stehen einen Punkt hinter einem Champions-League-Platz und sind in der Europa League noch dabei.

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Rund um den BVB gibt es auch ein Naserümpfen, weil die Mannschaft nicht mehr so attraktiv spielt, wie man es gerne hätte. Braucht es immer auch einen Schuss Schönheit?

Diese Diskussion ist doch so alt wie der Fußball selbst. Was ist schön? Unterm Strich gilt für alle Vereine: Wenn ich noch so schön spiele und gewinne nicht, bringt es nichts. Am Wochenende haben wir 45 Minuten lang ein wunderschönes Spiel gemacht. Die Leute standen zur Pause auf den Sitzschalen und haben applaudiert. Es gab ein Feuerwerk an Chancen, wir führten 1:0 - und 20 Minuten später lagen wir 1:2 zurück und die Fans haben gerufen: "Wir wollen euch kämpfen sehen."


Geht Ihnen das zu schnell, dass die Leistung zu schnell nur am Ergebnis gemessen wird?

Das ist naturgemäß. Das ist in unserem Geschäft so.


Fühlen Sie sich da als Trainer auch mal ungerecht behandelt? Für gewisse Umstände können Sie ja nichts.

Ach, was heißt ungerecht behandelt. Grundsätzlich versuchen wir immer, zuhause sehr schnell auf das Tempo zu drücken, um den Funken direkt überspringen zu lassen. Das ist uns auch am letzten Wochenende sehr gut gelungen. Wenn in der zweiten Halbzeit keine zwei Pässe mehr hintereinander an den Mann kommen, sorgt das beim Publikum natürlich für Unverständnis. Und wenn der Tabellenletzte dann auch noch zwei Tore macht, ist die Enttäuschung nachzuvollziehen. Aber unsere Fans haben uns auch in dieser Saison wieder sehr oft geholfen, Spiele noch durch ihre lautstarke Unterstützung zu gewinnen. Und so wird es hoffentlich auch am Samstag gegen den BVB wieder sein. Aber die generelle Erwartungshaltung ist natürlich auch gestiegen. Wir werden an der vergangenen Saison gemessen, doch die Voraussetzungen waren komplett unterschiedliche, wir waren Aufsteiger, hatten keine Doppelbelastung.


Sie könnten auch anführen, dass ein zentraler Spieler wie Emil Forsberg lange Zeit verletzt gefehlt hat, oder dass in Marcel Halstenberg ein wichtiger Mann mit einem Kreuzbandriss für den Rest der Saison ausfällt.

Naby Keita hat uns jetzt auch mehrmals gefehlt, kein unwichtiger Spieler. Aber wir hadern nicht mit den Ausfällen, sondern versuchen das Beste daraus zu machen.

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Würden Sie sagen, dass sich RB Leipzig nach der Aufregung in der Premieren-Saison in der Bundesliga etabliert hat?

Welche Aufregung? Es ist schön, dass sich ein Verein aus dem Osten Deutschlands wieder in der Bundesliga etabliert hat. Das tut der Region und den Menschen hier unglaublich gut. Und auch die Tatsache, dass wir nach wie vor international vertreten sind, macht alle stolz. Ich glaube schon, dass RB Leipzig als gesamter Klub eine Bereicherung für die Bundesliga ist.


Alle Mannschaften hinter dem FC Bayern haben ihre Probleme in dieser Saison. Was ist Ihre Erklärung dafür, dass Leipzig, Dortmund oder Leverkusen die Konstanz fehlt?

Ich finde das nicht so überraschend. Die Bayern spielen in einer Liga für sich, alle anderen spielen eine enge und ausgeglichene Saison, in der wirklich jeder jeden schlagen kann. Es ist verdammt schwer, wir haben das jetzt gegen Köln erlebt. Wenn du nicht 90 Minuten Gas gibst, gewinnst du so ein Spiel nicht.


Woran liegt das?

Die besondere Fähigkeit, Spiele nach einer Führung locker nach Hause zu bringen, haben alle Mannschaften da oben vermissen lassen. Ob Schalke, Dortmund, Leverkusen oder wir, auch Frankfurt. Konstanz bekommt keiner rein. Und wenn, wären die Bayern vermutlich immer noch 20 Punkte weg (lacht).


In der Hinrunde hat der BVB eine starke Serie hingelegt, mit 19 Punkten aus sieben Partien. Dann kamen Sie ins Spiel.

Viele waren schon davon ausgegangen, dass wir in Borussia Dortmund den kommenden Deutschen Meister sehen. Nach den ersten Spielen zu Recht, denn da war der BVB sehr, sehr stark. Ich war überrascht, dass es danach abwärts ging, ich bin aber weniger überrascht, dass sie sich jetzt wieder so gut gefangen haben.

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Dafür sorgt Ihr Landsmann und ehemaliger Mitspieler Peter Stöger. Ist es ein besonderes Aufeinandertreffen?

Ach, da gab es jetzt schon einige. Es ist noch keine Gewohnheit, aber wir haben schon häufiger mit unseren Mannschaften gegeneinander gespielt.


Als Peter Stöger den BVB übernommen hat, eine Woche nachdem er in Köln aufhören musste, haben Sie das kritisiert und gesagt, Sie könnten so etwas nicht. Sie müssten erst Abstand gewinnen nach so einer intensiven Aufgabe.

Es liegt wahrscheinlich an meiner Art, dass ich nach einem Job etwas mehr Abstand bräuchte, um eine neue Mannschaft zu übernehmen. Aber Peter Stöger hat das richtig gut hinbekommen.


Wie bewerten Sie Stögers Arbeit?

Er hat in der Bundesliga noch kein Spiel verloren und ist in der Europa League weiter. Von daher macht er einen sehr guten Job.


Was kann RB tun, um dem BVB die erste Niederlage in 2018 zuzufügen?

Wir müssen so auftreten wie im Hinspiel. Das war ein sehr gutes Spiel von uns. Wir haben uns nicht einmal vom Rückstand nach sechs Minuten aus dem Tritt bringen lassen, sondern weiter an unsere Chance geglaubt.


Die Rote Karte gegen Sokratis hat Ihnen geholfen.

Kurzfristig. Wir haben uns dann ja auch kurz darauf dezimiert, damit es nicht zu eindeutig wird (lacht). Spannung gibt es bei uns immer, sonst wären das nicht wir. Irgendwie gehört das zu unseren Spielen.

Hätten Sie lieber klare Ergebnisse?

Für uns klare Ergebnisse, bei Niederlagen bitte zumindest spannend.


Die generelle Entwicklung bei RB bleibt spannend. Ihr Vertrag gilt noch bis Sommer 2019. Bleiben Sie so lange Leipziger?

Ja, ich habe den Vertrag ja mit vollster Überzeugung unterschrieben. Und ich habe es noch keinen Tag bereut, dass ich das getan habe.


In München wird ja im Sommer eventuell ein Posten frei. In Dortmund womöglich auch. Wäre das nichts?

(lacht) In München ist wohl das letzte Wort noch nicht gesprochen, glaube ich. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass in Dortmund im Sommer ein Posten frei wird, wenn Peter Stöger weiter so erfolgreich arbeitet.

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