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Schöne Bescherung

DORTMUND Als alles vorbei war, sprach Ernst Middendorp (49) Deutsch. Keine Spur von seinen berüchtigten verbalen Ausflügen ins Englische, vom chronischen „It doesn‘t matter“. Das 1:6 (0:2) in Dortmund machte Arminia Bielefelds Trainer eben doch etwas aus. Eine Menge sogar. „Alle zwei Wochen“, schimpfte er, „bin ich der Bastard!“

von Von Sascha Fligge

, 09.12.2007
Schöne Bescherung

Jakub Blaszczykowski (links oben) leitete die ersten beiden Tore ein.

Middendorp wirkte am späten Freitagabend wie jemand, den nur das Wissen um mögliche Konsequenzen einer emotionalen Eruption davon abhielt, seine Wut zu kanalisieren. Und so schien all der Zorn in die Fußspitzen zu wandern. Im Sekundentakt wippte Middendorp von der Ferse auf die Zehen, wurde größer, kleiner, größer, kleiner und begann Sätze, die er nie beendete. „Kann ja echt nicht, Mensch, Mensch, Mensch“, raunzte er. Und: „Sie werden Verständnis haben, dass ich nicht viele Worte zu präsentieren – ich lade ja alles auf meine Schultern, alle Laster. Aber irgendwann ist der Punkt erreicht...“. Sprachliches Stückwerk.

Feier beim Italiener

Weil auch fußballerisch wieder Stückwerk vorausgegangen war, ist Middendorp wohl schon heute seinen Job los. Arminias Vorstand hat sich für eine Entlassung des Bielefelder „Jahrhunderttrainers“ ausgesprochen. Der Aufsichtsrat muss noch abnicken. Das Gremium feiert heute hochoffiziell Weihnachten und steht vor einer „schönen Bescherung“. „Entscheidungen über Trainer“, sagte Bielefelds Präsident Hans-Herrmann Schwick am Sonntag, „werden bei uns nur zusammen mit dem Aufsichtsrat getroffen.“ Nach der x-ten Auswärts-Klatsche (zuvor 0:3 in Duisburg, auf Schalke und in Bochum, 0:4 in Leverkusen, 1:8 in Bremen) ist kein Veto mehr zu erwarten.

        Im Dortmunder Signal Iduna Park herrschte am Freitag Ausnahmestimmung. „So ein Tag, so wunderschön wie heute“, sangen die leidgeprüften BVB-Fans, denen der höchste Heimsieg seit dem 20. April 2001 (5:0 gegen Bochum) kredenzt worden war.

Zwischenzeitlich schien die spielfreudige und selbstbewusst auftrumpfende Borussia nach Treffern durch Tinga (13.), Markus Schuler (19./Eigentor), Mladen Petric (47.) sowie Nelson Valdez (55., Handelfmeter), Florian Kringe (61.) und Giovanni Federico (67.) vor 78 500 Zuschauern sogar noch deutlicher gewinnen zu können...

Etto soll kommen

„Ein Ruck ist durch die Mannschaft gegangen. Sie hat nun verinnerlicht, was ich mir vorstelle“, sagte BVB-Trainer Thomas Doll. Stürmer Mladen Petric, der sein achtes Saisontor erzielt und erstmals in dieser Saison auch Treffer (nämlich zwei) vorbereitet hatte, führte die Leistungssteigerung der jüngsten zwei Spieltage auf die Aussprache vor dem Stuttgart-Sieg (2:1) zurück: „Da haben die richtigen Leute die richtigen Worte gefunden. Jetzt kämpft wieder jeder für den anderen.“ Noch am Abend feierte die Mannschaft gemeinsam beim Italiener „Piazza Navona“.

Bedingt durch den zweiten Sieg in Serie steht der BVB erstmals seit dem sechsten Spieltag wieder in der oberen Tabellenhälfte – auf Rang 9. Sogar das Torverhältnis (31:31) ist wieder ausgeglichen. Trotzdem wäre es fatal, die Partie gegen dilettierende Bielefelder überzubewerten. Deshalb pocht Trainer Thomas Doll auf Verstärkungen. Im Winter soll der Rechtsverteidiger Etto (Dinamo Zagreb/wir berichteten bereits im November) kommen. Doll sagt: „Er macht einen guten Eindruck.“

      

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