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Schwarzgelber Scherbenhaufen

DORTMUND Es ist erst ein paar Tage her, da betonte der neue DFL-Präsident Dr. Reinhard Rauball (60) vor laufenden TV-Kameras, er sei im Hause Borussia Dortmund keinesfalls operativ tätig. Nun muss man erahnen, was das 1:4 im Derby in der Gefühlswelt dieses rhetorisch trainierten Juristen alles aufgewühlt haben mag, denn der BVB-Präsident wurde am Samstag äußerst operativ tätig – verbal.

von Von Sascha Fligge

, 20.08.2007

„Man muss jetzt Konsequenzen ziehen, die weh tun“, sagte Rauball. Und auf die Frage, ob er mit diesem Satz personelle Veränderungen fordere: „So kann es nicht weitergehen. Das sieht ja jeder!“ Ein Fingerzeig, der Trainer Thomas Doll nicht gefallen haben dürfte.

Doll steht nach euphorischer Vorbereitung (43 Tore) und nur zwei Liga-Spieltagen vor einem Scherbenhaufen: 0 Punkte, 2:7 Tore, Platz 18. Sein Team, das er in drei Pflichtspielen mit drei unterschiedlichen Systemen ausstattete, funktioniert nicht. Es wirkt leblos, in der Rückwärtsbewegung sowie nach Standards völlig unstrukturiert, und es hat offensichtlich ein Problem mit der dünnen Höhenluft.

„Wir haben kaum Kopfballduelle gewonnen. Nach jedem Freistoß hatte ich das Gefühl: Gleich brennt‘s lichterloh. Trotzdem haben wir darum gebettelt, noch mehr Standards gegen uns zu bekommen.“ Drei Kopfball-Gegentore kassierte der BVB alleine in Gelsenkirchen. Das Eckball-Verhältnis lautete am Ende 8:0 für Königsblau.

Es fällt schwer, die Schuldigen auszumachen. Weil es so viele sind. Vor dem ersten Tor dilettierte der bei Standards Marcelo Bordon zugeteilte Diego Klimowicz, die Mittelfeldspieler gewannen kaum Zweikämpfe und Borussias Tinga wirkte so schwerfällig, als hätte der Namensgeber der Schalker Arena ihm einen Kasten Gerstensaft an den Rumpf gebunden. Zu allem Überfluss bestätigte das Abwehrzentrum die Eindrücke der vergangenen Wochen. Robert Kovac wird sein vierter desaströser Auftritt (Arnheim, Magdeburg, Duisburg, Schalke) nun den Platz im Team kosten. Am Samstag, gegen Cottbus, soll Markus Brzenska an die Seite des ebenfalls schwachen Christian Wörns rücken. Doll ganz allgemein: „Bei mir gibt es keinen Namensbonus!“

Vor der Innenverteidigung droht das nächste Problem, denn Sebastian Kehl (Schwellung im Knie) fällt auf unbestimmte Zeit aus. KGaA-Chef Hans Joachim Watzke: „Er wird untersucht. Es ist nicht klar, ob konventionell oder unkonventionell behandelt werden muss.“ Kehls Ersatz Marc Kruska wiederum handelte sich wegen Meckerns („Dumm, aber der Schiri hatte mich auf dem Kieker“) die Ampelkarte ein. Er wird gegen Cottbus nicht zur Verfügung stehen. Und über allen Gedankenspielen schwebt das Damoklesschwert einer Anklage von Roman Weidenfeller wegen angeblich rassistischer Äußerungen über Schalkes Gerald Asamoah.

Dass die Borussia vor Ablauf der Transferfrist am 31. August noch einmal auf dem Transfermarkt tätig wird, wollte Watzke nicht ausschließen. „Die Initiative“, sagte er, „müsste von der sportlichen Leitung ausgehen. Finanziell gibt es keine Restriktionen. Zunächst einmal ist es aber wichtig, dass wir die PS unserer aktuellen Profis auf die Straße bekommen. Wir dachten doch, wir wären gerüstet.“ Das dachten sie alle.

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