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TSG Hoffenheim: Hoher Neidfaktor, wenig Spielkultur

Tollhaus der Liga

DORTMUND Am Freitag vor einer Woche erreichten die tollen Tage bei der TSG Hoffenheim ihren vorläufigen Höhepunkt. Die TSG-Fußballer befanden sich zu diesem Zeitpunkt in einem Kurz-Trainingslager vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln, das Trainer Ralf Rangnick für notwendig erachtet hatte, um die professionelle Vorbereitung zu gewährleisten.

von Von Dirk Krampe

, 17.04.2010
TSG Hoffenheim: Hoher Neidfaktor, wenig Spielkultur

Es brodelt bei 1899. Christian Eichner (r.) versuchte die aufgebrachten Fans zu besänftigen.

Vorausgegangen war der Maßnahme Rangnicks die so genannte „Nachtschwärmer-Affäre“. Sechs TSG-Profis mit Kapitän Sead Salihovic an der Spitze feierten das 0:4 in Wolfsburg ausgiebig in einer Heidelberger Disco, woraufhin die sportliche Führung von 1899 sich gezwungen sah, einen Verhaltenskodex aufzustellen. Rangnick, dem schon weit vorher mangelhafte Konsequenz im Umgang mit exzentrischen Spielern vorgeworfen worden war, griff dazu öffentlichkeitswirksam durch. Er zog die Mannschaft schon am Donnerstag zusammen und übergab die Kapitänsbinde von Salihovic an Josip Simunic. „Sead“, meinte Rangnick vielsagend, „soll sich ausschließlich auf sein Spiel konzentrieren können.“

Als Rangnick an diesem Freitag, keine 24 Stunden nach seiner Strafmaßnahme, die Mannschaft um 10.30 Uhr zum Training bittet, fehlen zwei Spieler unentschuldigt. Der Brasilianer Maicosuel und Franco Zuculini hatten sich nach einem scheinbar oppulenten Frühstück noch einmal hingelegt – und prompt verschlafen. Rangnick schäumte. Er verdonnerte das Duo zum Straftraining, nur um bei Beginn der Einheit am Nachmittag wieder einen zu vermissen. Boris Vukcevic hatte sich zum Mittagsschlaf hingelegt. Auch sein Wecker versagte... Das übermüdete Trio durfte das Spiel gegen Köln (0:2) von der Tribüne aus verfolgen – stärken konnte diese Maßnahme Rangnicks angekratzes Image nicht. Denn Extravaganzen einiger verwöhnter Kicker prägen seit einiger Zeit das schiefe Bild bei 1899. Dabei ist es keine zwei Jahre her, dass die TSG in die Bundesliga aufstieg und in der folgenden Hinrunde mit ihrem Offensivfußball viele Herzen im Sturm eroberte. Jetzt wackelt das Konstrukt bedenklich.

Hoffenheim, das ist derzeit das Tollhaus der Liga. Als Herbstmeister war der Aufsteiger im Winter 2008/09 noch in aller Munde, doch die vielen Individualisten, die zuvor prächtigen Teamfußball zelebrierten, pflegen seither nur noch ihre Eitelkeiten. Das Sommer-Transfertheater um Demba Ba, dessen Wechsel zum VfB Stuttgart platzte, der üppig ausgestattete neue Vertrag für Salihovic, der intern die Neider auf den Plan rief, aktuell die Diskussionen um die Zukunft von Torhüter Timo Hildebrand – Hoffenheim rieb sich auf Nebenkriegsschauplätzen auf und vergaß dabei den Bundesliga-Alltag. Mittlerweile, spotten Kritiker, sei der bei vielen gegnerischen Fans umstrittene 1899-Mäzen Dietmar Hopp nicht mal mehr Schmähgesänge wert. Und Rangnicks Zukunft in Hoffenheim scheint trotz gegenteiliger Treueschwüre auf der Spieltagspressekonferenz äußerst fraglich. Hopp hat von seinem leitenden Angestellten Erklärungen verlangt. Doch was macht die TSG eigentlich, wenn der Milliardär Hopp die Lust an diesem Projekt verliert?