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BVB-Kombinationen gegen kühle Schalker Strategie

Die Taktikanalyse zum 175. Revierderby

Borussia Dortmund und der FC Schalke 04 vertrauen zuerst auf Stärken in der Defensive. Der BVB setzt dann auf seine Qualität, die Königsblauen auf ihre Kompaktheit. Die Taktikanalyse zum 175. Revierderby. 

DORTMUND/GELSENKIRCHEN

, 13.04.2018
BVB-Kombinationen gegen kühle Schalker Strategie

Die Borussen Sokratis (l.) und Marcel Schmelzer dürfen Schalkes Guido Burgstaller (M.) nicht viel Platz lassen. Die Königsblauen spielen nicht offensiv, aber effizient. © dpa

Zwei Mannschaften, bei denen Sicherheit groß geschrieben wird, stehen sich gegenüber. Dennoch erwartet BVB-Trainer Peter Stöger beim Derby „kein Spiel, das total defensiv angelegt ist“. Wie agieren die Revierrivalen auf dem Feld?



BVB mit Ball: Kommt Borussia Dortmund ins Rollen, zeichnet die Mannschaft ein flüssiges Kombinationsspiel aus. Daran ist der Kader ausgerichtet. Aber beispielhaft wie beim Spiel gegen den VfB Stuttgart (3:0) gelingt dies nicht über die volle Distanz. Ziel ist es, über die Halbpositionen das Spiel aufzubauen und mit Pässen in die Schnittstellen der Abwehr oder einem Durchbruch über die Außenbahn vor das gegnerische Tor zu gelangen. „Wir wollen unser Spiel durchsetzen und gleichzeitig die Mechanismen des Gegners im Keim ersticken“, sagt BVB-Trainer Peter Stöger zu seiner Philosophie.

Das Aufbauspiel aus der Abwehrreihe ist sehr breit angelegt, was zu zwei Schwierigkeiten führt: In der Spieleröffnung sind die Wege weit und die Pässe riskant. Oft wird sicherheitshalber Torhüter Roman Bürki mit einbezogen, oft hilft nur der lange Schlag nach vorne, um mit eroberten zweiten Bällen offensiv die hohe individuelle Qualität ins Spiel zu bringen. Außerdem ist diese Aufstellung bei Offensivpressing anfällig.



BVB gegen den Ball: Als Peter Stöger den BVB im Dezember übernahm, hatte das Team in den neun Spielen zuvor 22 Gegentore geschluckt. Folgerichtig stand die Absicherung an erster Stelle auf der Agenda des Trainers.

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11 Derbys für die Ewigkeit

11.04.2018
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26.9.1964: S04-BVB 2:6 - Liebe Schalker, bitte nicht weiterlesen: Denn das Endresultat ist fast noch das Beste an dem niederschmetternden Ergebnis. Nach 36 Minuten hat der BVB (mit Rudi Assauer übrigens) die Gastgeber vor 40.000 Zuschauern in der Glückauf-Kampfbahn nämlich schon komplett auseinandergenommen, es steht da bereits 6:0 für Borussia Dortmund. Schlimmer geht’s’s nimmer aus Schalker Sicht? Denkste…© imago/
26.2.1966: BVB - S04 7:0 - Anderthalb Jahre später kassieren die Königsblauen die höchste Bundesliga-Derby-Klatsche. Der Halbzeit-Rückstand von 0:3 ist ein Beleg dafür, dass eine Aufholjagd wie die vom November 2017 alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist, und in diesem Derby ist Schalke davon weit entfernt. NNach der Pause gelingt den Schwarzgelben noch eine historische Marke: Sie treffen vier Mal in nur zehn Minuten.© imago
6.9.1969: BVB - S04 1:1 - Eigentlich für alle Zeiten Spitzenreiter der ewigen Kuriositäten im Duell zwischen Schwarz-Gelb und Blau-Weiß. Schalke geht durch Hansi Pirkner mit 1:0 in Führung, im Stadion „Rote Erde“ bricht Chaos aus. Schäferhund Rex ist nicht mehr zu bändigen und beißt S04-Verteidiger Friedel Rausch ins Hinterteil. Im Rückspiel lässt S04-Präsident Günter Siebert als Konter Löwen aus dem Löwenpark Westerholt auffahren.© dpa
10.12.1985: S04 - BVB 6:1 - Ein Derby für die Ewigkeit, weil es in einem Jahrzehnt, im dem Königsblau zwischen Erster und Zweiter Liga pendelt, Balsam für die Schalker Seele ist. Zur Halbzeit (0:0) deutet noch nichts auf das Schützenfest hin, dann schießen Gerd Kleppinger und Olaf Thon (je 2), Frank Hartmann und Bernd Dierßen den BVB ins Tal der Tränen. Für Dortmund tritt ein späterer Schalker Eurofighter: Ingo Anderbrügge.© imago
24.8.1991: S04 - BVB 5:2 - Schalke gelingt an diesem Tag alles, dem BVB so gut wie nichts. Die Freude über das zwischenzeitliche 1:1 durch Michael Schulz (l.) währt nur kurz. Dortmunds neuer Trainer Ottmar Hitzfeld fährt nach seinem in den Sand gesetzten Premieren-Derby mit Dortmunder Journalisten in einem plötzlich viel zu engen Fahrstuhl des Parkstadions zur Pressekonferenz. Trotz sommerlicher Temperaturen ist das Klima eisig…© imago
19.12.1997: BVB - S04 2:2 - Ein einziger Moment reicht, um alle Emotionen freizulegen, die so ein Derby bieten kann. Dortmund führt 2:1, (zweifelhafte) Ecke für Schalke: S04-Torhüter Jens Lehmann, in letzter Minute mit nach vorne geeilt, köpft ein zum 2:2. Erstmals in der Bundesliga-Geschichte trifft ein Torhüter aus dem Spiel heraus. Fassungslosigkeit im ganzen Stadion und Frust bei den Dortmundern wegen der seltsamen Eckball-Entscheidung.© dpa
23.9. 2000: BVB - S04 0:4 - Mittlerweile spielt Jens Lehmann beim BVB und erlebt dort nicht nur schöne Stunden. So wie in diesem Spiel. Andi Möller und Co. spielen den BVB an die Wand, gegen den späteren Vize-Meister sind die Gastgeber nahezu chancenlos. Es bleibt auch ein Derby für die Ewigkeit, weil es eines der letzten ganz großen Spiele von Olaf Thon ist, der sich kurze Zeit später verletzt und seine Karriere ausklingen lassen muss.© dpa
30.1. 2004: BVB - S04 0:1 - Der BVB ist haushoch überlegen, den Schalker Fans wird angst und bange. Als Frank Rost gleich zwei Dortmunder Elfmeter hält, hoffen die Gäste, sich irgendwie mit einer Null-Nummer zu retten. Alle haben die Rechnung ohne Ebbe Sand gemacht: Der Schalker Däne trifft kurz vor Schluss zum 1:0. Mehr als schmeichelhaft, aber in einem Revier-Derby spielen solche Feinheiten nun mal keine Rolle…© dpa
12.5. 2007: BVB - S04 2:0 - Auch dieses Derby werden beide Revier-Klubs nicht vergessen. Obwohl es aus Schalker Sicht eins zum Vergessen ist: Mit bleischweren Beinen schleppen sich die Königsblauen über den Dortmunder Rasen, verlieren völlig verdient mit 0:2 und damit am vorletzten Spieltag auch die mögliche Meisterschaft. Der BVB dagegen rettet eine an und für sich verkorkste Saison, in dem er dem „Lieblings-Feind“ den Titel vermasselt.© dpa
13.9. 2008: BVB - S04 3:3 - So etwas wie die „Blaupause“ für den 25. November 2017, nur andersrum. Schalke führt schon mit 3:0, Kuranyi muss das 4:0 machen. Der BVB kommt zurück und feiert am Ende ein 3:3 wie einen Sieg. Für beide Trainer ist es – wie im November 2017 für Peter Bosz und Domenico Tedesco – die Derby-Premiere: Beim BVB jubelt Jürgen Klopp, Fred Rutten versteht die Schalker Welt nicht mehr…© dpa
25. 11. 2017: BVB - S04 4:4 – Der Dortmunder Negativlauf mit nur einem Sieg aus den neun Pflichtspielen zuvor macht den FC Schalke im Vorfeld dieses Derbys seit ewig langer Zeit mal wieder zu einem ebenbürtigen Gegner. Doch nach 25 Minuten führt der BVB schon mit 4:0 und berauscht die zuvor wenig verwöhnten Anhänger. Pierre-Emerick Aubameyang, Mario Götze und Raphael Guerreiro treffen, Schalkes Benjamin Stambouli passiert ein Eigentor. In der Schalker Kabine verzichtet Trainer Domenico Tedesco zur Pause auf eine Gardinenpredigt und bittet stattdessen seine Mannschaft, die 90 Minuten wenigstens mit Anstand zu beenden. Er sagt den Spielern, dass auch solche Spiele zur gemeinsamen Reise gehören würden. Tedescos Worte machen Eindruck, nach Guido Burgstallers 1:4 glaubt S04 wieder an sich – beim BVB ist das Selbstvertrauebn direkt wie weggeblasen. Amine Harit trifft zum 2:4, die Dortmunder Abwehr gleicht schon da einem Hühnerhaufen. Nach Daniel Caligiuris 3:4 bleiben vier Minuten plus sieben minuten Nachspielzeit für das große Wunde. Und tatsächlich trifft Innenverteidiger Naldo in der vierten Minute der Extra-Spielzeit das 4:4, auf der einen Tribünenseite brechen beim S04-Anhang alle Dämme, gegenüber auf der anderen Seite herrscht Schockstarre. Das 4:4 markiert einen historischen Tag in der Geschichte des Revierderbys, es war auch der Anfang vom Ende für den neuen BVB-Trainer Peter Bosz, der zwei Wochen später den Stuhl vor die Tür gesetzt bekommt.© dpa

Die Kette steht seither - wie die gesamte Elf - tiefer im Feld, ein Sechser-Achter-Duo versucht abzuriegeln, situativ wird vorne gepresst. Das mag nicht immer den vom Spektakelfußball verwöhnten Geschmack des Publikums treffen. Aber seitdem kassiert der BVB im Schnitt nur 1,14 Treffer pro Partie, genauso wenige wie die für ihre Abwehr gelobten Schalker übrigens.



Schalke gegen den Ball: Das S04-Spiel definiert sich in erster Linie über die Defensivarbeit. Ist der Gegner im Ballbesitz, formiert sich hinten eine eng verknüpfte Fünferkette. Davor stricken fünf Spieler (Sechser, zwei Achter, zwei Stürmer) ein Spinnennetz, dass nur darauf wartet, dass der Gegner einen Fehler anbietet aufgrund des Schalker Drucks.

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„Die machen einen geschlossenen Eindruck, sind ganz schwer zu bespielen“, sagt BVB-Coach Stöger. „Da steckt viel Organisation drin und viel Bereitschaft, für die Mannschaft zu arbeiten.“ Mit seinem aggressiven Mittelfeldpressing ist Schalke besonders stark darin, das gegnerische Aufbauspiel lahmzulegen.

33 Gegentore in 29 Spielen

Von hinten heraus dirigiert Abwehrchef Naldo den Verbund. Unterm Strich stehen 33 Gegentore nach 29 Spielen - zweitbester Wert der Liga. Anfällig ist die Abwehr allerdings bei Steilpässen in die Tiefe, wenn der Gegner Tempo mitbringt und an der Abseitslinie lauert.



Schalke mit Ball: Schwieriger wird es, wenn die Königsblauen selber initiativ werden müssen. Im Idealfall fruchtet das Pressing, dann geht es - möglichst ohne großes Risiko - mit Tempo nach vorne.

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Max Meyer als Ballverteiler vor der Abwehr bieten sich aufgrund der Systematik immer Anspielstationen, wenn auch nicht immer die Chance auf Tiefe. Im Zentrum agiert Schalke sehr ballsicher, von dort aus stoßen abwechselnd Spieler in die Spitze.

Unterkühltes Strategiespiel

Systemtrainer Domenico Tedesco lässt die Schalker weniger rudeljagen, sondern setzt auf ein unterkühltes Strategiespiel, das die Stärken seiner Mannschaft am besten ausnutzt. Als beim 2:3 in Hamburg reihenweise Zuspiele nicht ankamen, schimpfte Tedesco: „Wir haben teilweise Pässe ohne Druck ins Aus gespielt.“ Das will er nicht wieder sehen.