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BVB-Ehe endet nach sechs Monaten

Wenig Wertschätzung! Stöger mit Illusionen am Ende

SINSHEIM BVB-Trainer Peter Stöger verkündet seinen Abschied. In der halbjährigen Mission bei den Schwarzgelben hat er die Vorgaben erfüllt. Trotzdem ist seine Ehe mit dem Klub gescheitert.

Als die Hoffenheimer Spieler laut vom „Europapokal“ gröhlten und ihren Trainer Julian Nagelsmann mit Bier duschen wollten, nahm Peter Stöger Reißaus. Auch er hatte seine Mannschaft in die Champions League geführt, doch mit schwarzgelbem Blick fühlte sich das gegenteilig an zum gerechtfertigten Jubel der Heimelf. Für Stöger geht es nicht weiter beim BVB. Aus mehreren Gründen.

Aus verschiedenen Gründen nicht gepasst

Stöger verkündete unmittelbar nach dem Spiel in Sinsheim das, was seit Wochen bekannt war und sich zur Posse entwickelte: Er wird nach dem 30. Juni nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund sein. „Als wir hier angetreten sind, haben wir uns das leichter vorgestellt, sind aber trotzdem über die Ziellinie gekommen“, sagte der Österreicher. Irgendwie durchgewurstelt mit Ach und Krach - dieses Verdienst darf sich Stöger durchaus zuschreiben.

Geschäftsführung hat Augen verschlossen

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Die 90 Minuten in Hoffenheim boten einmal mehr ein Spiegelbild „der letzten Wochen, der letzten Monate, vielleicht sogar der gesamten Saison“, analysierte Stöger. Seine Gefühlslage schwankte zwischen Enttäuschung, Erleichterung, Frustration, ein klein wenig Freude, und irgendwie desillusioniert. Stöger und der BVB, das hat aus verschiedenen Gründen nicht gepasst.

Ernüchternder Zustand

Es bleibt ähnlich rätselhaft wie die schwankenden Leistungen der Borussia, warum Stöger und die Mehrzahl der BVB-Fans nicht miteinander warm wurden. Der Trainer schmiss sich vom ersten Tag an in schwarzgelbe Dienstkleidung und setzte ein schwarz gerahmtes Brillenmodell auf die Nase, fremdelte aber dennoch mit Dortmund. Das auch nach dem tiefen Fall im Herbst unbeschränkt hohe Anspruchsdenken verwunderte den Österreicher, der bald unumwunden zugab, dass er mit seiner Einschätzung, viele Spieler mit hoher Qualität vorzufinden, nicht ganz richtig lag.

Er fand vielfältige Probleme vor, die er nicht alle und vor allem nicht gleichzeitig lösen konnte. Stellte er seiner Mannschaft und einzelnen Spielern anfangs noch öffentlich ein schlechtes Zeugnis aus („kein Männerfußball“, „nicht gewehrt“), sparte er sich später öffentliche Kritik. Stöger musste mit dem leben, was ihm zur Verfügung stand. Das war ernüchternd, auch für ihn.

Fehlende Wertschätzung

Ernüchternd geriet auch der Fußball, den der BVB spielte. Stöger verpasste seiner Elf in der Krise aus pragmatischen Gründen eine auf Stabilität bedachte Ausrichtung und bekam den Stempel eines Defensiv-Denkers verpasst. Ein Attribut, das ihm nicht gerecht wird und ihn auch ärgerte, das ihm aber bis heute anhaftet. Seine eher ruhige, analytische Spielbeobachtung an der Seitenlinie, mit den Händen in den Hosentaschen, wurde ihm als Passivität ausgelegt. Vermutlich von denselben Lästerern, die dem wild fuchtelnden Orchester-Dirigenten Thomas Tuchel das Gegenteil ankreideten.

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Wertschätzung hat Stöger beim BVB und in der Öffentlichkeit vermisst. In Gesprächen klang er manchmal gekränkt. Ob in diesem Fall er selbst zu große Erwartungen hatte, insgeheim doch auf eine längerfristige Beschäftigung und mehr Unterstützung aus den Spielerkreisen gehofft hatte?

Das Paket ist abgeliefert

Einerlei. Seinen Auftrag, den BVB erneut in die Champions League zu führen, hat Stöger erledigt. Ohne Schnörkel und Schleifchen, doch das Paket ist abgeliefert. Den eigentlich unzumutbaren öffentlichen Schwebezustand um seine befristete Anstellung, in den ihn die BVB-Chefs ohne jede Rückendeckung schickten, hat der Österreicher in seiner exponierten Position mit bemerkenswertem Gleichmut ertragen.


Das verdient Respekt, derart selbstlose Charaktere sind selten im Profifußball. Damit hat Stöger gepunktet, mehr als durch taktische Kniffe oder originelles Training. In diesen Punkten gab es intern durchaus Zweifel am Leistungsvermögen des Coaches. Dennoch darf er für sich beanspruchen, letztlich erfolgreich gearbeitet zu haben. Die Mäkel dieser Rumpelsaison hat nicht er zu verantworten. Gehen muss er trotzdem.

„Die Zeit genießen und schauen, was kommt“

Nach den Freundschaftsspielen in der kommenden Woche will Stöger „nach Hause gehen, nach Wien, die Zeit genießen und schauen, was kommt.“ Er hofft für seinen Nachfolger, „dass er ein bisschen mehr Ruhe und Stabilität in die Mannschaft bringen kann“.

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