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"Wie ein kleines Kind"

MARBELLA Alexander Frei ist wieder da. Im Trainingslager in Andalusien steigert er sein Pensum täglich, nimmt fast regelmäßig an den Einheiten teil. Im Interview bewertet er das Potenzial seines Teams, blick´t zurück auf seine Leidenszeit und nach vorn - auf die EM in seinem Heimatland, der Schweiz.

"Wie ein kleines Kind"

Alexander Frei (r.) ist glücklich, wieder im Training zu sein.

Ich bin sehr weit, kann viele Sachen mit der Mannschaft machen. Sobald wir das Gefühl haben, das Training ist zuviel, lasse ich eine Einheit aus oder mache etwas anderes individuell. Ich komme von Tag zu Tag näher ans Team und freue mich, wieder ein Bestandteil der Mannschaft zu sein. Jetzt bekomme ich wieder den Riecher, den Geschmack fürs Mannschaftsleben. Ich saß auf der Tribüne, wollte helfen, konnte aber nicht, durfte nicht. 

Wenn du nicht selber spielst, solltest du vorsichtig mit so Bewertungen sein. In guten wie in schlechten Zeiten. 

Das ist situationsbedingt. Sicherlich habe ich Erfahrung gesammelt, in zwei großen Ligen gespielt, und möchte die auch an junge Spieler weiter geben. Das Wichtigste ist aber: Ich möchte die Freude, wieder Fußball zu spielen, weiter geben. Wie ein kleines Kind, das andere mit der Euphorie ansteckt. 

In dieser Verletzungszeit lernst du, dass vieles nicht so wichtig ist, du lernst vieles abzuschätzen. Ich habe nicht den Ehrgeiz oder Biss verloren, bin aber viel ausgeglichener. Im Training ist das jetzt anders. Ich hole vielleicht 10 Prozent über Aggressivität raus. Ich habe den Anspruch, dass von 10 Flanken auch 10 ankommen. Wenn eine nicht kommt, rege ich mich auf. In 10 Karrierejahren habe ich immer das Perfekte gesucht. Und wenn du solange fehlst, musst du doppelt so konzentriert sein wie andere. 

Ich kann nicht mehr kalt fünf Schüsse aufs Tor abfeuern. Dann reißt’s mir jeden Muskel.  

Es geht mich nichts an, was ge- oder verkauft wird. Aber wenn ich gefragt werde, nach einem Schweizer oder einem aus der französischen Liga, dann äußere ich mich. 

Ich habe gelese, dass er hier im Gespräch ist, weil alle wissen was er kann, auch ohne meine Einschätzung. Was ich mitteilen kann, ist, dass er ein feiner Typ ist, einen einwandfreien Charakter hat. Das kann auch entscheidend sein. 

Sicherlich war ich vom Ausgang der ersten Saison nicht angetan. Aber ich bin überzeugt, dass wir international spielen können. Es gibt drei Wege dorthin: den DFB-Pokal, den UI-Cup oder den direkten Sprung in den UEFA-Cup. Im letzten Dezember habe ich noch gesagt, wir können das schaffen. Und am Ende fehlte nur ein Sieg ein Leverkusen, um es zu schaffen. Das ist der letzte Tick, der noch fehlt. Aber das kommt. Junge Spieler werden älter. Ein Marc Kruska wächst hinein, ist Kapitän der U21. Man muss ein bisschen Geduld haben. 

Es gab ja einen Rückschlag, dann einen zweiten und du fragst dich: Komm ich nie wieder? Eine Hüftarthroskopie ist nun mal für einen Fußballer gefährlicher als ein Kreuzbandriss. Ich sehe das aber als Chance. Ich habe 10 Jahre Fußball gespielt, war nie verletzt, habe vielleicht vier Spiele verpasst, davon zwei wegen Gelbsperren. Jetzt ist die Zeit, in der der Körper gesagt hat: Du hast über 100 Spiele in drei Jahren gemacht, dazu Länderspiele in Albanien, Georgien und sonst wo. Und dann sagt er. „Stop! Batterien und Kopf müssen wieder aufgeladen werden.“ Jetzt habe ich wieder Hunger. Und es ist nicht selbstverständlich, jeden Tag auf den Platz zu gehen, das weiß ich. 

Es gibt viele Spieler mit großem Potenzial beim BVB und ich möchte niemandem zu nahe treten, aber wenn dir von 50 Toren einer 28 auflegt, ist das etwas Besonderes. Monterrubio war der beste Spieler, mit dem ich je zusammen gespielt habe. Sowas hast du einmal in deiner Karriere. 

Ein Mladen Petric ist jetzt zum ersten Mal im Ausland, es läuft gut. Ich glaube, es ist schon etwas her, dass der Torschützenkönig aus Dortmund kam. Und Mladen hat zurzeit nur ein Tor weniger als die Führenden. Wir werden ihm dabei helfen, etwas zu erreichen. Aber alles braucht seine Zeit. Als ich aus Frankreich kam, musste ich mich umstellen, weil wir dort ein System mit drei Spitzen spielten. 

Man muss auch die anderen respektieren. Da sind noch Nelson Valdez, Diego Klimowicz, auch die werden sich steigern. Klar will ich spielen, klar dränge ich mich auf, um in die Rolle hineinzuwachsen, die ich in der letzten Saison hatte.                                                          

Ich habe die Spiele als Fan gesehen. Sicher siehst du Dinge, die noch fehlen. Das ist überall so, bei uns im Moment vielleicht etwas ausgeprägter. Aber wir haben einen hochprofessionellen Trainerstab und werden diese Dinge abstellen. Nicht alle, aber wenn es nur noch zwei anstatt fünf Fehler sind, hilft es ja. 

Mich interessiert die EM im Moment gar nicht. Mir ist bewusst, dass ich eine immense Chance habe, als Kapitän der Schweizer Nationalmannschaft eine EM im eigenen Land zu spielen. Aber wenn ich nicht spiele beim BVB, nicht fit bin, mir kein Vertrauen hole, dann werde ich keine EM spielen. Der Weg dorthin führt über den BVB. 

Der Schweizer muss anders als der Deutsche geweckt werden. Das ist schwierig. Aber mir ist es lieber, wir gewinnen das Eröffnungsspiel als vorher gegen Deutschland oder England. 

Mit dem Trainer ist abgesprochen, dass ich erst dann zurückkomme, wenn es für alle Parteien passt. Wenn es Werder Bremen ist, dann ist es Werder Bremen. Wenn es Duisburg ist, dann Duisburg. Und wenn erst Schalke, dann eben Schalke. Ich werde nicht unter Druck gesetzt.

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