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Zwischen Doll und Zorc fliegen die Fetzen

DORTMUND Nach dem glücklichen 2:1 gegen Bochum arbeitet Borussia Dortmund auf ein Ende der Talfahrt (Platz 11 in der Liga, 12 Punkte) hin. Offenbar ist manch ein Verantwortlicher aber durch die Dauerreflexion der eigenen BVB-Durchschnittlichkeit dermaßen erzürnt, dass sich erste Gräben auftun.

von Von Sascha Fligge

, 15.10.2007
Zwischen Doll und Zorc fliegen die Fetzen

Thomas Doll

So sind Trainer Thomas Doll (41) und Sportdirektor Michael Zorc (45) vor dem Auswärtsspiel beim Karlsruher SC (29. September, 1:3) am Dortmunder Flughafen heftig aneinander geraten. „Das ging so weit“, sagt ein Spieler, „dass wir dachten, beide gehen sich gleich an die Wäsche.“

Die Streithähne dementieren zumindest nicht. Zorc meint kryptisch: „Wir ziehen an einem Strang und in dieselbe Richtung. Dazu muss man sich nicht lieben.“ Doll sagt: „Man muss doch kontrovers diskutieren dürfen.“

Nach Informationen unserer Zeitung hatte sich der Frust bei Doll und Zorc, über deren Vertragsverlängerungen KGaA-Boss Hans-Joachim Watzke „wirklich erst in der Winterpause entscheiden“ wird, nach langen Wochen der Köchelphase vor dem Check-In ein Ventil gesucht. Der Trainer, Bewohner einer vom Boulevard geöffneten Gutmensch-Schublade (BILD: „Ist Doll zu weich?“) war Zorcs „Weicheier-Fußball“-Kritik nach der Niederlage gegen den Hamburger SV (25. September, 0:3) ein Dorn im Auge.

Inspirierend wie eine Cordhose

Doll, dessen Team gegen seinen Ex-Klub in der Tat so inspirierend wie eine Fleisch gewordene Cordhose gewirkt hatte, betont, er habe Zorc darauf hingewiesen „wie ich mir sowas vorstelle“. Derlei müsse man zunächst „intern absprechen“. Im Klartext: keine öffentliche Kritik ohne vorherige Konsultation des Coaches.

Längst nicht nur Zorc wiederum soll sich seit Monaten an der Arbeit von Mentaltrainer Jürgen Lohr (49, Vertrag bis zum 30. Juni 2008) reiben und beklagen, dieser habe deutlich zu großen Einfluss auf Dolls Meinungsbildung. Von einem gewissen Grad an Fremdbestimmtheit ist die Rede. Lohrs Hauptaufgabengebiet, die mentale Betreuung und Stärkung des Kaders, vernachlässige er hingegen. Zorc schweigt zu dem Thema, Doll dementiert: „Lohrs Einfluss ist weder auf die Spieler noch auf mich groß. Unglaublich, was da zusammengetragen wird.“

Lohr: In Hamburg gefeuert

Der Trainer hatte schon in Hamburg mit Lohr zusammen gearbeitet. Auch dort wurde das Wirken des Diplom-Sozialpädagogen zeitweise mit Argwohn betrachtet. Nach 18 Monaten trennte sich der Klub von Lohr. Ein ähnliches Schicksal droht ihm im Sommer 2008 beim BVB. Auch Zorc steht auf der Kippe. Er führt zurzeit einen Krieg an mehreren Fronten und hat das Problem, dass sich kaum ein interner Gegner aus der Deckung wagt.

Am Donnerstag führten Doll und Zorc ein mehr als zweistündiges Gespräch. Die Quintessenz des Trainers nimmt der vermeintlichen Fehde zumindest offiziell jede epochale Wucht: „Wir schätzen uns beide. Wir lassen uns nicht auseinander dividieren. Da bleibt nichts hängen.“

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