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An Schalkes Ex-Trainer Slomka scheiden sich die Geister

Komplizierte Beziehung

GELSENKIRCHEN In der Bundesliga ist es manchmal wie im täglichen Leben: Dem Wiedersehen mit dem (oder der) „Ex“ begegnet man oft mit einem mulmigen Gefühl. Vor allem dann, wenn die Beziehung schon während der gemeinsamen Zeit sehr kompliziert war – wie beim FC Schalke 04 und Mirko Slomka (42).

von Von Norbert Neubaum

, 09.04.2010
An Schalkes Ex-Trainer Slomka scheiden sich die Geister

ARCHIV - Trainer Mirko Slomka sitzt am 19.05.2014 bei einer Pressekonferenz des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV in der Imtech Arena in Hamburg. Foto: Christian Charisius/dpa (zu dpa-Meldung: «Ex-Trainer Mirko Slomka klagt gegen HSV wegen Kündigung » vom 02.10.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Heute sehen die Königsblauen in Hannover ihren Ex-Trainer wieder, und passend zum „Standing“, das Slomka bei vielen Beobachten auf Schalke hat, wird vorher gespottet: „Wenn Hannover gewinnt, ist Slomka der erste Trainer, der Schalke gleich zwei Mal eine mögliche Meisterschaft versaut hat...“ Eine Anspielung auf das Jahr 2007, als Schalke lange souverän an der Tabellenspitze stand, dann aber einbrach und den VfB Stuttgart im Endspurt vorbei ziehen lassen musste. Das wurde in erster Linie Trainer Mirko Slomka angekreidet.Von Anfang an stand Slomka als Cheftrainer auf Schalke im Kreuzfeuer der Kritik – ehrlicherweise muss erwähnt werden, dass Fairness im Umgang mit Slomka dabei nicht immer groß geschrieben wurde. Der Ex-Assistent von Ralf Rangnick galt manchen Journalisten alleine schon deshalb als suspekt, weil sie ihn vorher nicht auf ihrem Spekulations-Zettel hatten.

Da standen eigentlich nur „große“ Namen drauf, und das Manager-Duo Andreas Müller und Rudi Assauer schien sich in der Nacht zum 4. Januar 2006 einen Spaß draus zu machen, mit Slomka die überraschendste Lösung zu präsentieren – schließlich war der gebürtige Hildesheimer vorher als Co-Trainer nicht großartig in Erscheinung getreten und als Chefcoach noch völlig ohne Erfahrung. Als Slomka Schalke sein Ja-Wort gab, ging die Freundschaft zu Vorgänger Ralf Rangnick in die Brüche. Slomka, so Rangnick später , habe ihm noch kurz vorher bei einem Abendessen versichert, sich selbst für den Cheftrainer-Posten noch nicht „reif genug“ zu fühlen. Doch dann griff Slomka zu und musste fortan zahlreiche Sticheleien über sich ergehen lassen. An die Spitze der Bewegung setzte sich Rudi Assauer, der am Tag nach Slomkas Beförderung zugab, „dass ich nicht auf die Idee gekommen wäre, ihn zum Cheftrainer zu machen“. Slomka war ganz klar „Müllers Mann“, allerdings war Assauers Bekenntnis Munition für so manche mediale Breitseite gegen Slomka.

Doch der bewies erstaunliche Nehmer-Qualitäten: In seinem ersten Halbjahr blieb er mit Schalke Vierter, dann kam die Vize-Meisterschaft und das Erreichen des Champions-League-Viertelfinales (so weit hatten es nicht mal die auf Schalke geschätzten Huub Stevens und Ralf Rangnick gebracht), auf Platz drei stehend wurde er am 13. April 2008 nach einer 1:5-Niederlage in Bremen entlassen. Mit durchschnittlich 1,85 Punkten pro Spiel ist Slomka hinter Felix Magath (2) und Rangnick (1,93) bislang Schalkes dritterfolgreichster Bundesliga-Trainer aller Zeiten. Trotzdem scheiden sich an ihm die Geister: Slomka-Fans verweisen auf diese gute sportliche Bilanz, seine Kritiker bemängeln, dass in dieser Zeit noch viel mehr drin gewesen wäre und dass sich Schalkes Fußball unter Slomka deutlich verschlechtert hätte. Slomkas Problem: Irgendwann in der Erfolgsphase glaube er selbst daran, schon ein ganz großer Trainer zu sein – was alleine schon deshalb ein fataler Irrtum sein musste, weil er als Cheftrainer ja quasi noch ein Anfänger war.

Seitdem philosophiert Slomka gern über große Mannschaften wie Arsenal London oder dem FC Barcelona, gebärdet sich bei Interview-Anfragen wie eine Diva und machte sich auf Schalke auch im Verein kaum Freunde. „Der nette Herr Slomka“, so ein S04-Angestellter, „war wirklich sehr nett. Aber nur zu Leuten, von denen er wusste, dass sie ihm nutzen können.“ Vor dem Wiedersehen mit Schalke wies Slomka darauf hin, dass er nur Fragen zum Spiel und nicht zu seiner Schalke-Zeit beantworten wolle – um dann in einem Interview gleich gegen S04-Verteidiger Rafinha nachzutreten. Der habe ihm damals den Job gekostet – so Slomka .Es sind auch solch verklärte Sichtweisen, die das Verhältnis zwischen Schalke und Slomka noch immer so kompliziert machen