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Magath: "Champions League kostet Konzentration"

Stichelei gegen Bayern

BERLIN Sie wollten einfach nicht gehen. Auch eine Viertelstunde nach dem Schlusspfiff blieben über 10 000 Schalker Fans im Berliner Olympiastadion und feierten den 1:0 (0:0)-Erfolg ihrer Mannschaft. Auch rund um die Spielstätte herrschte emotionaler Ausnahmezustand – alle Kneipen waren definitiv fest in Schalker Hand.

von Von Frank Leszinski

, 25.04.2010
Magath: "Champions League kostet Konzentration"

In Feierlaune, wenn auch nur mit Wasser: Schalkes Stürmer Jefferson Farfan.

Wer hätte auch vor der Saison erwartet, dass sich der FC Schalke 04 nach 32 Spieltagen direkt für die Champions League qualifiziert? Wer hätte geglaubt, dass Schalke punktgleich, aber mit deutlich schwächerer Tordifferenz, mit Tabellenführer FC Bayern um die Meisterschaft kämpft? Und wer hätte es für möglich gehalten, dass junge Spieler wie Schmitz, Moritz oder Matip regelmäßig zum Einsatz kommen oder ein Chinese wie Hao Junmin auf dem besten Weg ist, sich einen Stammplatz zu erobern? Niemand. Nicht einmal Felix Magath. Dass der leidenschaftliche Tee-Trinker nach dem knappen Erfolg seiner Mannschaft sogar zum Genuss von Rauschmitteln aufrief („Wir haben eine Riesensaison gespielt, können uns auf die Schultern klopfen und einen trinken gehen“), machte deutlich, wie zufrieden der 56-Jährige mit dem bisherigen Saisonverlauf ist.

Doch Magath wäre nicht Magath, wenn er sich mit Platz zwei zufrieden geben würde. Die psychologische Kriegsführung mit dem FC Bayern München setzte der Schalke-Trainer unmittelbar nach dem Schlusspfiff fort. „Da können der Präsident und der Trainer erzählen, was sie wollen. Die Champion League kostet Konzentration. Da ist immer eine Überraschung drin. Das hat man heute gesehen und es können noch zwei weitere folgen...“ Allerdings hing der eigene Erfolg in Berlin vor allem in der zweiten Halbzeit am seidenen Faden. Als auf der Anzeigentafel das 1:0 für Mönchengladbach gegen die Bayern aufleuchtete, sorgte dieser Zwischenstand im Schalker Lager mehr für Konfusion als für Konzentration. „Da ist uns das Herz in die Hose gerutscht. Wir haben in dieser Phase völlig unsere Linie verloren“, kritisierte Magath.

Vor allem Torhüter Manuel Neuer war es zu verdanken, dass die Königsblauen nicht in Rückstand gerieten. Kacar, Cicero und Gekas verschluderten ihre Chancen auf eine Art und Weise, die dem Tabellenstand der Berliner entsprach und Torhüter Drobny zur Weißglut trieb: „Das ist nicht nur Pech, sondern hat auch mit Qualität zu tun. Der Verein hätte Pantelic im letzten Jahr niemals gehen lassen dürfen.“ Der frühere Stürmer war in der vergangenen Saison immer für ein Tor gut – ähnlich wie Kevin Kuranyi in dieser Spielzeit für Schalke. Doch seine ungeklärte berufliche Zukunft und die Diskussion um ein Comeback in der Nationalelf scheinen den 28-Jährigen mehr und mehr zu hemmen. Felix Magath hielt sich mit Kritik an Kuranyi nicht zurück: „Wie Kevin momentan spielt, damit kann ich nicht zufrieden sein.“

Dieses Urteil galt in Berlin auch für Heiko Westermann, der phasenweise von allen guten Geistern verlassen schien. Dass der Nationalspieler mit dem Tor des Tages die Schalker Titelhoffnungen am Leben hielt, war die durchaus kuriose Schlusspointe eines durchschnittlichen Spiels, dessen Ergebnis weiter für Spannung an der Tabellenspitze sorgt. Zwar scheinen die Bayern das leichtere Restprogramm zu haben, doch Felix Magath zieht alle Register, um den deutschen Rekordmeister zu verunsichern. „Wir werden weiter Druck auf die Bayern machen und hoffen, dass sie noch ganz schön ins Schwimmen geraten“, versprach der Schalke-Trainer. Sollte Bayern tatsächlich beim Saisonfinale „ertrinken“, würden die königsblaue Fans garantiert noch weit länger feiern als in den Stunden in Berlin.