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Magath wirft jetzt alles nach vorn

Meisterschafts-Kampf

GELSENKIRCHEN Felix Magath rührte scheinbar entspannt mit dem Löffel in seiner Tasse Tee, nichts deutete nach dem Schalker 3:1 (2:1)-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach auf eine Pressekonferenz mit nachhaltiger Wirkung hin. Bis ein Journalist die Frage nach Magaths Einschätzung zur aktuellen Tabellensituation stellte.

von Von Norbert Neubaum

, 18.04.2010
Magath wirft jetzt alles nach vorn

Fußball: Bundesliga - 7. Spieltag: Hamburger SV - FC Schalke 04 am 26.09.2015. Schalkes Trainer Andre Breitenreiter (l) umarmt Schalkes Torwart Ralf Fährmann nach dem Spiel. Das Spiel endete 0:1. Foto: Axel Heimken/dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien während des Spiels auf insgesamt fünfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Schalkes Trainer und Manager sollte Stellung nehmen zum seit Samstag sicheren Erreichen der Europa League und der zum Greifen nahe Qualifikation für die Champions League – von möglichen Titel-Ambitionen war in der Frage gar nicht die Rede. War auch nicht nötig: Das übernahm Magath von selbst.Sich der Bedeutung seiner Worte durchaus bewusst blickte Magath konzentriert in die Runde und genoss die Spannung, die er mit seiner kurzen Ansprache provozierte. Noch nie zuvor hatte Magath auf Schalke in dieser Deutlichkeit vom Titel gesprochen. „Nach diesem Spiel gegen Mönchengladbach“, so Magath, „glaube ich, dass wir eine große Chance haben, Meister zu werden.“ Magaths Meister-Mathematik: „Ich glaube nicht, dass die Bayern alle ihre restlichen Spiele gewinnen werden, gerade auch angesichts ihrer Zusatzbelastungen in der Champions League. Ich glaube aber, dass wir unsere drei Spiele gewinnen können, auch wenn das natürlich nicht einfach wird. Diese drei Spiele zu gewinnen – das ist jetzt unser Ziel.“

Und unterm Strich stünde nach Felix Magaths Hochrechnung dann eben die Meisterschaft – weil die Bayern, um seiner Theorie zu folgen, noch Federn lassen werden.Das saß. Sogar die Schalker Spieler waren, mit Magaths Meister-Rede konfrontiert, überrascht. „Wenn der Chef das so gesagt hat,...“, wollte Ivan Rakitic sich mit eigenen Meister-Plänen nicht den Mund verbrennen. Nicht mal Abwehrchef Marcelo Bordon ließ sich aufs glatte Meister-Parkett führen: „Ich rede nicht vom Titel. Wir wollen das Maximale. Das wären drei Siege. Und natürlich kann man nicht ausschließen, dass die Bayern sich im Kopf ein wenig mehr mit der Champions League als mit der Bundesliga beschäftigen.“ Magath macht nicht aus einer spontanen Laune heraus mobil – wie meistens bei ihm sind seine Worte wohl überlegt. Der erfahrene Meister-Macher weiß, dass er es sich jetzt leisten kann, mit seiner Mannschaft ab jetzt nur noch nach vorn zu gucken. Schließlich ist das erste Saisonziel – Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb – schon jetzt erreicht. Und Magaths Sticheln gegen die Bayern ist nichts anderes als der vom Rekordmeister aus München schon oft unternommene Versuch, den Konkurrenten zu verunsichern.

Dass sich die Bayern beim anschließenden 7:0 gegen Hannover und der Rückeroberung der Tabellenspitze davon unbeeindruckt zeigten, konterkariert Magaths Plan nicht – Schalkes Macher hat für Robben und Co. andere Spielverderber auf dem Zettel als die vom Schalke-Spiel offenbar noch siegestrunkenen Niedersachsen. Mönchengladbach beispielsweise – da müssen die Bayern am kommenden Samstag inmitten des Champions-League-Stresses hin, und wenn die Borussen dann einen genauso ordentlichen Auftritt wie auf Schalke hinlegen, sind sie auch gegen München nicht chancenlos. Schon in der Veltins-Arena hätte die Mannschaft von Trainer Frontzeck zum Stolperstein für die nach zwei Niederlagen lange verunsichert wirkenden Gastgeber werden können, doch Schalke erzielte durch Rakitic (8.), Farfan (45.) und Rakitic (47., Elfmeter/Foul von Dante am Bundesliga-Debütanten Gavranovic) immer in den richtigen Momenten die Tore, so dass Bobadillas Treffer zum 1:1 (16.) zu verschmerzen war. Meisterlich auf Schalke war auf jeden Fall die Stimmung – auch weil Magath die mit ins Saison-Finale nehmen will, wirft er im Kampf um die Schale jetzt alles nach vorn. Sogar sich selbst.