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Vor dem Gipfel-Treffen: Das einwöchige Fieber-Protokoll

Topspiel gegen Bayern

GELSENKIRCHEN Schalkes Rechnung ist nachvollziehbar einfach und wird sogar von Dauer-Warner Felix Magath gestützt: Samstag (15.30 Uhr) die Bayern schlagen und dann Meister werden. Die Endspiel-Woche auf Schalke und in Gelsenkirchen abseits des Rasens.

von Von Norbert Neubaum und Frank Leszinski

, 02.04.2010

SONNTAG: „Mit Wolfsburg kann Magath Meister werden – mit Schalke unsterblich!“ Das schrieb vor Monaten ein Fan im Internet. Nach der 2:0-Meisterleistung in Leverkusen befindet sich Felix Magath auf dem Weg Richtung „Unsterblichkeit“. Ab jetzt wird jede seiner Aktionen zum Ereignis. Als sich Magath heute bei einer Live-Schaltung vor laufenden Fernseh-Kameras bei seinem Heimatbesuch in München Weißwürste servieren lässt, wird ihm das als Kampfansage an den Titel-Rivalen ausgelegt. Magath scheint solche Diskussionen zu genießen – genau wie 2009, als er sich zum Meister-Finale als Wolfsburgs Trainer auf dem Münchner Rathaus-Balkon interviewen ließ. Reiner Zufall sagte Magath.

MONTAG: Auf den Zufall kann sich Michael Sander nicht verlassen. „Die Empore ist ausverkauft!“, steht mahnend auf dem Sitzplan, den der Gastronom in den Händen hält und beinahe minütlich überprüft. Sanders Live-Übertragungen von Schalke-Spielen im Veranstaltungssaal des Revierparks Nienhausen sind Kult. Vor dem Anpfiff läuft die Einlaufmusik, Sander steht oft selbst am Mikrofon und beschert seinen 300 Gästen Arena-Atmosphäre: „Unsere Nummer eins...“ – und so weiter. Sander rechnet hoch: „Hoffentlich machen die Jungs schon alles am 1. Mai gegen Bremen klar. Sonst bricht am Wochenende danach alles zusammen: Am 7. Mai Eishockey-WM in der Arena, am 8. Mai das Spiel in Mainz und sicher Public Viewing in der Arena, am 9. Triumphzug mit der Schale und Empfang der Stadt, am 10. Mai Jahreshauptversammlung mit der Präsentation der Schale...“ Sander schmunzelt. Wie auch immer: Die Empore ist ausverkauft!

DIENSTAG: 1000 Zuschauer beim Training, Parkplatz-Chaos – ausverkauft ist ein Wort der Woche. Rolf Rojek denkt dabei gar nicht so sehr an die Schalker Heimspiele, da ist die Hütte sowieso voll. Für das Bayern-Spiel werden im Internet heute Stehplatz-Karten für 149 Euro angeboten! Beim Schalker Ober-Fan bricht vielmehr der Schweiß aus, wenn er an das letzte Saisonspiel in Mainz denkt. Der Fan-Club-Verband, dem Rojek vorsitzt, verwaltet einen Großteil der Auswärtskarten. Die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich. Am Mainzer Bruchweg stehen Schalke nur 2000 Tickets zu. „Wir sollten den Mainzern vorschlagen nach Frankfurt auszuweichen“, sucht Rojek nach Lösungen.

MITTWOCH: Schalke und die Interview-Einschränkungen. Als die vor Jahren auch bei den Königsblauen die Arbeit komplizierter machten, wurde geflachst: „Demnächst muss man sogar noch um Erlaubnis fragen, wenn man ein Interview mit dem Platzwart machen möchte...“ Die Realität hat diesen Flachs – wie so oft – längst eingeholt. Die Bayern ziehen wieder wegen des Schalker Rasens vom Leder, Schalkes „Greenkeeper“ Thorsten Petri muss gegenüber den Medien schweigen – Anweisung des Klubs.

DONNERSTAG: Schweigen ist Gold – das gilt auch für die Stadt Gelsenkirchen. Natürlich wird dort im Falle eines Sieges gegen die Bayern sofort mit der Planung von Meister-Feierlichkeiten begonnen, alles andere wäre fahrlässig. Aber die Stadtväter hüten sich auch heute, das offiziell zuzugeben. Aus gutem Grund: Als der damalige Oberbürgermeister Oliver Wittke 2001 die städtischen Meister-Pläne bekannt gab, bekam er von Schalke-Manager Rudi Assauer kräftig eins „übergebraten“ – verbal natürlich.

FREITAG: Felix Magath poltert nicht wie Assauer, er ficht verbal mit dem feinen Florett – und landet meistens empfindliche Treffer. Magath verzichtet aufs Säbelrasseln. Nur so viel: Spätestens seit dem 2:0-Sieg in Leverkusen sei seine Mannschaft überzeugt, gegen die Bayern gewinnen zu können. Es wäre für Felix Magath ein Riesenschritt auf dem Weg zur königsblauen „Unsterblichkeit“.