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Stadtlohn: Eine Stadt mit hoher Lebensqualität und offenen Wünschen aus der Jugend

mlzOrtsteil-Check Münsterland

Die Stadtlohner geben ihrer Stadt gute Noten. Auch Philipp Könning und Cora Belker leben gerne hier. Obwohl sie jung sind. Das Angebot für Jugendliche kommt in der Umfrage nicht so gut weg.

Stadtlohn

, 11.03.2019 / Lesedauer: 6 min

Philipp Könning ist 23 Jahre alt und wohnt in einer Stadt, die mehr für Rentner als für Jugendliche zu bieten hat. Zumindest, wenn es nach den Teilnehmern unserer Stadtlohner Ortsteil-Check-Umfrage geht. Die bewerteten den Punkt „Angebote für Jugendliche“ am schlechtesten von allen Kategorien mit nur vier von zehn möglichen Punkten.

Philipp Könning schüttelt den Kopf. Seine Erfahrungen sind andere. Aber er ahnt, wie das Ergebnis zustande kommt. „Viele sehen als Erstes, was nicht da ist: eine Disco, ein Kino oder ein McDonalds.“

„Ich lebe gerne in Stadtlohn“, sagt Philipp Könning. Er sagt es nicht trotzig, sondern mit Überzeugung: „Es gibt so ein breites Angebot für Jugendliche in Stadtlohn: in den Sportvereinen, in den vielen kirchlichen Verbänden und in der offenen Jugendarbeit.“ Letztere ist Philipp Könnings großes Thema.

Im Jugendkomitee (Juko) macht er sich für neue Angebote in der Stadt stark. So wie Cora Belker (19), Nils Groth (18) und Nele Eckelmann (19), die jetzt mit am Tisch im Büro des Jugendwerks sitzen.

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Wie Philipp Könning fühlen auch sie sich wohl in Stadtlohn. Und sie zählen auf, was sie in den letzten Jahren mit Unterstützung der Stadt erreicht haben: Mit dem Basketballplatz und der Skateboardanlage ist der Losbergpark zu einem echten Hotspot für Jugendliche geworden.

Für dieses Jahr hat die Stadt dem Juko weitere 47.000 Euro zugesagt, damit der Basketballplatz beleuchtet und ein Wetterschutz errichtet werden können. Nils Groth appelliert an die Jugendlichen: „Meldet euch, wenn ihr Ideen und Wünsche habt. Wir können vieles durchsetzen.“

Das wurde auch positiv bewertet

Nahversorgung: Für diesen Aspekt vergaben die Stadtlohner den Bestwert der Umfrage und fast die volle Punktzahl: neun von zehn. Diesem Ergebnis können Philipp Könning und sein Freunde nur beipflichten: Edeka (Burgstraße), K+K (Pfeifenofen, Kalter Weg und Eschstraße), Aldi (Südlohner Weg und Breul) und Lidl (Grabenstraße) sind gleich an sieben Standorten vertreten. „Das ist megaviel. Und dazu kommen noch Bioladen und ein breites Angebot an ausländischen Lebensmitteln“, sagt Nils Groth.

Mancher Wenningfelder allerdings sieht in unserer Umfrage den Bereich Wenningfeld in Sachen Nahversorgung etwas vernachlässigt. Der bevorstehende Umzug des Aldi-Marktes von der Südlohner Straße an die Ecke Schützenweg/Vredener Straße wird jedoch die Situation bald verbessern.


Gastronomie: Mit einem Durchschnittswert von sieben Punkten erhält die Gastronomie in Stadtlohn eigentlich eine ganz passable Note. Der genauere Blick auf die Zahlen hinter dem Durchschnittswert zeigt: Hier scheiden sich die Geister, das ausgeschöpfte Notenspektrum reicht von eins (sehr schlecht) bis zehn (sehr gut) – und zwar quer durch alle Altersgruppen.

Das Thema Kneipen bewegt viele Menschen. Hier gab es neben der Notenvergabe besonders viele Kommentare. „Es müsste mehr Anreize für Personen in meinem Alter (Ü25) geben“, schreibt zum Beispiel ein Umfrageteilnehmer.

„In den umliegenden Städten ist es viel ansprechender, was die Bars und so weiter angeht.“ Eine junge Frau kommentiert: „Nachtleben leider nicht vorhanden: Queenie/Rumpelkammer die demnächst schließt, fehlt!“

Ein junger Mann schreibt: „Es fehlt eine Disco! Man braucht freitags oder samstags nicht in Stadtlohn losgehen.“

Stadtlohn: Eine Stadt mit hoher Lebensqualität und offenen Wünschen aus der Jugend

Daten und Fakten zum Ortsteil-Check Stadtlohn © Hasken

Philipp Könning und seine Freunde sehen das gelassen. Das Rio in Gescher, das Index in Schüttorf oder das Next in Ahaus seien nicht zu weit entfernt und mit dem Auto gut zu erreichen – „jetzt, wo wir über 18 sind und nicht mehr auf die Eltern als Fahrer angewiesen sind“, sagt Cora Belker, die in diesem Jahr ihr Abi macht und dann ihr Anerkennungsjahr als Erzieherin antritt.

Nils Groth macht eine Ausbildung als Notfallsanitäter in Borken. Er sagt: „Ich bin sowieso eher der Kneipentyp. Es gibt zwar immer weniger Kneipen, aber noch gibt es viele Alternativen fürs Darten oder Schocken bei einem schönen Bierchen.“ Und bei den kulinarischen Möglichkeiten gerät er gar ins Schwärmen. Die vielfältigen Angebote für Döner, Pommes und Pizza seien schon „ein echter Luxus“.

Radfahren: Stadtlohn ist eine Radfahrerstadt. Und sie erhält von unseren Umfrageteilnehmern eine sehr gute Note für das Radwegenetz: acht von zehn Punkten.

Aber auch hier gibt es im Einzelfall Kritik: Umfrageteilnehmer nennen konkrete Ansatzpunkte, zum Beispiel die Einbahnstraßenregelung an der Vredener Straße im Bereich Grabenstraße, eine bessere Anbindung an das Radwegnetz zwischen Gescher und Vreden und die Beschilderung.

Stadtlohn: Eine Stadt mit hoher Lebensqualität und offenen Wünschen aus der Jugend

Das Radfahren schneidet in Stadtlohn gut ab. Allerdings gibt es auch Kritik an der Instandhaltung der Radwege. © Markus Gehring

Kritik gibt es mitunter auch an der Instandhaltung des Radwegenetzes. Hier hat die Stadt den Handlungsbedarf erkannt. Ende Februar hat der Rat einstimmig den Ansatz für den Unterhalt der Radwege um 28.000 Euro auf 50.000 Euro mehr als verdoppelt.

Sport: Eine Spitzenbewertung gibt es auch für den Sport in Stadtlohn. Für Nils Groth ist das keine Überraschung: „Hier kann man ja nicht nur Fußball spielen, es gibt auch viele außergewöhnliche Sportarten: Einradhockey Dodgeball oder Trial – das habe ich auch mal gemacht.“

Das wurde eher negativ bewertet

Wohnen: „In Stadtlohn lässt sich überschaubar in jeder Form gut leben. Es ist möglich ein Eigenheim zu verwirklichen, Kinder wachsen gut auf. Wohne gern hier“, schreibt ein Ü50-Umfrageteilnehmer. Doch gerade der Bereich „Wohnen“ schneidet im Ortsteilcheck mit sechs von zehn Punkten in Stadtlohn nur unterdurchschnittlich ab.

Die einen, die ein Häuschen haben, sind zufrieden, die anderen, die eine Wohnung oder ein Grundstück suchen, sind es weniger. „Da werden die Jüngeren vergessen“, schreibt eine junge Umfrageteilnehmerin.

Ein anderer in der Altersgruppe 25 bis 35 Jahre schreibt: „Ich warte seit fünf Jahren mit meiner Partnerin auf ein geeignetes Grundstück von der Stadt Stadtlohn. Durch die Vergabekriterien, ist es uns nicht möglich, sich als Paar auf ein Grundstück zu bewerben.“ Ein junger Familienvater schreibt: „Für Familien mit zwei Kindern ist es so gut wie unmöglich, eine passende, bezahlbare Wohnung zu finden.“

Stadtlohn: Eine Stadt mit hoher Lebensqualität und offenen Wünschen aus der Jugend

Im Erningfeld entstehen jetzt rund 100 neue Wohnhäuser. Die Stadt will weitere Neubaugebiete erschließen. © Stefan Grothues

Günter Wewers verweist auf die Anstrengungen der Stadt zur Ausweisung neuer Wohngebiete. „Im Erningfeld wurden zuletzt rund 100 Baugrundstücke an Bauwillige vergeben, womit die Warteliste zunächst weitestgehend abgearbeitet werden konnte“, sagt der Erste Beigeordnete der Stadt Stadtlohn.

Da es weitere Interessierte für Eigenheime gebe, sei die Stadt dabei, weitere Baugebiete auszuweisen. Wewers: „Aktuell entsteht ein kleines Baugebiet in Wenningfeld. Weitere Flächen, die sich teilweise schon im Eigentum der Stadt befinden, stehen auf der Agenda, zum Beispiel in der Verlängerung des Owwerings, der Bohnenkampstraße oder am Alten Dyk.“

Im zuletzt entwickelten Baugebiet am Erningfeld lagen die Grundstückspreise zwischen 140 und 150 Euro je Quadratmeter. „Für eine Stadt mit einem umfassenden Infra-Struktur-Angebot im Bereich Bildung, Sport und Freizeit ist dies ein normaler Preis im Vergleich zu unseren Nachbarstädten mit vergleichbarem Angebot“, meint Günter Wewers.

Verkehrsanbindung: Die zweitschlechteste Durchschnittsnote gaben die Stadtlohn in unserer Umfrage den Verkehrsanbindungen: Magere fünf von möglichen zehn Punkten. In der Kritik steht vor allem der Öffentlichen Personennahverkehr. „Die öffentlichen Verkehrsmittel müssen sich verbessern, man kriegt nie Anschluss zu Zügen etc.“, schreibt ein 23 Jahre alter Umfrageteilnehmer.

Richard Henrichs kann die Kritik verstehen. Der grüne Ratsherr ist auch stellvertretendes Mitglied im Verkehrsausschuss des Kreises, der den ÖPNV maßgeblich mitgestaltet. „Ich bin regelmäßig auf verschiedenen Linien unterwegs und kann die Qualität des ÖNVP ganz gut einschätzen.

Die Situation ist ländlichen Raum generell etwas schwieriger“, sagt Henrichs. Gerade in den Randzeiten, morgens und abends seien die Verbindungen schwierig. „Wer im Schichtdienst ist, muss schon das eigene Auto nehmen“.

Philipp Könning, der sein Anerkennungsjahr als Erzieher beim Jugendwerk in Südlohn macht, fährt jeden Tag mit dem Bus zur Arbeit. „Die Busse fahren pünktlich und eine Monatskarte ist erschwinglich“, sagt er und freut sich über eine wesentliche Verbesserung, die im Januar in Kraft trat. Seither verkehren die Busse auf der Linie Ahaus - Stadtlohn - Borken morgens früh und am Nachmittag sogar halbstündlich.

Stadtlohn: Eine Stadt mit hoher Lebensqualität und offenen Wünschen aus der Jugend

Philipp Könning fährt jeden Tag mit dem Bus zu Arbeit nach Oeding. "Die Busse fahren pünktlich und eine Monatskarte ist erschwinglich", sagt er. © Stefan Grothues

Verkehrsbelastung: Nur mittelmäßige Noten vergeben die Stadtlohner ihrer Stadt in Sachen Verkehrsbelastung: Mit sechs von zehn Punkten wird die Belastung durch den Autoverkehr eher schlecht bewertet.

Der Blick richtet sich auf zwei Brennpunkte: die Ortsdurchfahrt und die Innenstadt. „Die Innenstadt sollte endlich gänzlich zur Fußgängerzone erklärt werden“, fordert ein Umfrageteilnehmer (Altersgruppe 35 bis 50 Jahre).

Den Wunsch nach einer autofreien Innenstadt teilen etliche andere Stadtlohner, die an der Umfrage teilgenommen haben.

Stadtlohn: Eine Stadt mit hoher Lebensqualität und offenen Wünschen aus der Jugend

Das hohe Verkehrsaufkommen in der Ortsdurchfahrt (hier die Mühlenstraße) ist vielen Stadtlohner ein Dorn im Auge. Bis die geplante Umgehung Entlastung bringt, werden wohl noch etliche Jahre vergehen. © Markus Gehring

Andere Umfrageteilnehmer nehmen das hohe Verkehrsaufkommen auf der Durchfahrtsstraße kritisch in den Blick. „Die Stadt ist schon seit über 40 Jahren mit der Planung einer Ortumgehung beschäftigt. Es wurde vor ca. sieben Jahren eine eventuelle Umgehung vom Kreis vorgeschlagen, aber unsere Verwaltung kommt einfach nicht weiter!“, kommentiert ein Umfrageteilnehmer aus der Altersgruppe 50 bis 70 Jahre.

Ein anderer (Altersgruppe 35 bis 50 Jahre) schreibt: „Eine Ortsumgehung sollte geplant werden damit die Eschstraße und Grabenstraße auf Dauer entlastet wird vom Durchgangsverkehr.“

Die Stadt sei in dieser Frage weiterhin am Ball, versichert der Erste Beigeordnete Günter Wewers. Bei der jüngsten Verabschiedung des Haushaltsplans 2019 wurden nochmals Planungskosten zur Weiterentwicklung einer Ortsumfahrt in den Haushalt eingestellt.

Aktuell sind im Rahmen des „Verkehrsmodells 2030“ Verkehrszählungen gelaufen, um die Belastungsströme zu kennen. Günter Wewers: „Die Ergebnisse werden wir in nächster Zeit der Politik vorstellen, danach werden die weiteren Schritte zur Festlegung auf einen Streckenverlauf in die Wege geleitet.“

Wer weiß, vielleicht wird das ja auch noch ein Zukunftsthema für Philipp Könning. In zwei Jahren erreicht er die Altersobergrenze im Juko und muss ausscheiden. Seine Freude am Mitgestalten des Lebens in seiner Heimatstadt ist aber groß. Lachend sagt er: „Vielleicht gehe ich dann ja in die Politik.“

Eine Kleine Geschichte der Stadt Stadtlohn

Stadtlohn: Eine Stadt mit hoher Lebensqualität und offenen Wünschen aus der Jugend

Blick in die Vergangenheit: so sah die untere Eschstraße vor der Zerstörung Stadtlohns im Zweiten Weltkrieg aus. © Stadtarchiv Stadtlohn

  • Am 27. August 1389 wird der Name „Stadtlohn“ erstmals urkundlich erwähnt. Doch schon viele Jahrhunderte zuvor war das Gebiet besiedelt. Die Hünenburg im Bockwinkel mit ihren Wällen und Gräben ist eine vergleichsweise gut erhaltene Wallburg aus der Zeit der Karolinger (8./9. Jahrhundert n. Chr.)
  • Stadtlohn, im 12. Jahrhundert noch Lohn genannt, war Zentrum eines Höfeverbandes des münsterschen Fürstbischofs. Mir der Abpfarrung von Südlohn im Jahr 1231 setzte sich zur Unterscheidung die Bezeichnung Nordlohn für Lohn durch, bis der Flecken – nach der Erhebung zum Wigbold – 1389 erstmals unter der Bezeichnung Stadtlohn urkundlich erwähnt wurde.
  • Um 1611 verwüstete ein Großbrand die Stadt. Am 6. August 1623 bezwang in der Schlacht im Lohner Bruch der kaiserliche General Tilly den „tollen Christian“ von Braunschweig.
  • Über einen längeren Zeitraum galt Stadtlohn auch als Wallfahrtsort. Die Wallfahrtskapelle am Hilgenberg, 1695 erbaut und 1738 erweitert, legt davon Zeugnis ab.
  • Bis 1800 prägte der Ackerbau das Leben der Kleinstadt. Meist waren die sogenannten Ackerbürger zugleich Handwerker. Dabei spielten das Töpfer- und das Leinenweberhandwerk eine besondere Rolle.
  • Durch Bombenangriffe im März 1945 wurde Stadtlohn fast völlig zerstört. Nach dem Krieg blühten neben der Textilindustrie auch die Holz- und Metallbranche auf.
  • Am 1. August 1964 wurde die Gemeinde Kirchspiel Stadtlohn aus den bisherigen Gemeinden Almsick, Estern-Büren, Hengeler-Wendfeld, Hundewick und Wessendorf neu gebildet. Am 1. Juli 1969 wurde sie durch das Gesetz zur Neugliederung von Gemeinden des Landkreises Ahaus in die Stadt Stadtlohn eingegliedert.
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