Umsiedeln - aber wohin?

Ahauser Spedition sucht Ausweg

Ahaus Die Spedition Kleinpas will expandieren. Der Chef weiß auch schon, wohin mit der Firma: in den Industriepark Ahaus-Legden. Doch die Spedition darf nicht.

Ahauser Spedition sucht Ausweg

Sie wollen mit ihrer Spedition expandieren: Martina und Ralf Kleinpas. Foto: FOTO: Christian Boedding

Aktuell 27 Lastwagen der Ahauser Spedition Kleinpas sind national und international unterwegs. Ralf und Martina Kleinpas führen ihr Unternehmen vom Rottweg aus. Doch die dort im Gewerbegebiet gemietete, 11.000 Quadratmeter große Fläche genügt schon lange nicht mehr den Anforderungen des seit Jahren expandierenden Unternehmens. Liebend gerne würde die Spedition umsiedeln. „In den Industriepark A 31 Ahaus-Legden“, hat Ralf Kleinpas am Donnerstag im Gespräch mit der Münsterland Zeitung genaue Vorstellungen. Doch dorthin darf er mit seiner Lkw-Flotte und den 45 fest angestellten Mitarbeitern sowie den 15 Aushilfen nicht. Eine Ansiedlung im Industriepark ist dem produzierenden Gewerbe vorbehalten. Eine Spedition zählt nicht dazu. Ralf Kleinpas: „Das muss man sich mal vorstellen. Eine Spedition soll sich nicht an der Autobahn ansiedeln!“

Die Vorgeschichte

Dabei hat das Ganze eine jahrelange Vorgeschichte. Wir springen zurück in das Jahr 2001. Damals zog Kleinpas, der als selbst fahrender Unternehmer mit Firmensitz in Ottenstein begann, mit seiner Firma an die Daimlerstraße. Dabei wäre er auch in Ottenstein geblieben. Doch das ging nicht. „Die Verwaltung hat mir damals gesagt, ich wollte zu viel Arbeitsfläche und hätte zu wenig Arbeitsplätze.“

Ralf Kleinpas expandierte weiter mit seinem Unternehmen. 2010 ging es in das bestehende Gewerbegebiet an den Rottweg. Ein Bürogebäude, eine Lkw-Waschstraße und ein Trockenlager gehören zum Standort. Allerdings reicht der Platz schon seit geraumer Zeit nicht mehr aus. Ende 2018 läuft der Mietvertrag aus. Ralf Kleinpas: „Wir können den Ansprüchen unserer Kunden auf diesem Gelände nicht mehr gerecht werden.“ Die Logistik umfasst Kühl- und Thermotransporte im Bereich Lebensmittel und Pharmazie.

2015 nahm der Industriepark Ahaus-Legden Gestalt an. Ralf Kleinpas wurde abermals bei der Stadt für eine Fläche vorstellig. „Die Verwaltung bedankte sich für mein Schreiben. Es hieß, es sei vorstellbar, uns hinter der Firma Stapelbroek anzusiedeln.“

Doch statt einer Zusage erhielt Ralf Kleinpas einige Monate später eine Absage. „Da hieß es dann aus dem Rathaus, im Industriepark dürften sich nur produzierende Betriebe ansiedeln.“ Das habe der Zweckverband entschieden. Als Ausweichmöglichkeit seien ihm von der Stadt eine Fläche im geplanten Gewerbegebiet Ahaus Ost II und eine Fläche in Ottenstein – vor Hülsta – angeboten worden. Ralf Kleinpas: „Bei dem einen Gebiet läuft gerade erst die Erschließung, vor Ende 2018, Anfang 2019 kann da gar nicht gebaut werden.“ Zudem sei noch eine Normenkontrollklage gegen die Erweiterung anhängig. „Und die andere Fläche muss für Gewerbe erst noch entwickelt werden.“

„Nicht gut genug?“

Viele Versprechungen seien ihm über Jahre aus dem Rathaus gemacht worden. Aber: „Außer Ankündigungen ist von dort nicht viel gekommen“, sagt der Unternehmer. Für manche Firmen werde einfach zu wenig getan. Ralf Kleinpas fragt: „Sind Arbeitsplätze für Lkw-Fahrer nicht gut genug?“ Den Hinweis auf die bestehende Ansiedlungs-Regelung im Industriepark lässt er nicht gelten. „Das kann geändert werden. Aber das ist im Rathaus wohl zu viel Arbeit.“ Fakt sei: „Wir kommen hier auf dem Grundstück nicht mehr weiter.“ Für die Zukunft ihres Unternehmens halten sich Ralf und Martina Kleinpas alle Optionen offen. Wobei die Zukunft nicht unbedingt in Ahaus liegen müsse.

Antwort der Stadtverwaltung

Lesen Sie nachfolgend die Stellungnahme der Stadtverwaltung Ahaus:

„Wir bedauern die Situation und haben volles Verständnis für die Verärgerung der Eheleute Kleinpas. Unser Grundsatz ist es, Unternehmen in ihrer Ansiedlung und der erfolgreichen Arbeit zu unterstützen, dazu gehört es auch, Gewerbeflächen vorzuhalten. Wir schätzen die Firma Kleinpas als engagiertes Unternehmen, das wichtige Arbeitsplätze schafft und wir möchten unbedingt alle Möglichkeiten ausschöpfen, um das Unternehmen in Ahaus zu halten. Wir können jedoch aufgrund des Beschlusses der Zweckverbandsversammlung vom 15. April 2016 sowie der planungsrechtlichen Ausweisungen des Bebauungsplans keine Grundstückszusage im „Industriepark A 31 Ahaus-Legden“ geben. Die Zielrichtung des „Industrieparks A 31 Ahaus-Legden“ liegt auf produzierendem und verarbeitendem Gewerbe. Dieser Fokus ist der Maßstab für die Entscheidungen des Zweckverbands, nachdem aktuell entschieden wurde.

Für eine weiterhin gute Entwicklung des Gewerbestandorts Ahaus ist eine Ausweisung und Erschließung zusätzlicher Gewerbeflächen sehr wichtig. Das künftige Gewerbegebiet Ahaus-Ost soll der Bestandspflege dienen und ortsansässigen Unternehmen Erweiterungsmöglichkeiten bieten. Bei einer Umsiedlung in das künftige Gewerbegebiet Ahaus-Ost stehen wir der Firma Kleinpas gerne unterstützend zur Seite, wir rechnen im Oktober 2018 mit einer Fertigstellung der Erschließungsanlagen. Sobald eine Vermarktung der Flächen möglich ist, werden wir in enger Abstimmung mit den Eheleuten diese Grundstückangelegenheit den politischen Gremien zur Entscheidung vorlegen.

Die Bürgermeisterin hat Herrn Kleinpas angeboten, sich persönlich bei der Vermieterin des jetzigen Standortes für eine befristete Verlängerung des auslaufenden Mietvertrages einzusetzen. So könnte ein lückenloser zeitlicher Übergang gewährleistet werden. Wir sichern Herrn Kleinpas jegliche, uns zu Verfügung stehende, Unterstützung zu und sind selbstverständlich jederzeit für weitere Gespräche mit den Eheleuten Kleinpas bereit.“

Der Industriepark A 31 Ahaus-Legden liegt unmittelbar an der Autobahn-Anschlussstelle.

Ansiedeln sollen sich dort laut Vorgabe des Zweckverbandes größere Industriefirmen, vorzugsweise aus der Region. Kleine Handwerksbetriebe, Speditionen, eine Tankstelle oder ein Autohof haben keine Chance.