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Auf den Spuren des Vaters

Wüllen Der Oktoberhimmel lacht blau über der grünen Wiese am Hof Deuker in Sabstätte. Darüber hinaus gibt es nicht viel zu sehen. Dennoch: Tief bewegt nimmt Michael Auger (50) aus Südkalifornien das idyllische Fleckchen in den Blick - und schaut dabei in eine dunkle Vergangenheit.

Heiter war der Himmel auch damals, auf den Tag genau vor 64 Jahren am 10. Oktober 1943. Jenseits der Meteorologie jedoch überschatteten die dunklen Wolken des Zweiten Weltkriegs ganz Europa. Bomberverbände flogen an jenem Tag schwere Luftangriffe auf Münster - darunter auch der amerikanische Bomber B-17 "Cash and Carrie". Zur zehnköpfigen Besatzung zählte der 22 Jahre alte Schütze Norman Auger, der Vater von Michael Auger. Von Abwehrgeschützen schwer getroffen musste die Maschine notlanden - eben auf jener Wiese in Sabstätte.

Landwirt half Verletzten

Fünf Besatzungsmitglieder waren zuvor bereits mit dem Fallschirm abgesprungen, die anderen fünf, darunter Auger, überstanden die Notlandung unverletzt. Dem Navigator allerdings hatte ein Geschoss das Knie zertrümmert. All das wusste Michael Augner bereits aus den Erzählungen seines Vaters. Jetzt berichteten Hubert Feldhaus, Paul Osterhues und weitere Mitglieder des Wüllener Heimatvereins, was sich damals noch zugetragen hatte: Die Werschmann-Töchter seien die ersten am Flugzeugwrack gewesen. Wegen ihrer Strickjacken hielten die Amerikaner sie zunächst für Rot-Kreuz-Schwestern. Nachdem sie von den überforderten Mädchen erfahren hatten, dass sie in Deutschland und nicht wie erhofft in Holland notgelandet waren, flohen die vier Unverletzten auf Drängen des verletzten Navigators, um den sich der herbeigeeilte Landwirt Hermann Deuker kümmerte - was, so berichtet sein Sohn - von den örtlichen Nazigrößen später missbilligt wurde. Am Ende aber geriet die ganze Crew in Kriegsgefangenschaft. Dass ausge rechnet Hermann Deuker sen. später als Soldat sein Leben verlor, stimmte den Kalifornier Auger traurig.

Freunde geworden

"Als wir uns später bei mir zuhause Bilder der zerbombten Städte angeschauten, haben wir uns spontan umarmt - es sind auch Tränen geflossen", berichtet Hubert Feldhaus. "Aber eigentlich ist es doch schön, wenn sich die Kinder der Feinde von ehedem heute bei Schwarzbrot und Schinken als Freunde begegnen."

Und was wurde aus dem ehemaligen Schützen Norman Auger? "Er arbeitete beim FBI und war auch mit den Untersuchungen der Morde an Kennedy und Martin Luther King befasst", berichtete sein Sohn. Und er litt bis zu seinem Tode 2001 an einem Kriegstrauma und ist nie wieder geflogen. gro

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