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Marketing-Gesellschaft geplant

Bauern im Münsterland wollen Image aufpolieren

Ahaus Die Landwirte wollen ihr Image verbessern und Vertrauen gewinnen. Die beiden großen Verbände streben eine Marketing-Gesellschaft an. Das wird die Bauern Geld kosten und soll über Tierfutter finanziert werden.

Bauern im Münsterland wollen Image aufpolieren

Auch in der Region kämpfen die Landwirte mit einer sinkenden Akzeptanz in der Öffentlichkeit. Für mehr Transparenz soll ein professionelles Marketing sorgen – finanziert durch eine „Mischfutterumlage" durch die Landwirte selbst. Foto: DPA Foto: picture alliance / Daniel Reinha

Der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) und der Raiffeisenverband Westfalen-Lippe (RVWL) wollen zusammen stärker Öffentlichkeitsarbeit für die Landwirtschaft betreiben. Dazu planen sie eine gemeinsame Gesellschaft. Das teilte Maria Leveling-Hoppe von der Kreisgeschäftsstelle des WLV unter anderem bei der Winterversammlung der Ortsverbände Nienborg und Heek mit. Der Tenor auf Ahauser Ortsgebiet ist laut kurzer Nachfrage positiv.

„Das ist kartellrechtlich schon abgeklärt“, sagte Stephan Wolfert, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) in Borken, auf Nachfrage. Beide Verbände sollen 50 Prozent an der GmbH halten. Die Gesellschaft soll möglichst noch im Frühjahr gegründet werden. Um das nötige Kapital für professionelle Öffentlichkeitsarbeit zusammenzubekommen, sollen die genossenschaftlich organisierten Mitglieder je verkaufter Tonne Mischfutter einen Euro zahlen. Das sei derzeit Stand der Diskussion, so Wolfert. Das so eingenommene Volumen schätzt er auf jährlich 800.000 bis eine Million Euro.

„Wir müssen als Branche ein Zeichen setzen“, sagte Wolfert. Deshalb wollen beide Verbände nun zusammen starten. Sie hoffen allerdings darauf, dass sich weitere Verbände und auch private Unternehmen beteiligten. „Unser Ziel ist, dass viel mehr mitmachen.“ Er schätzt die bundesweit möglichen Einnahmen – allein bei ausschließlich genossenschaftlichen Zahlern – auf bis zu 20 Millionen Euro. Davon könnten alleine bis zu fünf Prozent hier in der Region zusammenkommen, was die Bedeutung dieses landwirtschaftlichen Bereichs unterstreicht.

Erster Versuch gescheitert

Bis 2009 hatte es mit der Centralen Marketing-Gesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft (CMA) bereits eine Marketing-Organisation für Agrarprodukte gegeben. Die überwiegenden Einnahmen basierten jedoch auf einer Zwangsabgabe für Betriebe der Land- und Ernährungswirtschaft, die vom Bundesverfassungsgericht gekippt wurde. Die CMA wurde daraufhin aufgelöst.

Mit dem Geld sollen künftig Marketing-Maßnahmen bezahlt werden, um das Image der Landwirtschaft zu verbessern. In dieses Horn blasen auch die Ortsvereine in und um Ahaus. „Wir Landwirte liefern viele hochwertige Nahrungsmittel. Das öffentliche Image steht vielfach in enormer Diskrepanz dazu“, berichtet stellvertretend Heinz-Josef Elpers, Vorsitzender des Ortsverbandes Wessum. Deshalb unterstütze man das Bestreben nach einer Professionalisierung des Marketings – auch weil dieses auf einer „gebündelten Basis“ des „sauer verdienten Geldes der Familienbetriebe geschehe“. Also von Landwirten für Landwirte.

Ähnlich sieht dies Bernhard Rickert, Ortsverbandsvorsitzender in Ahaus und Mitglied des Ausschusses für Öffentlichkeitsarbeit auf Kreisebene: „Wir müssen und wollen etwas für unser Image tun – seit der Abschaffung der CMA fehlt ein solches Instrument.“ Auch wenn zunächst erst einmal die genossenschaftlich organisierten Mitglieder eingebunden seien, so denkt er, dass auf Sicht „der gesamte Landhandel mitwirken“ könne.

Positive Resonanz

Bereits Feedback von den örtlichen Landwirten hat Heinrich Blommel, Ortsverbandsvorsitzender in Graes, einholen können: „Wir haben das Projekt am Montag auf unserer Versammlung vorgestellt. Das Votum ist sehr positiv, beim Thema Marketing gibt es seit Jahren ein Vakuum." Auch wenn die Finanzierung durchaus spürbare Kosten verursachen könne, so sei dies „dringend notwendig und gut angelegtes Geld“.

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