Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Sammler Winfried Bergen gibt Räume am Ahauser Schloss auf

Der Traum von der Museumsinsel ist zerplatzt

Ahaus „Sammler sind glückliche Menschen“, sagt Winfried Bergen. Der leidenschaftliche Sammler ist gerade 78 Jahre alt geworden. Hunderte von alten Gegenständen lagert er am Ahauser Schloss. Nun beginnen ihn seine Schätze zu belasten.

Der Traum von der Museumsinsel ist zerplatzt

Winfried Bergen auf dem Dachboden des Ahauser Schlosses. Hier lagern über 1000 Schautafeln aus der Schulgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Foto: Stefan Grothues

Winfried Bergen blättert nachdenklich im Karteikästchen: „Sehen Sie hier, das sind über 500 Heiligenbildchen. Was mache ich nur damit?“ Dieser Stoßseufzer entfährt ihm an diesem Tag noch häufiger, als er den Besucher durch seine unglaublichen Sammlungen in den zwei linken Schlosspavillons und auf dem Dachboden des Schlosses führt. Dort hat Winfried Bergen Sammlerschätze gehortet, die nicht in ein Karteikästchen passen und deren Verbleib dem Sammler neuerdings mitunter den Schlaf raubt.

Viele Ahauser kennen Winfried Bergens Sammlung zur Schulgeschichte, die 2002 in die Gründung des Schulmuseums im rechten Torhaus des Ahauser Schlosses mündete. Bis Ende 2016 leitete der passionierte und pensionierte Schulleiter das Schulmuseum selbst, dann gab er die Verantwortung in die Hände seines Teams. „Im Schulmuseum ist alles gut geregelt, darüber bin sich sehr froh“, sagt Winfried Bergen.

Von Abakus bis Zither

Aber was soll aus all seinen anderen Schätzen werden: Aus seiner Sammlung alter Musikinstrumente mit Trompeten, Zithern und Harmoniums? Aus der geodätischen und karthografischen Sammlung mit alten Rechenmaschinen und Zeicheninstrumenten? Aus der Sammlung „Omas Küche“, aus den alten Bügeleisen und den Nähmaschinen, aus den Radios und Filmprojektoren, aus den mechanischen Waagen, aus den historischen Atlanten, aus der Telefon- und Postsammlung, aus der Ausstattung eines Friseurladens und einer Schusterwerkstatt… „Ich bin ein Kriegskind“, sagt Winfried Bergen. „Damals hat man jeden krummen Nagel aufgehoben. So bin ich Sammler geworden.“

Der Traum von der Museumsinsel ist zerplatzt

Historische Rechenmaschinen, Musikinstrumente, Haushaltsgeräte – es gibt kaum etwas, was Winfried Bergen nicht sammelte. Foto: Stefan Grothues

Winfried Bergen hatte einen Traum: Die Ahauser Schlossinsel sollte zur Museumsinsel werden. Auf eigene Kosten und mit Billigung des Kreises Borken als Schlosseigentümer entrümpelte, renovierte und möblierte der „Schlossbesetzer“ (so Bergen über Bergen) im Jahr 2005 die beiden linken Eckpavillons des Ahauser Schlosses. An Tagen der offenen Tür und in Sonderführungen machte Winfried Bergen seine Sammlungen der Öffentlichkeit zugänglich.

„Nun muss ich erkennen, dass mein Bestreben, den Bereich des Ahauser Barockschlosses mit weiteren Sammlungen zu einer ,Museumsinsel‘ werden zu lassen, aus den verschiedensten Gründen, gescheitert ist. Um keine weiteren Kosten für die Nutzung, die Pflege, die Heizung und die allgemeine Instandhaltungen entstehen zu lassen, gebe ich diese Räume auf“, teilt Winfried Bergen jetzt in einem Schreiben dem Förderverein des Schulmuseums, dem Heimatverein und der Bürgermeisterin Karola Voß mit.

Unklare Zukunft

Verschiedenste Gründe? „Die Räume sind nur schwer zugänglich, die Treppen sind zu steil, die Luftfeuchtigkeit ist zu hoch, die Heizung wurde ausgebaut und die Radiatoren fressen zuviel Strom“, erklärt Winfried Bergen im Gespräch mit der Münsterland Zeitung. Unter Hinweis auf sein Alter und seine Lebensplanung sagt er: „Ich will jetzt klare Verhältnisse schaffen.“ Aber genau das bereitet ihm Kopfzerbrechen. „Ich würde die Sammlungen gerne in geeigneten Räumen unterbringen oder sie Vereinen zur Verfügung stellen“, sagt Winfried Bergen. Voraussetzung hierfür sei, dass die Utensilien der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden und dass sie weiter in seinem Eigentum verbleiben. Eines möchte der Sammler nicht: „Ich will die Sammlungen nicht verscherbeln und auseinanderreißen. Das brächte ich nicht übers Herz.

Anzeige
Anzeige