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Ahnung von den Ahnen

Die vier Ahauser Ahnenforscher

Ahaus Hans Lefering, Alfons Nubbenholt, Anton Grothus und Konrad Leers haben sich der Familienforschung verschrieben. Dabei ist auch schon so manches alte Familiengeheimnis wieder ans Licht gekommen.

Die vier Ahauser Ahnenforscher

Die Ahnenforscher aus Ahaus: Hans Lefering, Alfons Nubbenholt, Anton Grothus und Konrad Leers (von links). Foto: FOTO: Christian Boedding

Dunkle Punkte in der Familiengeschichte, weiße Flecken im Stammbaum – das muss nicht sein. Nicht, wenn sich Alfons Nubbenholt (58), Hans Lefering (72), Anton Grothus (72) und Konrad Leers (78) darum kümmern. Das Quartett hat sich der Familienforschung verschrieben. Alle vier bringen jahrelange Erfahrung mit.

Alfons Nubbenholt ist schon seit 20 Jahren Familienforscher. Damals, mit 38, wollte er der Geschichte seiner Familie auf den Grund gehen. „Als Kind hatte ich gehört, dass wir gar nicht Nubbenholt heißen, sondern Küper, genannt Nubbenholt.“ Alfons Nubbenholt löste das Rätsel – das mit einem Hof gleichen Namens zu tun hatte – und hatte Blut geleckt an der Ahnenforschung. „Wenn man sich näher mit dem Thema beschäftigt, dann gibt es kein Aufhören.“

Ahnensuche wurde praktisch zum Selbstläufer

Alfons Nubbenholt beleuchtete bald nicht mehr nur seine Ahnen, sondern weitete die Familienforschung nach und nach auf den Kreis Borken aus. Die Ahnensuche wurde praktisch zum Selbstläufer. „Immer mehr Leute haben erfahren, dass ich mich der Familienforschung widme und immer mehr Anfragen kamen, ob ich bei der Spurensuche nicht helfen könnte.“

Dabei galt und gilt: „Mit der Ahnenforschung sollte man in jungen Jahren anfangen“, erklärt Konrad Leers. „Wenn die Eltern tot sind, dann tun sich Lücken auf und vieles kann man nicht mehr erfragen.“ Werde erst im Rentenalter mit der Familienforschung begonnen, werde es schwierig. Konrad Leers: „Dann reicht oftmals das Wissen nur noch bis zu den Großeltern. Bestimmte Zusammenhänge lassen sich einfach nicht über Dokumente in Erfahrung bringen. Manche familiären Zusammenhänge werden über Generationen mündlich überliefert. Bricht die Kette einmal ab, ist es vorbei.“

80.000 Datensätze im Rechner

Konrad Leers nennt ein Beispiel: „Meine Eltern kann ich auf alten Fotos identifizieren. Aber ich habe viele Negative von ihnen, zum Teil Glasplatten, auf denen ich die anderen abgebildeten Personen nicht zuordnen kann.“

Bei ihrer Arbeit greifen die vier Familienforscher auf eine Vielzahl von Quellen zurück. Dazu gehören Totenzettel, Abschriften der Kirchenbücher von 1609 bis 1885, Abschriften von Personen-standslisten, Familienanzeigen ab 1970, Einwohner- und Adressbücher, Ahnentafeln und Stammbäume verschiedener Ahauser Familien. Die zur Verfügung stehenden Unterlagen umfassen rund 80.000 Datensätze und sind fast komplett digital aufbereitet. Die Forschungen erfolgen unter strenger Einhaltung der Datenschutzvorschriften, versichern die vier Forscher.

Apropos Digitalisierung, der Laptop macht so manche Forschung einfacher, doch der Gang ins Archiv und das Blättern in alten Papieren gehört auch in Zeiten des Internet zum Forschungsumfang.

Erstellung eines Ortsfamilienbuches

Zurzeit arbeitet das Quartett an einer Edition des Status Animarum von 1749/50 für Ahaus und der Erstellung eines Ortsfamilienbuches. In einem zweiten Schritt werden die erfassten Daten mit den Kirchenbüchern abgeglichen. Alfons Nubbenholt: „So erfahren wir genau, wer wann geboren wurde, wann heiratete und wann starb.“

Die Forscher, die sich alle 14 Tage treffen, arbeiten ehrenamtlich. Doch der Aufwand, den sie dafür betreiben, zahlt sich aus: „Wir bekommen dadurch ja auch neue Daten“, erklärt Alfons Nubbenholt. Das wiederum sorgt für einen Austausch mit anderen Familienforschern. „Früher waren das alles Individualisten, jeder forschte für sich.“ Was bedeutete: Jeder musste das Rad neu erfinden. „Wenn man aber mit mehreren zusammenarbeitet, kann man sich austauschen. Wenn eine Familie erforscht ist, muss der andere nicht wieder von vorne anfangen.“ Deshalb forscht das Team flächendeckend. „Wir schauen uns ganz Ahaus an.“ Manchmal geht die Forschung etwas schneller voran, manchmal dauert es für eine Familie etwas länger. Im Schnitt etwa ein halbes Jahr, bis die Ahnen erforscht sind.

In der Vergangenheit schlummert manche Überraschung

Wobei so manche Überraschung in der Vergangenheit schlummert. Konrad Leers kann ein Beispiel nennen. In seiner Familie wurden drei Geschwister seines Großvaters verheimlicht. „Es hieß immer, sie seien zu viert gewesen, zwei Brüder und zwei Schwestern. Aber es gab noch drei weitere Geschwister.“ Ob sie kurz nach der Geburt starben, ob sie fortgegeben wurden, Konrad Leers weiß es nicht. „Darüber wurde früher nicht gesprochen.“ Bei Felix Lefering war es der in Stadtlohn als Förster in Diensten des Fürsten zu Salm-Salm stehende Urgroßvater. Über die dort noch vorliegende Personalakte fand Felix Lefering das genaue Sterbedatum seines Ahnen.

Das dritte Beispiel kommt von Alfons Nubbenholt: „Ich konnte im Kirchenbuch nicht viel über meinen Urgroßvater und dessen Kinder finden.“ Der Grund war so einfach wie überraschend. „Man geht davon aus, dass die Männer damals im Alter zwischen 25 und 30 Jahren heirateten. Mein Urgroßvater war 68 Jahre, als er zum zweiten Mal heiratete, die erste Ehe war kinderlos geblieben. Mit der jüngeren zweiten Frau zeugte er mit weit über 60 Jahren innerhalb von fünf Jahren drei Kinder. Aber dazwischen fehlt eine ganze Generation.“

Kinder sind begeistert

Womit wir am Ende der Geschichte und bei der heutigen Generation wären. Die Kinder der vier Ahnen-Experten sind begeistert von den Ergebnissen zur Familiengeschichte. „Aber unseren Forscherdrang haben sie noch nicht“, spricht Alfons Nubbenholt für die Gruppe. Fürs Erste scheint es dem Nachwuchs zu reichen, wenn ihre Väter eine Ahnung von den Ahnen haben.

Hilfe bei der Suche nach den Vorfahren

- Die Gruppe bietet allen interessierten Bürgern ihre Mithilfe und Unterstützung bei deren Suche nach den Vorfahren an. Die Tätigkeit erfolgt ehrenamtlich.

- Zu erreichen sind die Familienforscher unter Tel. (02561) 67261, Ansprechpartner ist Alfons Nubbenholt.

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