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Erste Brandmeisteranwärterin bei Ahauser Feuerwehr

Für Jennifer Norgall geht ein Traum in Erfüllung

Ahaus Jennifer Norgall ist die erste Brandmeisteranwärterin bei der Feuer- und Rettungswache in Ahaus. Jetzt steht sie vor ihrem ersten 24-Stunden-Dienst.

Für Jennifer Norgall geht ein Traum in Erfüllung

Brandmeisteranwärterin Jennifer Norgall hat in dieser Woche ihren Dienst an der Feuer- und Rettungswache Ahaus angetreten. Foto: Mareike Meiring

Was sie später einmal werden will? Auf diese Frage wusste Jennifer Norgall schon früh eine Antwort: Feuerwehrfrau. Oder, wie es heutzutage heißt, Brandmeisterin. Also trat sie mit 18 Jahren in die Freiwillige Feuerwehr ein, machte nach dem Fachabi eine Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten und bewarb sich schließlich als Brandmeisteranwärterin bei der Feuer- und Rettungswache Ahaus. Und das mit den besten Voraussetzungen. Mindestens einen guten Hauptschulabschluss, eine abgeschlossene handwerkliche Ausbildung, körperliche Fitness und ein gutes technisches Verständnis – all das brachte Norgall mit. Und sie bekam den Platz.

„In dem Beruf ist kein Tag gleich. Er ist sehr abwechslungsreich und man weiß nie, was kommt. Jeder Einsatz ist anders“, sagt die 25-Jährige. Was für manche abschreckend klingt, schätzt Jennifer Norgall besonders. Auch die 24-Stunden-Schichten. Denn ein normaler Arbeitstag an der Feuer- und Rettungswache in Ahaus geht von 8 bis 8 Uhr, ohne Unterbrechung. Danach haben die Brandmeisterinnen und Brandmeister mindestens 24 Stunden Pause, zwei Schichten sind das maximal pro Woche.

Von jetzt auf gleich voll konzentriert

Wie man es schafft, 24 Stunden am Stück arbeitsfähig zu sein? „Man muss lernen und üben, mit seinen Kräften zu haushalten“, erklärt Berthold Büter, Leiter des Fachbereichs Feuerwehr der Stadt Ahaus. Sich zwischendurch mal hinzulegen sei zwar erlaubt. Doch: „Ein Feuerwehrmann schläft nicht, er ruht“, sagt Büter. Und wenngleich er grinst, meint er das sehr ernst. Denn jeder Einsatz kommt unvermittelt, von jetzt auf gleich müssen die Feuerwehrleute dann voll konzentriert und fit sein – in wenigen Sekunden. Büter unterstreicht: „Nur schnelle Hilfe ist gute Hilfe.“

Dafür sei ein technisches Verständnis unerlässlich, sagt der 54-Jährige, der die Wache in Ahaus schon seit über 20 Jahren leitet. Feuerwehrleute müssen an der Einsatzstelle mechanische Probleme erkennen, Gefahren richtig einschätzen und mit der feuerwehrtechnischen Ausrüstung richtig umgehen können. Und dazu noch körperlich fit sein. Allein die Schutzausrüstung und das Atemschutzgerät wiegen 25 Kilogramm.

Regelmäßig Joggen und ins Fitnessstudio

Diese Fitness holt sich Jennifer Norgall regelmäßig beim Joggen und beim Gang ins Fitnessstudio. In Dülmen wohnt sie weiterhin – und das bewusst, wie sie sagt. „So treffe ich nicht so schnell auf Bekannte im Einsatz.“ Denn menschliche Tragödien gehören zum Job in der Feuerwehr dazu. Schwere Unfälle mit Verletzten oder Toten, Wohnhäuser, die bis auf die Grundmauern abbrennen – damit müssen die Brandmeister lernen umzugehen. „Es gibt durchaus belastende Ereignisse“, weiß Büter aus Erfahrung. Umso wichtiger sei es, dass man diese gemeinsam mit dem Team verarbeite und an der Dienststelle ein „gutes soziales Gefüge“ habe. „Tabuisieren ist fatal“, sagt Büter. Beim Einsatz muss sich jeder auf jeden verlassen können.

Die Einblicke, die Jennifer Norgall während der Ausbildung erhält, sind vielfältig. Im Oktober vergangenen Jahres hat sie als Anwärterin begonnen, zunächst ging es für die theoretische Ausbildung nach Bocholt an die Feuerwehr- und Rettungsdienstakademie. Derzeit steckt Jennifer Norgall in der Ausbildung zur Rettungssanitäterin, bald geht sie für vier Wochen ans Krankenhaus, die Prüfung hierfür hat sie im Juni. Danach geht es zurück zur Akademie, später dann wieder auf die Wache in Ahaus, bevor die abschließende Laufbahnprüfung ansteht.

100 Bewerbungen auf die letzte Ausschreibung

Seit fast 40 Jahren bildet die Feuerwehr der Stadt Ahaus schon aus, immer abhängig von Stellenplan und Personalbedarf. Die Bewerberlage sei gut, sagt Büter, allein auf die letzte Ausschreibung gab es über 100 Bewerbungen. Frauen sind zwar in dem Beruf noch immer in der Minderheit, doch es werden immer mehr, sagt Büter. „In Bocholt waren wir zwei Frauen von 20 im Kurs“, erzählt Norgall. Für sie ist es unwichtig, ob ihr Geschlecht in dem Beruf nun in der Mehr- oder Minderheit ist. Allein die Motivation, anderen zu helfen, zählt.

In dieser Woche hat Jennifer Norgall ihren ersten 24-Stunden-Dienst. In Dülmen ist sie zwar schon einige Male freiwillig am Wochenende mitgefahren. Doch wie es wirklich ist, als angehende Brandmeisterin über Nacht auf der Wache die Stellung zu halten, lernt sie jetzt.

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