Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Passant ärgert sich über laufenden Motor bei Blitzer

Kreis Borken wollte Messung nicht absagen

Ahaus Ein Auto steht mit laufendem Motor am Straßenrand. Darin sitzt ein Mitarbeiter des Kreises Borken. Er blitzt zu schnell fahrende Autos und will dabei nicht frieren. Der Kreis hat dafür eine Erklärung.

Kreis Borken wollte Messung nicht absagen

Ein Mitarbeiter des Kreises Borken hat beim Blitzen den Motor des Autos laufen lassen. Foto: dpa

„Ich fühle mich einfach als Bürger betrogen“ sagt Dieter Heilen aufgebracht, nachdem er seine Geschichte erzählt hat. Das Erlebnis, das er am Montagmorgen hatte, lässt ihn empört zurück. Wie jeden Morgen ging er mit seinem Hund an der Parallelstraße spazieren. Dort wurde er auf einen grauen Caddy vom Kreis Borken aufmerksam, der mit eingeschaltetem Motor am Straßenrand stand und offenbar zu schnell fahrende Fahrzeuge blitzte. Dieter Heilen setzte seinen Spaziergang zunächst fort, bis er nach einer halben Stunde wieder an dem grauen Caddy vorbeikam. Das Auto lief nach wie vor und stieß seine Abgase in die Luft.

„Drinnen saß ein Mann im Pullover und hatte es offenbar sehr angenehm warm“, erinnert sich Dieter Heilen. „Da habe ich natürlich geklopft.“ Aus dem Fahrzeug sei ihm ein Schwall warmer Luft entgegengekommen, der Fahrer führte offenbar ein Privatgespräch am Handy. „Auf meine Bitte, den Motor abzustellen, hat er mich abgewimmelt und meinte, der Motor müsse laufen, damit die Blitzanlage funktioniert, was ich für Unsinn halte. Ich habe ihm sogar mit einer Anzeige gedroht, aber er hat die Fensterscheibe wieder geschlossen, für ihn war unser Gespräch beendet.“

Blitzanlage braucht nur Strom

Karlheinz Gördes, Pressesprecher des Kreises Borken, stellt klar: Für die Blitzanlage muss der Motor nicht laufen. Sie bekommt den Strom von einem eigenen Akku. Aber: „Die Standheizung des Autos war kaputt.“ Der Kreis stand deswegen vor der Entscheidung, die Verkehrsüberwachung entweder abzusagen oder dem Mitarbeiter zu empfehlen, den Motor laufen zu lassen. „Es war ja eisig kalt, und das kann man dem Mitarbeiter nicht zumuten. Wir haben uns im Interesse der Verkehrssicherheit deswegen dafür entschieden, die Messung durchzuführen und den Motor laufen zu lassen“, sagt Karlheinz Gördes. Gerade weil es in der letzten Zeit so viele schwere Unfälle gegeben habe, habe man die Messungen nicht absagen wollen.

Mehrere Einsätze

Die Standheizung des Autos ist nach seinen Angaben bereits seit Mittwoch der vergangenen Woche kaputt. Seitdem sei der Wagen schon mehrmals im Einsatz gewesen. Eine genaue Zahl der Einsätze kann Karlheinz Gördes nicht nennen. Der Pressesprecher hat auch mit dem Fahrer gesprochen und sagt: „Er hat mir versichert, dass er am Donnerstag und Freitag den Motor nicht hat laufen lassen. Am Montag in Ahaus lief der Motor für 15 Minuten, am Dienstag in Büren zweimal für 15 Minuten.“ Der Wagen sei jetzt in der Werkstatt, die Standheizung werde repariert. So ein Blitzer-Auto steht mehrere Stunden an einer Stelle. Von morgens um 7 bis nachmittags um 15 Uhr sind sie im Einsatz, wechseln aber mehrmals den Ort.

Laut Straßenverkehrsordnung steht auf unnötige Lärm- und Abgasbelästigung ein Bußgeld, selbst das „Warmlaufenlassen“ des Motors bei Kälte ist eine Ordnungswidrigkeit. Dieter Heilen wollte sich das Verhalten des Mitarbeiters in dem Wagen nicht bieten lassen. Er fuhr zur Ahauser Polizeiwache, wollte Anzeige erstatten. Doch die Beamten reagierten beschwichtigend. Dieter Heilens Personalien wurden aufgenommen, er hatte jedoch das Gefühl, dass seine Anzeige nicht ernstgenommen wurde. „Man sagte mir dann, die Beamten würden dort vorbeifahren.“ Diese Reaktion der Polizisten macht ihn wütend. „Das interessiert die anscheinend gar nicht, sobald es ein Fahrzeug vom Kreis Borken ist.“

Diesen Vorwurf weist Polizeisprecher Frank Rentmeister entschieden zurück. „Wir behandeln einen Fall nicht anders, nur weil es sich um ein Fahrzeug einer Behörde handelt“, sagt er. Die Beamten seien laut Einsatzbericht nach dem Hinweis von Dieter Heilen zur Parallelstraße gefahren. „Aber sie haben den Wagen nicht mehr angetroffen.“ Maßnahmen seien deswegen nicht ergriffen worden.

Einzelfallentscheidung

Frank Rentmeister sagt aber auch: „Wenn jemand in einem Auto seine Arbeit verrichten muss und den Motor laufen lässt, um nicht zu frieren, würden wir nie tätig werden.“ Karlheinz Gördes sieht das ähnlich. „Das hat ja einen ganz anderen Hintergrund. Wir haben ja nicht einfach mutwillig den Wagen laufen lassen.“ In diesem Fall sei eine Einzelfallentscheidung getroffen worden, die Regel sei es nicht, dass beim Blitzen der Motor läuft.

Nach der ersten Berichterstattung hat der Kreis erneut eine Stellungnahme an die Redaktion geschickt. Darüber haben wir so berichtet:

Der Kreis Borken und Dieter Heilen schildern die „Blitzer-Begebenheit“ unterschiedlich

Zum Bericht der Münsterland Zeitung über das Blitzer-Fahrzeug, das in Ahaus mit laufendem Motor blitzte, hat der Kreis Borken eine weitere Stellungnahme geschickt. Darin weist Pressesprecher Karlheinz Gördes darauf hin, dass am Montag nicht an der Parallelstraße, sondern an der Van-Delden-Straße geblitzt worden sei. In den knapp drei Einsatzstunden habe das Blitzgerät dort 400 Fahrzeuge erfasst, davon seien 61 zu schnell gefahren.

Außerdem, so der Kreis, habe der Fahrer des Fahrzeugs die Situation anders dargestellt: Als Dieter Heilen klopfte, habe der Mitarbeiter nur durch das geschlossene Fenster mit ihm gesprochen. „Es kann somit überhaupt kein warmer Luftschwall aus dem Fahrzeug gekommen sein“, heißt es vom Kreis. Auf Rückfrage räumt Dieter Heilen ein, dass er sich bezüglich des Standortes des Blitzer-Fahrzeuges geirrt habe. Dies stand offenbar tatsächlich an der Van-Delden-Straße, die später auf die Parallelstraße trifft. Im anderen Fall bleibt er bei seiner Aussage. „Natürlich hat der Mann die Fensterscheibe heruntergefahren. Es ist wirklich ein Ding, dass der Kreis jetzt etwas anderes behauptet. Der Fahrer saß im Pullover im Auto und hat die Scheibe heruntergelassen, um mit mir zu sprechen.“ Die Aussagen des Kreises und der Polizei hält Dieter Heilen für reine Schutzbehauptungen: „Wenn der Wagen am Mittwoch kaputt war, hätte er am Donnerstag in die Werkstatt gemusst und nichts anderes.“

Anzeige
Anzeige