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Landgericht

Messerstiche wegen einer Fotomontage

Ahaus Wegen gefährlicher Körperverletzung steht ein 25-jähriger Ahauser vor Gericht. Er soll mit einem Messer auf einen früheren Freund eingestochen haben. Auslöser des Streits war eine Whatsapp-Nachricht.

Messerstiche wegen einer Fotomontage

Das Landgericht in Münster. Foto: picture alliance / Friso Gentsch

Es ist die Geschichte einer zerbrochenen Freundschaft und einer Whatsapp-Nachricht, die einen 27-jährigen Gronauer in die Notaufnahme brachte und den 25-jährigen Angeklagten aus Ahaus in die JVA. Mit Pfefferspray und fünf Messerstichen soll der Angeklagte den Geschädigten verletzt haben und muss sich daher nun wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Im Saal 14 des Landgerichts Münster sehen sie sich erstmals wieder — und würdigen sich keines Blickes. Zur Sache will der Angeklagte sich nicht äußern. So ist es am mutmaßlichen Opfer, seine Version der Geschichte zu erzählen.

Im August habe der Angeklagte ihn zu Hause, damals noch in Ahaus, aufgesucht. „Der war sehr aggressiv und hat sich direkt vor mir aufgebaut“, so der 27-Jährige. Er selbst habe die Situation vor der Tür beschwichtigen wollen. Plötzlich habe sein Kontrahent ihm Pfefferspray ins Gesicht gesprüht. Beim ersten Blinzeln habe er ein Springmesser in der Hand des Angeklagten erkannt. Schließlich habe der ihm noch mehrmals auf den Kopf gehauen. Nachdem der Geschädigte sich in seine Wohnung retten konnte, habe er festgestellt, dass er stark blutete. „Die Einstiche habe ich im Schock gar nicht gemerkt.“

Stiche verfehlten das Herz

Daraufhin habe er beim Nachbarn Sturm geklingelt und von dort aus selbst den Notruf gewählt. Mit dem Helikopter ging es in die Klinik, wo er notärztlich versorgt wurde. Fünf Einstiche, bis zu vier Zentimeter tief, wurden dort festgestellt. Blut hatte sich im Brustkorb gesammelt. Dennoch hatte er Glück. Denn laut Akte verfehlten zwei Stiche in die linke Brust Herz und Lunge nur knapp.

Doch wie konnte es so weit kommen? Früher hätten die beiden im gemeinsamen Freundeskreis viel zusammen unternommen, so der Nebenkläger. „Viel Blödsinn“, räumt er ein. Deshalb sei jeder aus der Gruppe vorbestraft. Körperverletzung, Diebstahl und Sachbeschädigung lauten die Delikte im Fall des Angeklagten. Doch im Laufe der Jahre hätten die Kumpels sich gefangen, hätten inzwischen feste Jobs und stabile Verhältnisse — alle bis auf den Angeklagten. Der hatte die Hauptschule nach der neunten Klasse abgebrochen und eine Lehre als Konstruktionstechniker begonnen, die er ebenfalls abbrach. Zeitarbeit und häufig wechselnde, prekäre Beschäftigungen hatte er seitdem. „Irgendwann wollte er nichts mehr mit uns zu tun haben“, sagt der Zeuge. Der Angeklagte habe die Gruppe für sein Leben verantwortlich gemacht. Die gemeinsame Whatsapp-Gruppe verließ er.

Die Wege kreuzten sich wieder, diesmal als Arbeitskollegen in einer Ahauser Kunststofffirma. Der gelernte Schlosser sollte den Angeklagten in gemeinsamen Nachtschichten anlernen.

Provokante Fotomontage

„Ich hatte aber den Eindruck, dass er sich von mir nichts sagen lassen wollte.“ Als der Freundeskreis von dem neuen Kollegen erfuhr, habe er zum Beweis ein Foto gemacht und in die Whatsapp-Gruppe gestellt, so der Gronauer. Ein Freund habe dann eine Fotomontage erstellt und herumgeschickt. Diese zeigt den angeklagten Ahauser hinter dem Tresen einer Fastfood-Kette. Daraufhin habe der Angeklagte vor der Tür gestanden.

Der Richter fragt, ob sich die Gruppe oft über den Angeklagten lustig gemacht habe. „Ja klar“, entgegnet der Zeuge. Der habe schließlich viele Vorlagen dafür gegeben. Auch sei er immer wieder wegen Kleinigkeiten aggressiv geworden. Regungslos verfolgt der Angeklagte die Befragung. Bei der Vernehmung durch die Polizei hatte er noch behauptet, der Kläger habe sich mit dem Messer selbst verletzt, was er mit dem Pfefferspray habe verhindern wollen. Als alle aufstehen, um das Foto anzuschauen, bleibt er sitzen.

Gut möglich, dass er demnächst noch länger sitzt. Auch eine Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung zieht das Gericht in Erwägung. In eine solche hatte sich der Angeklagte bereits 2014 begeben. Dort hatte er angegeben, niemandem trauen zu können, da er von den Illuminaten beobachtet werde.

Ahaus/Münster Es wird keine Revision geben nach dem Urteil gegen einen 28-jährigen Nigerianer wegen Totschlags in Ahaus. Die Staatsanwaltschaft ist nach langer Prüfung zu diesem Schluss gekommen. Der Asylbewerber hatte im Februar 2017 eine Studentin auf offener Straße erstochen.mehr...

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