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Wüste statt Weihnachtsbaum

Mit altem Feuerwehrwagen nach Afrika

Ahaus Markus Stockheim und Alexander Klümpers starten Weihnachten Richtung Afrika. Das alte Feuerwehrauto, mit dem sie unterwegs sind, werden sie nicht wieder zurückbringen.

Mit altem Feuerwehrwagen nach Afrika

Abenteuerlustig: Alex Klümpers (links) und Markus Stockheim (Mitte) brechen Heiligabend mit dem alten Feuerwehrwagen nach Mauretanien auf. Mit Hans-Jürgen Robers (rechts) haben sie sich einen regionalen Sponsor für die Charity-Tour gesucht. Foto: Susanne Menzel

Bei den „Ottensteiner Sandkastenfreunden“ Markus Stockheim und Alexander (Alex) Klümpers werden am Heiligabend weder Kerzen brennen noch wird es ein festliches Beisammensein geben. Die beiden 35-Jährigen machen sich nicht nur sprichwörtlich „aus dem Staub“, sondern steuern auch in den selbigen hinein: „Wir erfüllen uns einen Jugendtraum.“ Sie starten am 23. Dezember für einen guten Zweck mit einem 17 Jahre alten Feuerwehrauto die rund 6000 Kilometer lange Strecke bis nach Nuakschott in Mauretanien.

Vor rund zehn Jahren wurde die Idee zu dieser Aktion geboren, erinnert sich Alex Klümpers: „Ich habe damals eine Reportage über die Mauretanien-Hilfe gesehen. Inspiriert von der Rallye Paris-Dakar wurde 2006 das Dust and Diesel-Projekt ins Leben gerufen, durch das der Würzburger Florian Schmidt Waisenhäuser in Mauretanien finanziell unterstützen will.“ Die PKW-Amateurrallye führt von Deutschland aus über verschiedene Routen in den Wüstenstaat, wo die Fahrzeuge dann zugunsten der Waisenhäuser verkauft werden.

Eingespieltes Team

„Eine Aktion, bei der uns das Mitmachen einfach gereizt hat“, sagt Markus Stockheim. Und zwar im Team: „Wir beiden kennen uns von klein auf. Dieses Abenteuer ist genau auf uns zugeschnitten. Lange hatten wir durch Studium und Ausbildung für solch einen Einsatz zwar Zeit, aber kein Geld. Jetzt haben wir etwas Geld – und nehmen uns einfach die Zeit.“

Lange haben sie nach einem geeigneten Fahrzeug gesucht – und sind bei einer Auktion des Kreises Borken vor gut einem Jahr fündig geworden: Der ausrangierte Feuerwehr-Mercedes, Baujahr 2000, konnte für gut 550 Euro ersteigert werden. Nach langem „Dornröschenschlaf“ wurde er in einer Scheune in den letzten Monaten „Afrika-tauglich“ umgebaut. „Und da gab es einiges zu tun“, gibt Alex Klümpers zu. Viel handwerklicher, aber auch finanzieller Einsatz waren erforderlich. „Gut 1500 Euro stehen für die Umbauten des Autos auf der Uhr“, sagt Markus Stockheim. „So manche Stelle musste da ausgebessert werden.“

Schweißarbeiten

Schweißarbeiten waren ebenfalls dringend notwendig: „Man muss für den Fall der Fälle vorbeugen. In der Wüste gibt es nicht gleich an der nächsten Ecke eine Werkstatt. Und wenn man beispielsweise in Marokko mit dem Wagen liegen bleibt, sind sofort saftige 5000 Euro Strafe fällig“, haben die Abenteurer in Erfahrung gebracht. Aber auch für diese Eventualität sind sie gewappnet: „Wir haben vorbereitete Zettel, die wir bei einer Polizeikontrolle abgeben können. Da stehen dann Name, Herkunft, Beruf und Angaben zum Auto drauf.“

Ohnehin glichen die Vorbereitungen für diese Tour einer generalstabsmäßigen Planung. Neben einem Satz Autoreifen mussten noch ein Profizelt, ein Wanderrucksack, Schlafsäcke, Kochgeschirr und (ganz wichtig!) Durchfalltabletten mit ins Gepäck. Mehrfach wurde zur Probe gepackt. „Wir starten ja von den Jahreszeiten her im Winter und landen Mitte Januar dort im Sommer.“

TÜV sorgt für Spannung

Neben der „inzwischen immer stärker werdenden Aufregung, dass es jetzt endlich losgeht“, hat auch der TÜV vor Kurzem noch einmal für „Spannung“ gesorgt. „Er fand unsere Reparaturarbeit am Auto nicht so toll und wollte den Wagen in diesem Zustand nicht abnehmen. Da mussten wir in den letzten Minuten noch einmal nachbessern.“ Auch die Zulassungsbescheinigung für das ehemalige Feuerwehrauto war nicht einfach zu bekommen. Markus Stockheim: „Man darf ein öffentliches Fahrzeug nicht mal eben als Privatwagen anmelden. Beispielsweise muss auf öffentlichen Straßen das Blaulicht abgedeckt werden.“ Abmontieren wollten die beiden den Alarm auf dem Dach aber nicht – es wird jetzt abgeklebt: „Das Blaulicht kann uns bei der Versteigerung einiges an zusätzlichem Geld bringen. Die Farbe Rot ist nämlich in Mauretanien nicht ganz so beliebt. Das Manko aber können Blaulicht und Klimaanlage wieder wettmachen.“ Mit 850 Euro wollen Markus Stockheim und Alex Klümpers bei den Verkaufsverhandlungen einsteigen: „Mal sehen, wo wir schlussendlich landen“, hoffen sie aber auf einen guten Preis.

Damit sie die Kosten für Sprit, Aufenthalte und Rückflug nicht ganz allein schultern müssen, haben sich die Fahrer mit Hans-Jürgen Robers einen Sponsor gesucht. „So etwas machen wir gerne“, sagt der Geschäftsführer der Schuhhaus-Kette. „Wir unterstützen auch ein Kinderheim in Weißrussland sowie eine Ordensschwester in Ghana.“

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