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Ahauser wegen sexueller Nötigung verurteilt

Nötigung per Dating-App

Ahaus Ein 24-jähriger Ahauser und eine 28-jährige Münsteranerin tauschten per Chat intime Details aus. Als er immer mehr forderte, blockte sie jedoch ab. Dann begannen die Drohungen und der versuchte sexuelle Übergriff.

Nötigung per Dating-App

Ein Ahauser musste sich wegen sexueller Nötigung vor Gericht verantworten. Foto: picture alliance / Franziska Kra

Uns Robenträgern ist ja nichts Menschliches mehr fremd, aber diese Geschichte hat mich ehrlich vom Hocker gehauen“, sprach der Strafverteidiger vor dem Amtsgericht das aus, was alle im Saal dachten. Doch der Reihe nach.

Kurz vor Weihnachten 2017 lernen sich Timo und Anna (Namen geändert) über eine Dating-App kennen. Dass Timo eine Freundin hat, verschweigt er. Bereits nach wenigen Sätzen fordert er Anna auf, ein Spiel mit ihm zu spielen. „Erfülle acht Aufgaben und du hast drei Wünsche frei“, lautet sein Angebot. Als Anna zögert, baut Timo immer größeren Druck auf. Er droht, den Kontakt bei einer negativen Antwort sofort abzubrechen. Also willigt Anna mit dem Zusatz ein, „bei Nacktbildern raus“ zu sein.

Freizügige Bilder verschickt

Seine erste Aufgabe: „Schick mir drei Bilder, die du nicht jedem Kerl schicken würdest.“ Also schickt Anna ihm drei Bilder in Unterwäsche. „Sag mir, mit wie vielen Männern du geschlafen hast“, lautet die zweite Aufforderung. Anna zögert erneut. Also beginnt Timo Drohungen auszusprechen: „Ich mach das hier nicht zum Spaß.“ Anna nennt ihm die Zahl. 51 verschiedene Männer, ein paar Frauen sollen es gewesen sein. Timo gibt sich geschockt. Anna bekommt ein schlechtes Gewissen. Nun ist sie es, die Timo dazu auffordert, ihr weitere Aufgaben zu stellen. Obwohl sie sagt, dass sie ihm die „intimen Details lieber live zeigen möchte“, starten die beiden irgendwann einen Videochat. Anna masturbiert dabei vor der Kamera. Er kann sie sehen, sie ihn jedoch nicht. Er hat das Licht in seinem Zimmer ausgeschaltet.

Am Tag vor Heiligabend wollen sich die beiden eigentlich treffen. Doch dazu kommt es nie, weil Timo sie versetzt. Erst am 26. Dezember meldet er sich kurz vor Mitternacht bei Anna. Angetrunken, wie er sagt. Doch Anna hat offenbar dazu gelernt. Sie sagt ihm mehrfach, dass sie sich nicht noch einmal vor der Kamera ausziehen werde. Während eines Telefonats beginnen dann die Drohungen. Mehrfach wiederholt Timo, dass er das „ganze Material“ ins Internet stellen werde, wenn sie sich nicht vor laufender Kamera anfasse.

Täter gibt Langeweile als Motiv an

Als Anna standhaft bleibt, bricht er jeden Kontakt zu ihr ab. Für sie beginnt die Zeit der Angst. Am nächsten Morgen schickt sie eine panische Nachricht per Whatsapp: „Zerstör bitte nicht mein Leben. Mein Beruf ist das Einzige seit Langem, was mir Halt gibt. Das würde meine Familie zerstören. Ich will so nicht leben.“ Auf eine Antwort wartet Anna vergeblich. Sie sieht nur noch einen Ausweg: den Gang zur Polizei.

Vor Gericht war der 24-Jährige geständig. Doch das reichte dem Richter nicht, denn bei der Analyse des Smartphones stellte die Polizei fest, dass er gleich mit acht Frauen gleichzeitig auf ähnliche Weise kommuniziert hatte. „Warum verarschen Sie die Frauen so?“, fragte der Richter mit sichtlichem Unverständnis. Die Antwort: „Wahrscheinlich aus purer Langeweile.“ Der Richter entschied, dass es sich bei dem versuchten sexuellen Übergriff nicht um einen minder schweren Fall handelte und verurteilte den 24-Jährigen zu 90 Tagessätzen zu je 70 Euro.

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