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Ottensteiner Lederschuh überstand Jahrhunderte

500 bis 700 Jahre alter Schuh in Ottenstein gefunden

Der bei einer Grabung in der Burgstraße in Ottenstein gefundene Lederschuh stammt aus der Zeit zwischen 1300 und 1500. Der LWL weiß mehr über das Exponat.

Ottenstein

von Christian Boedding

, 11.06.2018
Ottensteiner Lederschuh überstand Jahrhunderte

Der bei einer Grabung in der Burgstraße gefundene Lederschuh © LWL

Ob die mittelalterlichen Ottensteiner auf großem Fuß lebten, darüber können wir heute nur Vermutungen anstellen. Archäologen sind sich aber sicher: Die Schuhmode der Ottensteiner war für damalige Verhältnisse ungewöhnlich.

Bereits im Dezember 2016 wurden bei Bauarbeiten in der Burgstraße mehrere Überreste bürgerlicher Bebauung gefunden. Es folgte eine archäologische Grabung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). Zutage traten unter anderem ein Eisenbeil samt Resten des hölzernen Schaftes, Siegburger Steinzeug des 14. und 15. Jahrhunderts und auffällig viele Unterkieferknochen und Hornzapfen von Rindern, was – mit aller Vorsicht – auf eine Gerberei an dieser Stelle schließen lassen könne. So ganz genau wissen die Experten des LWL das noch nicht, die wissenschaftliche Auswertung läuft immer noch.

Einzigartiger Fund für die Region Westfalen

Dafür gibt es von den Archäologen des LWL auf Anfrage der Münsterland Zeitung Bemerkenswertes zu einem ledernen Artefakt aus der Ottensteiner Baugrube zu berichten. Bei dem Exponat handelt es sich um einen linken, halbhohen bis hohen Lederschuh mit zehn Ösenpaaren und seitlichem Schnürverschluss. Das Exemplar ist wendegenäht mit Randstreifen zwischen Sohle und Oberleder, die zum großen Teil noch vorhanden sind.

„Vermutlich wurde der Schuh mit einem Sohlenflicken geflickt“, berichtet Nils Wolpert von der Pressestelle des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe. Der Schuh in Größe 37 datiert aus der Zeit zwischen 1300 und 1500. „Aus Westfalen ist bislang kein weiterer derartiger Schuh bekannt.“ Allerdings sei diese Schuhform in anderen Regionen schon gefunden worden. Nils Wolpert: „Wir kennen diese Schuhe zum Beispiel aus Konstanz am Bodensee.“

Einige Besonderheiten am Schuh entdeckt

Die Besonderheit des Ottensteiner Fundes ist die seitliche Schnürung und der Umstand, dass er relativ hoch ist. Über wie viele Schuh-Exponate aus der Zeit zwischen 1300 und 1500 der LWL verfügt, vermag Nils Wolpert nicht zu sagen. „Grundsätzlich sind Schuhe und Schuhteile aus dem Mittelalter und der frühen Neuzeit bei günstiger Bodenbeschaffenheit keine Seltenheit bei Ausgrabungen.“

Schuhe seien aber selten so vollständig erhalten wie das Ottensteiner Exemplar. „Häufig finden sich nur Fragmente.“ Ausgestellt wird der Schuh aus Ottenstein zurzeit nicht. „Er ist aber im Fundarchiv in einer Schauvitrine zu sehen.“ Ob es sich beim Fundstück um einen Männerschuh handelt? „Vermutlich ja“, antwortet Nils Wolpert. „Leder kann jedoch auch im Boden oder im Zuge der Konservierung leicht schrumpfen. Die Angabe der Schuhgröße ist daher als Minimalgröße zu sehen.“ Vermutlich war der Träger viel unterwegs. Die Schuhsohle ist an einigen Stellen komplett durchgelaufen und die Fersenpartie war mit einer Fersenkappe verstärkt.