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Wechsel nach drei Jahrzehnten

Rückzug aus Chefbüro

Ahaus Andreas Frenker-Hackfort zieht sich als Chef zurück und gibt sein Autohaus weiter. Nach fast 33 Jahren im Geschäft hat er eine Menge zu erzählen.

Rückzug aus Chefbüro

Für kleine Spritztouren mit ihrem Liebhaberstück, einem Mercedes 190 SL Coupe, werden Alwine und Andreas Frenker-Hackfort künftig wohl wieder mehr Zeit haben, denn sie übergeben zum Jahresende ihre Firma an Andreas Drop und Marcel Rennar.Foto Monika Haget Foto: Monika Haget

Für Pendler auf der B70 ist das Autohaus Frenker-Hackfort nicht zu übersehen. Seit Oktober 2004 befindet es sich an diesem Standort im Gewerbegebiet Brinker Esch. Gegründet hatte es Andreas Frenker-Hackfort schon 19 Jahre zuvor am Bocholder Esch. Nach nunmehr fast 33 Jahren zieht er sich zum Jahresende aus dem Unternehmen zurück und übergibt die Firma an seine langjährigen Mitarbeiter Andreas Drop und Marcel Rennar. Sie werden das Autohaus gemeinschaftlich weiterführen.

Nach seiner Ausbildung als Landmaschinenmechaniker hängte Frenker-Hackfort noch eine Lehre zum Kfz-Schlosser an. In beiden Berufen erwarb er den Meistertitel. Der Gedanke an die Selbstständigkeit packte ihn von Anfang an. Nachdem er von einem Unternehmensberater Zahlen hörte, die er erreichen müsse, um betrieblich überleben zu können, sei er aber erst einmal geschockt gewesen, sagt er. Ein halbes Jahr verging: Dann wagte es Frenker-Hackfort doch. Mit einer Reparaturwerkstatt startete er. Hilfreich zur Seite stand ihm seine Frau Alwine, die sich um die Büroarbeit kümmerte. Die Firma wuchs und expandierte, nahm den Fahrzeughandel mit auf – und irgendwann war schlicht kein Platz mehr auf dem Grundstück.

Zahlen schockierten

Wieder ließ der Alstätter einen Unternehmensberater kommen, wieder schockierten ihn die Zahlen, die dieser nannte, wieder verging ein halbes Jahr. Dann griff er zu. Der neue Standort lockte unter anderem mit einer viel besseren Verkehrsanbindung. „Am Bocholder Esch lagen wir sehr versteckt“, sagt Alwine Frenker-Hackfort. Daher hätten sie sich als eine der Ersten im Kreisgebiet die Möglichkeiten des Internets zu Nutze gemacht. „Damals war ich fast jedes Wochenende unterwegs, um Autos einzukaufen“, sagt der Kfz-Meister. „Mit Hilfe des Internets ist es wesentlich einfacher geworden, und heute ist die Lage längst nicht mehr so entscheidend.“ Jetzt würden sogar Alstätter, die ein Fahrzeug im Internet gesucht hätten, feststellen, dass der Händler direkt vor ihrer Nase wohnt.

Im Oktober 2004 war es dann soweit, die Eröffnung des neuen Autohauses stand bevor. So ganz reibungslos verlief der Umzug jedoch nicht. Zunächst kippte die nagelneue Waschanlage von der Schiene und wurde erheblich beschädigt. Dann fiel auch noch das Handy des Firmenchefs in den Abflussgraben der Waschanlage. „Alle Nummern waren weg“, erinnert dieser sich, „und das acht Tage, bevor wir hier einen Festnetzanschluss bekamen.“ Anekdoten, die im Gedächtnis bleiben. Wie auch die 33 Jahre unvergesslich bleiben. Neun Lehrlinge haben in der Zeit ihre Ausbildung dort absolviert, allen wurde eine Weiterbeschäftigung angeboten.

Viele noch heute dabei

Georg Kruthoff war der erste unter ihnen. „Am Tag nach der Prüfung ist er einfach wiedergekommen und hat weiter gearbeitet“, sagt Alwine Frenker-Hackfort und schmunzelt. „Damals war das selbstverständlich. Da wurden die Verträge noch mündlich geschlossen.“ Kruthoff ist noch heute dabei, genau wie einige andere, die ebenfalls seit vielen Jahren im Betrieb sind. „Alle haben immer so gearbeitet, dass es für uns als Firma gut ist“, sagt Alwine Frenker-Hackfort dankbar.

Mit dem Gedanken, die Leitung abzugeben, trägt der Firmengründer sich seit eineinhalb Jahren. „Ich bin jetzt 58 Jahre, das ist der beste Zeitpunkt, den Übergang zu schaffen“, ist er sich sicher. Die beiden Töchter hätten andere berufliche Wege eingeschlagen, daher habe er gezielt seine Mitarbeiter angesprochen. „Und dann ging es schneller, als ich erwartet hatte“, sagt er. Der Bürokaufmann Marcel Rennar aus Südlohn und der Alstätter Andreas Drop, Kfz-Meister, haben beide ihre Ausbildung in der Firma gemacht und sind seit 13 beziehungsweise 14 Jahren dort beschäftigt.

„Es war ein sehr emotionaler Moment für mich, als die beiden mir sagten, sie wollten das Geschäft übernehmen. Da wusste ich, es geht weiter – und zwar gut“, freut sich Andreas Frenker-Hackfort. Seit einem Jahr steht nun die Entscheidung, in der Zeit hätten beide vieles hinterfragt und bereits neue Ideen entwickelt, sagt er. „Es war ein schönes Jahr, ich habe es sehr positiv gesehen.“

Weiter mitarbeiten

Der Name bleibt bestehen, und auch die Eheleute werden weiterhin in dem Autohaus mitarbeiten. Das sei von der neuen Firmenleitung ausdrücklich erwünscht, sagen sie. Aber die Eheleute räumen das Chefbüro, das sei selbstverständlich. „Die Firma ist so etwas wie mein eigener Verein“, sagt Andreas Frenker-Hackfort. „Ich gebe zwar den Vorsitz ab, hoffe aber, dass ich noch lange Mitglied bleiben kann.“

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