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Stahl und Beton gegen Terror

Schutzummantelung am Ahauser BZA

Die Schutzmauer um das Brennelemente-Zwischenlager wächst. Zuwachs soll es auch bei der Einlagerung geben: mit Atommüll aus Berlin.

Ahaus

von Christian Boedding

, 06.06.2018
Stahl und Beton gegen Terror

Jede Menge Stahl: Bis Herbst 2019 baut eine Firma aus Nordhorn eine Schutzmauer um das Zwischenlager.(2) bödding © FOTO: Christian Boedding

Zehn Meter in die Tiefe, zehn Meter in die Höhe, 500 Meter lang, einen Meter dick. Die Ausmaße der Betonschutzmauer um das Brennelemente-Zwischenlager (BZA) sind gewaltig. Michael Rys (Projektleiter Schutzwand) und Klaus Sparr (Bauüberwacher) sehen tagtäglich das Bauwerk wachsen. „Das passt schon. Die Arbeiten kommen gut voran“, sagt Michael Rys am Mittwochvormittag beim Gang über die Baustelle.

5000 Kubikmeter Beton fließen in die Wand, 2500 Kubikmeter in das Fundament. Letzteres ist bis auf wenige Meter fertig. „Die Wand haben wir zu 30 Prozent gegossen“, nennt Michael Rys weitere Daten. 363 Pfahlgründungen sind Teil des Fundaments. Die Pfähle wurden zwischen zehn und zwölf Meter in die Tiefe getrieben, um die Last zu tragen. An die 20 Mitarbeiter der Firma Beton- und Monierbau aus Nordhorn werkeln jeden Tag auf der Baustelle. Sie ziehen die Bewehrung hoch, errichten die Spundwände und die Schalung für die Mauer.

Schutz vor Angriffen

Die Mauer wird in jeweils 50 Meter langen Segmenten gegossen. „Herbst 2019“, antwortet Michael Rys auf die Frage, wann die Schutzmauer fertig ist, inklusive Verklinkerung. Seit dem Frühjahr 2017 laufen die Arbeiten. Die Mauer dient als Schutz vor terroristischen Angriffen und soll ein gewaltsames Eindringen ins Zwischenlager erschweren. Nicht nur der Mauerbau geht voran, auch die Diskussion um geplante Zwischenlagerungen hat in den vergangenen Wochen Fahrt aufgenommen. Kommt Atommüll aus Jülich, München-Garching und Gorleben nach Ahaus?

Burghard Rosen, Leiter Unternehmenskommunikation der Gesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ), hat darauf am Mittwoch keine Antwort. Für die Genehmigung der Transporte seien Behörden verantwortlich. Die BGZ sei für die Einlagerung zuständig. Sollten Brennelemente aus Jülich nach Ahaus transportiert werden, sind die vom Bundesumweltministerium verschärften Auflagen zu erfüllen. Die Atomtransporte müssen gegen terroristische Angriffe geschützt sein.

Hohe Kosten

Laut Rudolf Printz von der Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen kostet die Transport-Nachrüstung dreimal so viel wie die Zugmaschine selbst – die größte, die für deutsche Straßen zugelassen ist. Zusammen mit dem Anhänger, auf dem die Castoren transportiert werden, wird das Gespann Überlänge und Überbreite haben. In welcher Form auch immer Atommüll-Transporte ins Münsterland rollen, Burghard Rosen relativiert: „Ahaus trägt nicht die Hauptlast der Entsorgung. In Deutschland gibt es über ein Dutzend Zwischenlagerstätten.“

Atommüll aus Berlin soll nach Ahaus Ganz frisch hat BGZ-Pressesprecher Burghard Rosen die Information parat, dass seit Anfang dieser Woche eine Absichtserklärung des Berliner Helmholtz-Zentrums vorliegt. Dort wird Ende 2019 der Experimentierreaktor BER II stillgelegt. Die derzeit noch für die Erzeugung von Neutronen genutzten Brennelemente – niedrig angereichertes Uran – sollen nach einer mehrjährigen Abklingzeit ins Zwischenlager Ahaus gebracht werden. „Das passiert nicht vor 2023“, sagt Burghard Rosen. Zur Aufbewahrung bedarf es einer Genehmigung durch das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit nach dem Atomgesetz. „Das Verfahren kann Jahre dauern.“ Noch länger liegen die Pläne des Helmholtz-Zentrums zurück, seine Brennelemente in Ahaus zu lagern. Der Antrag stammt aus dem Jahr 1995 und wurde 2004 einstweilig zurückgestellt. Die BGZ selbst wird jetzt ebenfalls Genehmigungsanträge für die Einlagerung in Ahaus stellen. Auf welchem Weg die Brennelemente aus Berlin in drei Castor-Behältern nach Ahaus gelangen, ist noch offen. Nicht zuletzt, „weil beim Transport Szenarien zu berücksichtigen sind, die vor einigen Jahren noch gar nicht denkbar waren“, sagt Burghard Rosen. Gemeint sind terroristische Angriffe.