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Einrichtung stark gefragt:

Wenn Männer nicht mehr wissen, wohin

Ahaus Im „Haus für Männer in Not“ an der Marienstraße finden Obdachlose vorübergehend eine Unterkunft. Pfarrer Heinrich Plaßmann führt Gespräche mit jedem, der hier unterkommen möchte und gibt einen Einblick in die Schicksale der Männer.

Wenn Männer nicht mehr wissen, wohin

Das „Haus für Männer in Not“ (Haus Abraham) an der Marienstraße 3 bietet Obdachlosen eine Unterkunft. Das Foto zeigt einen der Bewohner im Gemeinschaftsraum. Foto: FOTO: Christian Boedding

Wohnen gehört zu den menschlichen Grundbedürfnissen. Kein Dach überm Kopf zu haben, das möchten sich viele erst gar nicht vorstellen. Schon gar nicht im Winter.

So mancher Obdachlose kann bei Bekannten unterschlüpfen, findet eine Unterkunft in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe, in städtischen oder kirchlichen Notunterkünften. Zu Letzteren zählt in Ahaus das von der katholischen Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt unterstützte „Haus Abraham“ an der Marienstraße 3. Dort bietet der Verein „Haus für Männer in Not“ Platz für vier Bewohner.

Das Haus Abraham war von 2001 bis Anfang 2017 an der Kreuzstraße. Im März erfolgte der Umzug in die Kaplanwohnung in der Kaplanei an der Marienstraße. Fast 160 Männer fanden in diesen 16 Jahren im Haus Abraham eine vorübergehende Bleibe. „Besonders viele Aufnahmen gab es 2011 mit 17 Männern und 2012 mit 24 Männern“, berichtet Pfarrer Heinrich Plaßmann am Mittwoch im Gespräch mit der Münsterland Zeitung. Pfarrer Plaßmann ist der Vorsitzende des Vereins und führt mit jedem Bewerber für einen Wohnplatz ein Aufnahmegespräch.

Schicksale

Vor Pfarrer Plaßmann sitzen dann Männer mit den verschiedensten Schicksalen. Männer aus Ahaus ebenso wie Männer aus dem Ruhrgebiet oder den neuen Bundesländern. „Man bekommt ein Gespür dafür, wie schnell man auf der Straße landen kann“, sagt Pfarrer Plaßmann über diese Gespräche.

Mal sitzen Alleinstehende mittleren Alters vor ihm, die nach einem Wohnungsbrand auf der Straße stehen. Mal sind es 18-Jährige, die es nach Stress mit den Eltern Zuhause nicht mehr aushalten. Weitere Gründe für Wohnungslosigkeit: familiäre Konflikte wie Scheidung, Zwangsräumung nach Mietrückständen, auch im Zusammenspiel mit Jobverlust. Ganz hart wird es, wenn Pfarrer Plaßmann aus dem Krankenhaus heraus angerufen wird, weil dem Patienten Obdachlosigkeit droht. Fast alle, die sich beim Pfarrer melden, schildern ihm das gleiche Problem. „Sie finden keinen bezahlbaren Wohnraum.“ Ahaus sei beileibe keine Großstadt. „Aber die Mietpreise sind das immer wiederkehrende Thema.“

In diesem Jahr fragten bei Pfarrer Plaßmann bislang zehn Männer nach einem Platz im Haus Abraham. Zuletzt klingelte am Montag ein junger Mann beim Pfarrer an. „Er hatte zu Hause Ärger.“ Allen zehn musste der Geistliche absagen. Die Kapazitäten sind begrenzt. Alle vier Plätze sind belegt. Dabei sind es zunehmend Jüngere, die eine Unterkunft benötigen. „Sie haben Schwierigkeiten, ins Leben zu kommen. Manche tun sich schwer damit.“ Das fange schon damit an, seinen Tag zu strukturieren. „Tagsüber wach sein, nachts schlafen“, das müssen viele erst lernen. „Mancher erkennt erst nach und nach, wo er wirklich Hilfe nötig hat.“ Wöchentliche Gespräche mit dem Pfarrer sollen den Bewohnern helfen, Perspektiven zu entwickeln und ihr Leben neu zu sortieren. Drei der vier aktuellen Bewohner gehen tagsüber einer Arbeit nach. Die durchschnittliche Verweildauer im Haus liegt bei etwa einem Jahr.

Gemeinschaft auf Zeit

Das Leben im Haus Abraham ist in dieser Zeit auf Gemeinschaft ausgelegt. Es gibt gemeinsame Mahlzeiten und gemeinsame Sorge für das Haus. Jeder Bewohner ist für die Sauberkeit seines eigenen Zimmers und des Sanitärbereichs verantwortlich. Die Bewohner werden von Fachkräften des Ambulant Betreuten Wohnens begleitet. Eine Hauswirtschafterin unterstützt die Männer an fünf Tagen die Woche. Knapp über 500 Euro monatlich kostet ein Platz im Haus Abraham. Doch es gibt auch Menschen, die gezwungenermaßen von Tag zu Tag denken müssen: die klassischen „Landstreicher“, Langzeitobdachlose auf der Durchreise. Die Ahauser Stadtverwaltung zahlte in diesem Jahr an diese Personen bislang 102 Mal den laut Gesetz zustehenden Tages- oder Wochenendsatz aus. Der Tagessatz liegt aktuell bei 13,63 Euro, der Wochenendsatz (Freitag-Sonntag) bei 48,89 Euro.

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