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An den Schulen herrscht der Montagshunger

An den Schulen herrscht der Montagshunger

Dorf Rauxel Das Wort vom "Montagshunger" macht die Runde. Es meint Kinder, die nach dem Wochenende gerne in die Ganztagsschule kommen, weil sie dort mittags wieder ein warmes Essen erhalten. Zuhause gibt es für sie so etwas nicht. Die Armut von Kindern auch in Castrop-Rauxel ist schockierend. Leider wurde dies auch bei der x-ten Veranstaltung zu dem Thema am Mittwochabend nur beschrieben und bejammert - diesmal im Gemeindezentrum Heilig Kreuz.

Während die Podiumsdiskussion, zu der der Kolping-Bezirksverband und das Soziale Forum eingeladen hatten, nicht zu konkreten Projekt-Ideen führte, haben die Kolpingsfamilien die tatkräftige Hilfe im Blick. "Wir möchten nicht nur über Kinderarmut reden, sondern auch etwas unternehmen", versprach Martin Denter (Foto) vom Bezirksverband nach der mit 60 Teilnehmern sehr gut besuchten Runde. Geprüft werde derzeit, ob die Kinder der Wilhelmschule künftig zur Förderung einer gesunden Ernährung täglich mit frischem Obst und Gemüse versorgt werden können.

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8200 Menschen leben in Castrop-Rauxel von Hartz IV. Darunter sind rund 2000 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren. Schnell geraten diese Kinder, wie Silvia Engemann (Foto) als Sozialarbeiterin der Caritas darstellte, in eine Abseitsposition. Aus Geldmangel kommt für sie die Mitgliedschaft in einem Sportverein nicht in Frage, sie sind von vielen Freizeitaktivitäten ausgeschlossen und gehen auch nicht auf Kindergeburtstage, weil sie kein Geschenk mitbringen können. "Kinder, die in Armut aufwachsen, sind in vielerlei Hinsicht eingeschränkt", machte Engemann klar.

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Sozialdezernentin Petra Glöß verwies auf "erschreckende" Ergebnisse einer Studie, die kreisweit mit Eltern von 9-jährigen Kindern vorgenommen wurde. "Es ist herausgekommen, dass nur 50 Prozent der Väter von Drittklässlern noch in dem Beruf arbeiten, den sie erlernt haben, dass 17 Prozent der türkischen Väter und dass 20 Prozent der Väter anderer Nationalität arbeitslos sind", so Glöß.

Zur Ärmlichkeit daheim komme hinzu, "dass auch die Schulen einen ärmlichen Charakter haben", wie Glöß sagte. Und da, wo es in der Schule toll werde, fügte sie an, müssten die Eltern bezahlen. Die Konsequenz daraus sei fatal: "Armut ist quasi erblich", so die Dezernentin. Es gelte, diesen Kreislauf zu durchbrechen: "Meine Utopie ist eine Schule, in der keiner etwas bezahlen muss außer der öffentlichen Hand. Dann bekommen wir gleiche Chancen im Bildungssystem." Damit freilich war eine schulpolitische Diskussion angestoßen, die zur akuten Bekämpfung von Kinderarmut nicht taugt. pwu

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