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Prozess um sexistische Werbung in Castrop-Rauxel

Angeklagter prangerte Plakat an und handelte eigenmächtig

Castrop-Rauxel „Frau TV“ im Saal 1 des Amtsgerichts: Der Beamer wirft einen Beitrag vom letzten Herbst an die weiße Wand. Das Augenmerk liegt auf dem Zeitraum zwischen Minute 15:00 und 18:58. Da geht es um sexistische Werbung in Castrop-Rauxel und den Mann, der diese anprangert. Und seinerzeit eigenmächtig zur Tat schritt.

Angeklagter prangerte Plakat an und handelte eigenmächtig

Es ist eine plakative Tat, die den 69-Jährigen vor Gericht brachte. Angeklagt, das Erscheinungsbild einer fremden Sache unbefugt verändert zu haben. Die Sache: Das Plakat einer Elektrofirma, angebracht an der Siemensstraße, die damit für einen Kühlschrank warb. Indem eine Frau, ohne Kopf, in einem engen, kurzen Kleid und mit auffälligen High Heels, daliegt und ihre Füße auf der Maschine ablegt. „Heiße Spülmaschine“ war der Lockruf der Werber. Was den Angeklagten dazu brachte, medienwirksam mit dem Kamerateam von Frau TV ein selbstgefertigtes „Zensiert“- über den Firmennamen zu kleben. „Ein Ritter in unserer Sache“, lobte die Reporterin.

„Alle anderen Mittel waren ohne Erfolg“

Zuvor hatte der 69-Jährige den juristisch korrekten Weg beschritten. Er informierte den Werberat und die Gleichstellungsstelle der Stadt Castrop-Rauxel. Beide Stellen entschieden: „Die Werbung muss weg, ist frauenfeindlich und sexistisch“, und informierten die auftraggebende Firma. Doch nichts geschah. Auch nach wiederholter Mahnung nicht. „Alle anderen Mittel waren ohne Erfolg“, listete der Verteidiger des Angeklagten auf. „Da hat sich mein Mandant entschlossen, mittels der Medien die frauenfeindliche Werbung öffentlich zu thematisieren.“

Durch diesen Beitrag wurde dann auch bekannt, dass sich der Castrop-Rauxeler schon häufig für die Rechte der Frau und gegen frauenfeindliche Werbung eingesetzt hat. Bislang immer auf dem formaljuristisch korrekten Weg.

„Das Plakat war schon marode“

Die Aktion vom Herbst brachte ihn nun vor den Strafrichter. Dazu werden zivilrechtlich rund 1500 Euro wegen des Sachschadens eingeklagt. Eine Summe, die der Mann nicht akzeptieren will. „Das Plakat war schon marode, die Schadensberechnung legt eine Neuanschaffung zugrunde“, sagte er. Er führte weiter an, dass in der Berechnung auch der Entwurf der Werbefirma enthalten sei. „Da können Sie zivilrechtlich Abschläge geltend machen“, riet ihm der Strafrichter.

Er selbst stellte das Strafverfahren ein mit der Auflage, 300 Euro an den Geschädigten zu zahlen. Die Summe kann mit der Forderung einer Zivilklage verrechnet werden. Der 69-Jährige war zufrieden und hofft, mit der Aktion für eine Sache sensibilisiert zu haben, die derzeit durch die Me-Too-Debatte sehr viel diskutiert wird.

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