Auf der Außenbahn: Selbstkritik und Überreaktionen

CASTROP-RAUXEL War das ein merkwürdiger Abgang. Torsten Marquardt, bis zum Wochenende noch Trainer der A-Junioren des SV Wacker Obercastrop. Doch dann bekam der Vorstand kalte Füße - auch, weil Marquard einer falschen Information aufgesessen war. Dies und mehr, heute auf der Außenbahn.

Emil Hnat , Tennisspieler beim TuS Ickern, hat jetzt den vierten Platz bei der Wahl des Westfälischen Tennis-Verbandes (WTV) zum "Westfälischen Tennisspieler des Jahres 2007" belegt. 9,7 Prozent der Stimmen konnte der Europastädter auf sich vereinen. Damit lag er hinter Sieger Christopher Koderisch (TC BW Halle/49,8), Andre Begemann (TC BW Soest/20,4) und dem Daviscup-Spieler Alexander Waske (TC BW Halle/16,0). Hnat war im Vorjahr mit der Westfalen-Auswahl der Altersklasse 40 immerhin Dritter bei der Wahl zur "Mannschaft des Jahres". Der vierte Platz jetzt, quasi im Einzel, war eine Anerkennung seiner Leistungen: 2007 war er Zweiter der Herren 40 bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften. Und trotz des Abstiegs des Ickerner Clubs aus der Westfalenliga im Jahr zuvor, spielte Hnat 2007, im Alter von 43 Jahren, noch in der Herren (!)-Oberliga. Wo er auch in diesem Sommer noch aufschlagen würde, hätte Ickern nicht inzwischen freiwillig den Rückzug in die Verbandsliga angetreten.

Dieter Fernow , Trainer des Korfball-Regionalligisten KV Adler Rauxel, wird am Sonntagabend mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Auslosung zum Halbfinale des KOED-Cups geschaut haben. Zuvor hatte der Übungsleiter des Pokalverteidigers betont, dass er zwar keinen Lieblingsgegner für die Vorschlussrunde habe, jedoch aber nur nach Schildgen nicht noch einmal fahren wolle. Dort hatte sich sein Team gerade mit 20:5 im Viertelfinale bei der Zweitvertretung des rheinischen Clubs durchgesetzt. Dann kam es bei der Auslosung anders: Halbfinal-Gegner ist, wie im Vorjahr im Endspiel, der Regionalliga-Rivale TuS Schildgen 1. Immerhin: Nach Schildgen braucht Fernow tatsächlich nicht fahren; sein Team darf daheim spielen.

Helmut Schulz , Trainer des Fußball-Bezirksligisten Spvg Schwerin, ist für seine sachlichen Analysen nach Spielende bekannt, in denen er mitunter auch die eigene Mannschaft durchaus kritisch beäugt. Am Sonntag nach dem 1:0-Sieg gegen Langendreer stand hingegen ein ungewohntes Thema auf der Tagesordnung der Nachbetrachtung: Schulz selbst. Der Coach hatte in der 84. Minute den Schiedsrichter nach einer knappen Abseits-Entscheidung darauf hingewiesen, dass dieser viel zu weit weg von der Spielsituation gestanden habe. Darauf erteilte der Referee Schulz für die verbleibenden sechs Minuten ein Bankverbot. Nach der Partie äußerte der Trainer Verständnis für den Unparteiischen und ging mit sich selbst ins Gericht: "Bei allem Ärger über die Entscheidung war mein Verhalten nicht in Ordnung", kommentierte Schulz. "Ich werde gleich in die Kabine gehen und mich bei meiner Mannschaft dafür entschuldigen."

Torsten Marquardt , Trainer der A-Junioren-Fußballer des SV Wacker Obercastrop, verlor am Wochenende seinen Posten. Und das nur, weil er einer Fehlinterpretation aufgesessen war: Der Kreisjugendausschuss hatte per Internet-Nachricht bekannt gegeben, dass "die Spiele des heutigen Tages" in den Junioren-Kreisligen aufgrund der Wetterlage abgesagt seien. Diese Information kam offenbar beim SVWO-Trainer falsch an. "Am Samstag hat mir Hans John gesagt, dass der komplette Spieltag abgesagt worden ist", erklärte Marquardt, "also auch die Spiele am Sonntag." Er habe sich auf die Aussage des Schiedsrichter-Lehrwartes verlassen, daher sei er mit dem Team erst gar nicht zur Partie am Sonntag gegen die DJK Falkenhorst angetreten. Obwohl sein Team auf Platz zwei der Kreisliga B mit fünf Punkten Vorsprung immer noch auf einem Aufstiegsplatz steht, bekam der Vorstand, der den Wiederaufstieg anpeilt, wohl kalte Füße und entließ den Trainer. "Diese Überreaktion kann ich nicht nachvollziehen", ist Marquardt enttäuscht.

Dieter Beleijew , Trainer des VfB Habinghorst, offenbarte am Sonntag wieder einen Teil seiner vielen Talente, versehen mit dem ihm eigenen Engagement. Zunächst versuchte er verzweifelt das starke Nasenbluten seines Mannschaftsführers Gordon Schwarze vor dem Anpfiff in Bochum-Werne zu stillen. Beorderte gleichzeitig den Langzeitverletzten Thilo Karl vorsichtshalber in die Aufwärmphase und betätigte sich schließlich noch als Wetterprophet. Auf die Frage von Marcus Plarre hinsichtlich der frei stehenden Reservebank-Stühle und des drohenden Ungemachs von oben: "Was machen wir wenn es regnet Trainer?", antwortete Beleijew - nach kurzem Blick in Richtung der wirklich düsteren Wolken- "das regnet nicht." Hier behielt er Recht. Wenn noch vor dem 0:1 sein Tipp ("wir holen hier einen Punkt") aufgegangen wäre, hätte man dem "Bele" den Gang in eine Lottobude empfehlen müssen.