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Rütgers Germany investiert in Rauxel

Ausbau für 60 Millionen Euro bringt 75 neue Arbeitsplätze

Castrop-Rauxel Jetzt zahlt sich bei Rütgers Germany eine langfristige Planung aus: Weil das Unternehmen in den vergangenen Jahren auf dem Betriebsgelände aufgeräumt und Werksanlagen zurückgebaut hat, ist jetzt Platz für eine 60-Millionen-Euro-Investition. Die größte, die in der Muttergesellschaft Rain Carbon Inc. jemals getätigt wurde. Mit Folgen für den Ortsteil und die gesamte Stadt.

Ausbau für 60 Millionen Euro bringt 75 neue Arbeitsplätze

Rütgers-Standortleiterin Elke Helck, Betriebsrats-Chef Ralf Danszczyk, der Technische Beigeordnete Heiko Dobrindt und Bürgermeister Rajko Kravanja (v.l.): Gemeinsam freuen sie sich über die Millionen-Investitionen der Rain Carbon Inc. am Standort Rütgers Rauxel. Foto: Tobias Weckenbrock

Das Chemieunternehmen Rütgers wird laut Planung bis Juni 2019 eine neue Produktionsanlage bauen, in der sogenannte weiße Harze aus Teer gewonnen werden. Geschaffen werden sollen bis zu (so hieß es am Dienstag bei einem Pressegespräch wörtlich) 75 neue Arbeitsplätze für Fachkräfte und Führungskräfte. Die Bezirksregierung Münster habe seit dem 14. Februar sechs Aktenordner Material auf dem Schreibtisch liegen, die nun nach einer ersten Sichtung seit dem 1. März bearbeitet werden. Baubeginn soll schon im Mai sein, wenn die Unternehmensleitung ein erstes vorläufiges Statement aus der Genehmigungsbehörde erwartet. Produziert werden soll ab Juni 2019.

Sechsmal 20 Aktenordner für die Bezirksregierung

In den Aktenordnern, die die Firma in 20-facher Kopie an die Bezirksregierung übergeben musste, seien Baubeschreibungen, Lagepläne, Gutachten für Schall, Staub, Geruch, den Brandschutz, dazu Anlagentechnologie-Schaubilder und mehr, sagt Standortleiterin Elke Helck. „Die Gutachten zeigen: Es entstehen nicht mehr Lärm, nicht mehr Emissionen und nicht mehr Geruchsbelastung durch die Anlage.“ Man spreche von einer komplett geschlossenen, inhärent sicheren Anlage. „Es kommt einfach nichts heraus“, so Helck.

Um zu erklären, um was für eine Anlage es sich genau handelt, hat Dr. Guenther Weymans, der Chief Operating Officer und Managing Director der Muttergesellschaft Rain Carbon Inc. am Dienstag zum Pressegespräch drei Glasgefäße vor sich auf dem langen Konferenztisch stehen: links Carbores Novares C10, ein flüssiges Destillat aus Teeren, die als Abfälle aus der Industrie hier angeliefert werden und aus denen vor allem Autoreifen hergestellt werden; rechts „Advanced Carbon Material“ zur Herstellung von Lithium-Ionen-Batterien, nach denen im digitalen Zeitalter eine hohe Nachfrage besteht. Und in der Mitte das Neue: weißer, schadstofffreier Harz,

Was sind wasserklare Harze?

„Man kann ihn in Lebensmittelverpackungen und Babywindeln einsetzen“, erklärte Weymans am Dienstag - es handle sich um wasserklare Harze der neuesten Generation. Es ist ein weiterer Veredelungsstoff, der aus Teer gewonnen wird und zum Beispiel in der Klebstoffindustrie weiterverarbeitet werden kann.

Auf die Gewinnung von Einzelbestandteilen aus diesem Abfallprodukt der Aluminiumindustrie hat sich Rütgers spezialisiert. Er hat dazu noch im vergangenen Jahr eine neue Destillationsanlage in Betrieb genommen, die die Arbeit effektiver macht. Der neu gewonnen Stoff, so Weymans, sei „grün“, er enthalte nichts mehr an Schadstoffen, sei also für Hygieneprodukte zugelassen. „Wir produzieren davon 50.000 Tonnen im Jahr“, so der Plan. Damit erreiche man dann 10 bis 15 Prozent der Weltmarktkapazität. Und zugleich steige der Anteil der nicht-kohlestämmigen Rohstoffe am Standort Rauxel von 20 auf 40 Prozent.

Die neue Anlage wird im Herzen des Betriebsgeländes Nord auf rund 17.000 Quadratmetern - knapp zweieinhalb Fußballfelder - errichtet und voll digitalisiert betrieben. Schon in der Bauphase sollen Mitarbeiter in Simulatoren für ihre spätere Arbeit trainiert werden, in die Planung und Bautätigkeit einbezogen werden. 77 einzelne Geräte werden laut Weymans verbaut, 3000 Kilometer Rohrleitungen. Dabei verzichtet man heute auf große Reaktoren oder Kessel, in denen die chemischen Reaktionen ablaufen, sondern lasse die Prozesse in den dünnen Rohrleitungen hintereinander ablaufen.

10 Fragen zu Rütgers in Rauxel

Hilfreich dafür war ein konsequenter Abriss alter Betriebsanlagen, die im Werk nicht mehr benötigt wurden. Rütgers hat das im vergangenen Jahrzehnt deutlich vorangetrieben. „Weise vorausgedacht“, sagt Bürgermeister Rajko Kravanja, der in der Stadtverwaltung eine Projektgruppe gebildet hat, in der sein Referent Sven Dusza mitarbeitet. „Die Zeischiene ist auch für uns als Behörden immer wieder eine Herausforderung. Aber hier priorisieren wir: Das ist das größte Projekt der Stadt in den vergangenen Jahren“, so Kravanja. „Damit ist nicht nur Standortsicherheit verbunden, sondern es entstehen Arbeitsplätze und wir erhöhen die Gewerbesteuer-Einnahmen.“ Es gebe kaum eine Familie in Castrop-Rauxel, die nicht irgendwie mit dem Rütgers-Standort verbunden sei. „Der Teer fließt bei uns in den Adern“, so Kravanja.

Knapp 600 Menschen arbeiten aktuell auf dem Werksgelände

Das Unternehmen hat 475 Mitarbeiter am Standort Castrop-Rauxel. Auf dem Werksgelände sind außerdem rund 100 Mitarbeiter in Partnerfirmen beschäftigt. Der Technische Beigeordnete Heiko Dobrindt am Dienstag im Pressegespräch: „Dieses Projekt können wir uns für unsere Stadtentwicklung nur wünschen. Wir haben in den Plänen die Standortentwicklung an dieser Stelle ja als hochprioritär angegeben. Die Flächenpotenziale hier sind für industrielle Entwicklung vorgesehen und wir sind natürlich daran interessiert, dass sie auch in Anspruch genommen werden.“

Ausbau für 60 Millionen Euro bringt 75 neue Arbeitsplätze

Diese Werkstoffe gewinnt Rütgers aus Teer, einem Abfallprodukt. In der Mitte das neue Material, das Harz, das in der Klebstoffindustrie benötigt wird und auch für Babywindeln oder andere hygienische Produkte verwendet werden kann. Foto: Tobias Weckenbrock

Auf rund zehn Lastwagen am Tag mehr müssen sich die Menschen im direkten Umfeld laut Betriebsleitung einstellen. Einfahren werden sie von der Wartburgstraße aus in Höhe des Berufskollegs, anschließend werden sie über eine neue Ringstraße übers Werksgelände geführt. Die Ausfahrt wird dann über eine neue Anbindung an den Kreisverkehr beim Aldi und über die Siemensstraße in Richtung Bundesstraße und Autobahn 42 erfolgen. „Für mich als Bürgermeister ist das das erste Projekt in dieser Größenordnung“, freut sich Rajko Kravanja. In den letzten zehn Jahren habe die Stadt so etwas in dieser Dimension nicht erlebt. Laut Michael Werner sei die Projektgröße vergleichbar mit dem BASF-Rückbau. Heiko Dobrindt nennt in diesem Zusammenhang noch die Ansiedlung von Philippine-Saarpor auf dem Rütgers-Werksgelände.

Umgang mit dem Abwasser wird verbessert

Parallel verändert Rütgers seinen Umgang mit dem Abwasser: Die beiden Brauchwasserbecken werden künftig abgeschafft, das Schmutzwasser dann dem neuen Abwasserkanal der Emscher zugeführt. Um Regen- und Brauchwasser zu trennen, investiere Rütgers weitere 10 Millionen Euro sowie 6 Millionen Euro in die Abschaffung der Brauchwasserbecken, die wie Teiche auf dem Gelände sind. Diese 16 Millionen Euro kommen zu den 60 Millionen Euro Investitionsvolumen noch hinzu. Darüber sei man nun seit rund zehn Jahren im Gespräch gewesen, so EUV-Stadtbetriebs-Vorstand Michael Werner. „Die Zuführung zum Abwasserkanal der Emscher ist für uns eine Voraussetzung für uns, am Dornbach und Deininghauser Bach weiter zu kommen.“

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