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Buchstabe um Buchstabe

CASTROP-RAUXEL Ein leichtes Flimmern überzieht die Buchstaben auf dem modernen Flachbildschirm in Reinold Ramlaus kleinem Arbeitszimmer.

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Der Maschinensatz im Verlagshaus Lensing entschuldigte keine Fehler. Einmal vertippt, war die ganze Zeile futsch.

Den Bleisatz auf dem so genannten Setzschiff hat Reinold Ramlau nur noch zu Anschauungszwecken. Heute arbeitet er am Computer. "Ich bin doch lernfähig", sagt der 69-Jährige.

Reinold Ramlau musste anfangs die Buchstaben einzeln auf dem Setzschiff platzieren.

Mit sicherer Hand schlägt der 69-Jährige einen Text in die Tastatur, Zeile um Zeile. Plötzlich ein Tippfehler. Für den Senior kein Grund zur Panik. Der Computer erlaubt einfaches Löschen und Neuschreiben. "Früher war so ein Fehler nicht so leicht zu korrigieren", sagt Reinold Ramlau und sein Blick fällt auf den schweren Setzkasten, der schräg über dem Computer hängt. Zahlreiche bleierne Buchstaben sind dort ordentlich einsortiert, erinnern an eine längst vergangene Zeit, als Zeitungen noch Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort gesetzt wurden.

Deutsch-Ass

Reinold Ramlau ist Schriftsetzer. Ein inzwischen ausgestorbener Beruf, den er Dank seiner sehr guten Deutschnote erlernte. "Eigentlich wollte ich in die Teerverwertung nach Rauxel", erinnert er sich. "Doch dafür war ich viel zu schmächtig."

In unvorstellbarer Kleinarbeit erstellte er in seinen Lehrjahren (ab 1953) aus einzelnen Buchstaben, die auf einer Schiene platziert wurden, die Zeilen, fügte mehrere Zeilen zu Absätzen, Absätze zu einem Text zusammen. Später wurde aus dem Handsatz der Maschinensatz. Eine Arbeitserleichterung, doch verglichen an heutigen Standards noch immer eine Qual.

Wie vor einer überdimensionalen Schreibmaschine saß Reinold Ramlau, damals für die Ruhr Nachrichten tätig (Foto u.r.), und drückte die Lettern über eine Art Tastatur in flüssiges Blei. "Ein Tippfehler bedeutet, die ganze Zeile ist futsch", sagt er und lacht gelassen. Damals durfte er sich nur wenige Fehler erlauben. Als Maschinensetzer musste er Akkordarbeit leisten.

Bildschirm

Lange Zeit bevor in jedem Haushalt ein Computer stand, sattelte die Zeitungsbranche Anfang der 80er Jahre vom Maschinensatz auf den Lichtsatz um. Aus dem einstigen Handwerk wurde eine virtuelle Arbeit am Bildschirm. "Ich hab mich anfangs sehr schwer getan", gesteht Reinold Ramlau heute. "Das ist für alle Neuland gewesen." Jeder der noch vor Word und Co am Computer einen Brief aufgesetzt hat, kennt die komplexen Befehlsstrukturen.

Nach 20 Jahren vor dem Bildschirm schwor sich Reinold Ramlau mit dem Eintritt ins Rentenalter im Jahr 2000 nie wieder so einen Kasten zu bedienen. Das Versprechen hielt nicht lange. Wenige Monate später stand der erste PC in seinem Arbeitszimmer. "Ich bin doch lernfähig", witzelt der gebürtige Rauxeler, setzt sich wieder an seinen Computer und schreibt weiter - Buchstabe um Buchstabe. Er fügt noch ein Bild seiner neuen Digitalkamera ein und verschickt alles per E-Mail. "Unglaublich wie einfach das geht", sagt er.

 

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Der Maschinensatz im Verlagshaus Lensing entschuldigte keine Fehler. Einmal vertippt, war die ganze Zeile futsch.

Den Bleisatz auf dem so genannten Setzschiff hat Reinold Ramlau nur noch zu Anschauungszwecken. Heute arbeitet er am Computer. "Ich bin doch lernfähig", sagt der 69-Jährige.

Reinold Ramlau musste anfangs die Buchstaben einzeln auf dem Setzschiff platzieren.

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